Rezensionen des Buches "Über den Zaun geblickt"



NN

Ich habe mir Ihre beiden zuletzt erschienen Bücher in der letzten Woche vom Verlag zuschicken lassen und ein erst Blick hat gezeigt dass diese wie immer glänzend geschrieben und mit viel statistischem Material unterlegt sind.


Manfred Steingrube

Auch in seinem neuen Buch "Über den Zaun geblickt" bleibt sich der Autor treu und gibt dem Leser anhand beispielloser und eigentlich nicht mehr zu leugnender Fakten mit einer beherzten Offenheit und mit einer sachbezogenen erläuternden Kompetenz ein weiteres Sachbuch zur Hand, das mit großer Sicherheit noch sehr lange in seiner Aktualität Bestand haben wird. Es eignet sich zudem wie alle seine Bücher als Nachschlagewerk für Diskussionsrunden, für Einzelgespräche oder um sich nur einfach fernab von den Massenmedien "über den Zaun" zu informieren. In dem Buch geht es nicht ausschließlich um Meinungen, sondern vorzugsweise um reine Fakten, zusammengefasst in acht Kapiteln mit zahlreichen Untertiteln aus Gesellschaft, Bildung, Sozialstrukturen, Wirtschaft, Gesundheit, Steuern, Umwelt sowie das Problembewusstsein hinsichtlich der Globalisierung in Deutschland. In einem Nachwort lädt Joachim Jahnke den kritischen Leser ein, bei aufkommenden Fragen mit ihm in Kontakt zu treten.

Der Autor schaut besonders vom Standort Deutschland ausgehend über die Grenzen hinaus. Er arbeitet wohl strukturiert und durchdacht. Folglich ist für Jedermann der internationale Leistungsvergleich mit mannigfachen Leistungsmerkmalen besonders des deutschen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems nachvollziehbar. Es gelingt ihm unter analytisch feiner Berücksichtigung nationaler wie auch internationaler Fakten Deutschland sorgfältig im Jahre 2009 mit anderen Staaten zu vergleichen. Dabei fällt besonders eine grafische Darstellung auf Seite 2 auf. Die Grafik hat der Autor benannt mit den Worten: "Diese Zahlen klagen an". Zu sehen ist ein grafischer Vergleich unter 15 Alt-EU Ländern. Deutschland fällt dabei besonders negativ auf und nimmt mehrheitlich die hinteren Plätze ein.

Politikern und vielen Journalisten ist Jahnke vermutlich eher ein Dorn im Auge und gilt wohl auch als unbequem, denn sie zitieren gerne Fakten aus dem eigenen Haus und die sind sehr oft fern der Realität. Unter Zugrundelegung einer OECD-Studie führt Jahnke dem Leser vor Augen, dass Deutschland ganz erheblichen Aufholbedarf in mannigfacher Hinsicht hat. Er wird erkennen, dass Deutschland keinen Titel eines kinderfreundlichen Landes erhalten wird. Die deutschen Geburtenraten werden nur noch von Italien als 15ter einer Rangliste unterboten. Besonders in Deutschland ist die Kinderarmut besonders hoch. Sie ist geprägt von sozialen und politisch bewusst in Kauf genommenen und gewollten sozialen und finanziellen Ungleichgewichten, die Jahnke durchgehend in seinem Buch beschreibt und darlegt. In keinem der dort angeführten Länder ist die Frauendiskriminierung bei Löhnen und Gehältern so hoch wie in Deutschland. Auch bei der Entwicklung von Löhnen und Gehältern deutscher Arbeitnehmer belegt Deutschland verglichen mit den Alt-EU Staaten den letzten Platz.

Jahnke führt diese und weitere im Buch beschriebenen Entwicklungen mit darauf zurück, dass besonders in den zurückliegenden Jahren ein beispielloser Umbau der ehemaligen sozialpartnerschaftlich geprägten Wirtschafts- und Sozialsysteme stattgefunden hat. Allein der Umbau des Arbeitsmarktes hat viele Millionen Menschen in die Armut getrieben, statt sie durch einen allgemeinen Mindestlohn wenigstens sozial abzufedern. So konnte sich die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland besonders weit entwickeln. Unternehmen aber haben immer mehr Steuernachlässe erhalten.

Von vielen Politikern werden immer wieder Vergleiche mit anderen Ländern herangezogen, um somit ihre "neoliberal geprägte Politik" der Deregulierung, Privatisierung und Modernisierung Deutschlands zu begründen Doch vieles davon ist falsch oder zumindest fraglich, und könnte anders aussehen, wenn dies politisch gewollt wäre.

Dem Autor gelingt es mit seiner klaren Analyse wiederholt den Finger in die Wunden gesellschaftspolitischer Veränderungen zum Nachteil vieler Millionen Menschen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen zu legen. Nach seiner Ansicht bekommen dies die Menschen hautnah zu spüren und werden weiterhin emotional stark bewegt sein, weil sehr viele Politiker und Lobbyistengruppen den Mehrheitswillen der Menschen bewusst nicht beachten. Vermutlich werden sie auch zukünftig durch vordergründige Meldungen und Aussagen bewusst in die Irre führen bis die meisten Menschen am Ende aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen.

Zusammenfassend kann aus meiner Sicht gesagt werden, dass dieses Buch gerade noch zum richtigen Zeitpunkt vor dem 27.09.2009 erschienen ist. Der Leser wird seine bisherige politische Sicht auf die beschönigende Administration und die meisten Medien revidieren müssen, denn die deutsche Politik der zurückliegenden Jahre war in erster Linie darauf angelegt, den Weg des puren Neoliberalismus vorzubereiten und administrativ auf nationaler Ebene den Verbindungsweg dorthin zu ebnen. Es ist zu wünschen, dass dieses Buch sehr viele Menschen lesen werden, um sich "Über den Zaun geblickt" über die wahren politischen Absichten zu informieren.