Reihe 68 ab 22-02-10 ... ...

(1951) Die gewerbliche Wirtschaft baut weiter ab

(1950) Und nun dieser Unfug zu Super-Deutschland in SPIEGEL-online

(1949) China verbrämt seine Währungsmanipulation - reagieren die USA mit Sonderzöllen?

(1948) Griechenlands erfolgreiche Erpressung: Die konservativen Regierungen in Berlin und Paris machen die Landeskassen auf

(1947) Abwrackprämie: Vom Fluch der bösen Tat: Zulassungen minus 30 %

(1946) Auf jeden versicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland entfallen jetzt 61.353,48 Euro Staatsschulden

(1945) Deutschland Negativ-Meister in Bruttolohnentwicklung

(1944) Die Superreichen haben die Krise unbeschädigt überstanden

(1943) Es gibt jedenfalls einen großen Krisengewinnler: China

(1942) Deutschland muß weniger deutsch werden, um die Eurozone zu retten

(1941) Deutscher Export kommt nicht aus dem Krisenkeller

(1940) Und jetzt der Euro als Weich-Ei? Oder vom Unsinn eines Europäischen Währungsfonds

(1939) Frauen in Deutschland: Auf dem Marsch ins Niedriglohn-Abseits

(1938) Industrieumsatz minus 18,2 % zu Januar 2008, mehr Insolvenzen

(1937) Die deutsche Industrieproduktion kommt nicht aus dem Tal

(1936) Der Weltkrieg gegen die baby girls (vor allem China)

(1935) Und nun die Inflation: Der immer stärkere Ruf nach Inflation hat Hintergründe und Opfer

(1934) Mehr Industrieaufträge im Januar, aber immer noch 25 % weniger als im Vorkrisenmonat Juni 07

(1933) Deutschland weiter Spitzenreiter in Lohndiskriminierung der Frauen

(1932) Keine Jobs für Hartz-IV-Empfänger - kein Mindestlohn - lahmender deutscher Einzelhandel

(1931) Warum des Euro Stunde in Griechenland schlägt und noch viel mehr

(1930) Bruttoverdienste sinken erstmals seit Gründung der Bundesrepublik auch nominal, Einzelhandelsumsatz -3,4 %

(1929) Deutschland und Griechenland: Zwei Welten in einem Euro-Korsett

(1928) Griechenland, die Hedgefonds und die Credit Default Swaps

(1927) Die skandinavischen Hochsteuerländer schlagen alle in Europa mit positiven Ergebnissen

(1926) Griechenlandkrise: Ursachen und Folgen

(1925) Die Wahrheit vom Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitslosigkeit in „Unterbeschäftigung" versteckt

(1924) Arbeiten wie Gott in Frankreich? Zugleich ein Beitrag zur Mindestlohndiskussion in Deutschland

(1923) Warum Deutschland nicht aus der Krise kommen kann

(1922) Detaildaten zum Q4 2009: Dank falscher Wirtschafts- und Sozialpolitik kommt Deutschlands Wirtschaft nicht aus dem Krisental

(1921) Robert Koch Institut: Altersstandardisierter Anstieg der Krebserkrankungsraten 1980 bis 2005 um 30 % (Männer) bzw. 20 % (Frauen), doch verbesserte Überlebensraten

(1920) Wird Deutschland ein Land der Hilfsarbeiter?

(1919) Eingetrübtes Geschäftsklima: Was ist da überraschend?

(1918) Werden die neuen Bundesländern zum Altersheim?

(1917) Wie zahnlos sind eigentlich die deutschen Gewerkschaften?




global news 1951 15-03-10: Die gewerbliche Wirtschaft baut weiter ab

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Die deutsche gewerbliche Wirtschaft hatte im Januar 4,9 % weniger Beschäftigte als im Vorjahres-Januar, wobei die Lohn- und Gehaltssumme inflationsbereinigt um 4,6 % tiefer lag (Abb. 04009). Damit setzte sich der Trend in der gegenüber dem Vorjahr negativen Entwicklung der Lohn- und Gehaltssumme fort (Abb. 14712).



Da die deutsche Beschäftigung im Januar um 0,5 % gegenüber Vorjahr zurückging, hat es die gewerbliche Wirtschaft mit minus 4,9 % besonders hart getroffen, was auch mit der Exportabhängigkeit zusammenhängt.


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global news 1950 14-03-10: Und nun dieser Unfug zu Super-Deutschland in SPIEGEL-online

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SPIEGEL-online bringt heute unter der Überschrift „Deutsche Wirtschaft übertrumpft den Rest Europas" (in Anlehnung an einen Artikel im konservativ-neoliberalen britischen Economist) ein besonders gutes Beispiel dümmlicher Medienverdrehung:

„Die Konjunktur stockt, die Zahl der Arbeitslosen steigt - die deutsche Wirtschaft macht einen desolaten Eindruck, aber im Vergleich zum Rest der EU ist sie Spitze. SPIEGEL ONLINE analysiert, wie Deutschland zum Wachstumsmotor Europas geworden is."

„Deutschland steht vergleichsweise gut da. Ein Grund ist der robuste Arbeitsmarkt. Im Jahr 2009 lag die Erwerbslosenquote bei 7,5 Prozent. Manch einen europäischen Nachbarn hat es erheblich schlimmer getroffen.

Was ist der Grund für diese überraschend positive Entwicklung? Warum schneidet Deutschland besser ab als seine Nachbarn? Da ist zum einen die demografische Entwicklung in Deutschland. Die Bevölkerung schrumpft, und so strömen auch weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. ‚Pro Jahr gehen in Deutschland etwa 100.000 Menschen mehr in Rente, ohne dass unten Nachschub kommt', sagt Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. ‚Das senkt die Arbeitslosenquote um etwa 0,2 Prozentpunkte.' Der deutsche Arbeitsmarkt wurde entlastet, weil Arbeitsplätze - viele davon Teilzeit - im öffentlichen Sektor im Bereich Pflege und Erziehung geschaffen wurden. Im Dezember 2009 gab es in Deutschland 270.000 Teilzeitstellen mehr als noch im Dezember des Vorjahres. Außerdem hat die Industrie verhältnismäßig wenig Arbeitsplätze abgebaut. Ein Grund sind die moderaten Tarifabschlüsse der Gewerkschaften.

Ein weiterer Grund für die Stärke Deutschlands ist der Euro. Der Grund: Die deutsche Wirtschaft hängt stark am Export. Fast 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wurden 2009 durch Warenexporte generiert. Vor Einführung des Euro hatte Deutschland einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen europäischen Ländern. Die Deutsche Mark war im Vergleich zu anderen Währungen tendentiell stark. Das machte deutsche Produkte im Ausland teuer."

Die Wahrheit sieht leider ganz anders aus, als uns der SPIEGEL einreden will. Deutschland hatte im letztgemeldeten 4. Quartal 2009 eine der schlechtesten Entwicklungen aller Vergleichsländer in Westeuropa, USA und Japan, nur noch nach unten überboten von den Kummerländern am Mittelmeer Spanien, Portugal, Italien und vor allem Griechenland (Abb. 15594). Über den gesamten Zeitraum seit dem Jahr 2000 haben sich nur noch Japan und Italien schlechter entwickelt (Abb. 15061).



Bei der Arbeitslosigkeit darf man nicht auf die vorrübergehende oder gelegentliche achten, sondern muß an Hand der besonders ernsten Langzeitarbeitslosigkeit über ein Jahr vergleichen, die in Deutschland gern verschwiegen wird und in der offiziellen Monatsdarstellung der Bundesagentur für Arbeit gar nicht erst auftaucht. Da lag nach dem letztgemeldeten dritten Quartal 2009 der deutsche Wert im unteren Mittelfeld nach unten nur noch von Irland, Belgien, Griechenland, Spanien und Portugal unterboten (Abb. 04022). Die schrumpfende Bevölkerung, den wuchernde Niedriglohnsektor mit mehr schlechtbezahlter Teilzeitarbeit und die Lohnverzichte der Gewerkschaften als Teile einer positiven Entwicklung auszugeben, ist eine einmalige SPIEGEL-Leistung.


Schließlich hat der Euro den deutschen Export in die Eurozone, dem Hauptabsatzmarkt, nur zeitweilig hochtreiben können, bis eben viele Partnerländer weitere Defizite mit Deutschland nicht mehr verkraften konnten und die Verbraucher dort auf die Bremsen gehen mußten. Das hat sehr zum Einsturz des deutschen Exports beigetragen und ist alles andere als ein Zeichen angeblicher Stärke. Im Januar sind die deutschen Exporte in die Eurozone stärker gegenüber Vorjahr eingebrochen als gegenüber allen anderen Regionen.

Schamhaft verschweigt der SPIEGEL im übrigen, daß der Economist von Deutschland weitere Reformen am Arbeitsmarkt einfordert.


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global news 1949 14-03-10: China verbrämt seine Währungsmanipulation - reagieren die USA mit Sonderzöllen?

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In seiner Pressekonferenz zum Ende des chinesischen Volkskongresses wies Regierungschef Wen Jiabao Forderungen der USA und Europas, China solle seine Währung aufwerten, zurück. Die chinesische Währung, den Yuan, halte er nicht für unterbewertet. Indirekt warf Wen Jiabao den USA wegen des niedrigen Dollars protektionistische Praktiken vor. Er verstünde nicht, wenn Länder ihre Währung abwerten, um ihren Export zu fördern, und dann andere Länder zwingen, ihre Währung aufzuwerten. Der stabile Yuan habe eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise gespielt.

Daran ist so ziemlich alles falsch (man könnte auch sagen: verlogen). Erstens, ist eine Währung, die ständig die Währungsreserven immer weiter hochfährt (Abb. 08188) und deren Wert von der chinesischen Zentralbank statt vom Markt festgelegt wird, schon per Definition unterbewertet. Chinesen ist das Halten ausländischer Währungen verboten und der Yuan ist seit langer Zeit genau an den Dollar angebunden (Abb. 08150).




Zweitens, werten die USA nicht ihre Währung durch Eingriffe der Zentralbank oder irgendwelche protektionistischen Praktiken ab, sondern hat der Dollar durch den konjunkturbedingten Verschuldenszuwachs und wachsendes Mißtrauen der Anleger an den Währungsmärkten an Wert verloren. Drittens, verschärft der untervewertete Yuan sehr wohl die Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise, indem er einen künstlichen Wettbewerbsvorteil für China schafft und die Ungleichgewichte, die die Wirtschaftskrise mitausgelöst haben, erhält oder sogar noch verstärkt (Abb. 08187).


Die Äußerungen des chinesischen Regierungschefs zeigen eigentlich nur, wie wenig marktorientiert die chinesische Politik ist, wie egozentrisch dirigistisch sie betrieben wird und wie wenig berechtigt die Aufnahme des Landes in die für Marktwirtschaften geschaffene Welthandelsorganisation war. Das US Treasury Department hat noch bis Mitte April Zeit, um zu entscheiden, ob China ein „currency manipulator" ist. In diesem Fall könnten die US besondere Steuern auf chinesische Produkte erheben.

Nach bisherigem amerikanischem Recht soll das Treasury Department die Währungspolitiken anderer Länder analysieren und zweimal jährlich zum 15. April und 15. Oktober berichten. Der Bericht muß feststellen, ob die Manipulation stattfindet, um eine wirksame Anpassung der Zahlungsbilanz zu verhindern oder einen unfairen Wettbewerbsvorteil im internationalen Handel zu gewinnen. Wird eine derartige Manipulation festgestellt, so muß der Finanzminister auf beschleunigter Basis Verhandlungen bilateral oder im IWF einleiten, um sicherzustellen, daß die Wechselkursrate zum Dollar regelmäßig und prompt angepaßt wird. Solche Verhandlungen sind allerdings nicht notwendig, wenn sie einen ernsthaften negativen Einfluß auf lebenswichtige nationale Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen hätten. Der Minister muß die Vorsitzenden des Senate Banking Committee und des House of Representatives' Financial Services Committee von seiner Entscheidung informieren.

Allerdings gibt es im Congreß - ausgelöst durch das chinesische Verhalten - viele Vorlagen, um das amerikanische Recht bei der Abwehr von Wechselkursmanipulationen zu verschärfen. So soll das Finanzministerium weniger Freiheit bei der Nennung oder Nicht-Nennung einzelner Länder haben. Das Senate Finance Committee hat bereits 2007 ein Gesetz verabschiedet, daß das Finanzministerium zwingen sollte, Länder mit fundamental verzerrten Währungen zu benennen, doch kam es zu einem Zuständigkeitsstreit mit dem Senate Banking Committee. Spitzenvertreter der Demokraten und Republikaner in beiden Ausschüssen erklärten im Juli 2008, die Durchführung der gesetzlichen Regeln durch die Bush-Administration sei nicht angemessen, und versprachen zusammen an einer Verschärfung des Gesetzes zu arbeiten. Von Vertretern beider Parteien wurde eine Gesetzesvorlage eingebracht, die das Handelsministerium ermächtigt, Zölle gegen den Import von Waren aus Ländern zu verhängen, die dauerhaft unterbewertete Währungen haben. Im November 2009 haben die Senatoren Charles Schumer and Lindsey Graham den Handelsminsiter gedrängt, auf der Basis vorhandener Regeln Wechselkursmanipulationen als unfaire fremde Subventionen zu behandeln und Abwehrzölle gegen chiniesische Waren zu verhängen. Der Handelsminister berief sich jedoch auf rechtliche Hemmnisse. Der republikanische Senator Charles Grassley drängte Obama in der vergangenen Woche, China formal zum Wechselkursmanipulator zu erklären. Senator Schumer will nun in den nächsten Tagen seine Gesetzesvorschläge gegen die chinesische Wechselkursmanipulation aktualisieren.


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global news 1948 13-03-10: Griechenlands erfolgreiche Erpressung: Die konservativen Regierungen in Berlin und Paris machen die Landeskassen auf

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Nun wird es geschehen. Die britischen Medien sind bereits voll davon und freuen sich, weil ihr Land nicht im Euro ist. Die deutschen Medien wachen nur langsam auf. In wenigen Tagen, wahrscheinlich schon beim Finanzministerrat am Montag, ist der Beistandspakt für Griechenland durch. Deutschland und Frankreich werden die Hauptgeber sein (siehe heutige Gedanken zur Zeit). Noch dementiert Berlin. Wie lange noch?

Von Anfang an hatte Griechenland drei starke Trümpfe, um die deutschen und französischen konservativen Regierungen zu erpressen und deren Kassen aufzusprengen. Erstens, hatten sich wieder einmal deutsche und französische Banken an den schlafenden Aufsichtsbehörden vorbei durch Aufkauf lukrativ aussehender griechischer Staatsanleihen und solchen anderer Schwachländer mit Risiko vollgetankt. Dabei hat die Europäische Zentralbank mitgespielt, indem sie die Anleihen als Sicherheiten für Bares an die Banken in Zahlung nahm (Abb. 16039, 16041).



Zweitens, zeigt der Protest der Straße in Griechenland, daß die Käufer griechischer Staatsanleihen weiter hohe Zitterprämien für griechische Staatsanleihen fordern werden, hoch genug, um die Staatspleite wahrscheinlich zu machen. Drittens, hat Griechenland ungeniert gedroht, den IWF um Hilfe zu rufen, und Papandreou ist schon eigens nach Washington gereist. Die Einschaltung des IWF ist für die integrationswütigen Regierungen in Berlin und Paris, und vor allem den europaverliebten deutschen Finanzminister, unerträglich. Der IWF sitzt schließlich nicht in Brüssel sondern in Washington. Hinzu kommt die Freude der deutschen Exportindustrie an einem schwächer werdenden Euro, der ihr beim Exportieren hilft, während die Kosten sich entsprechend verteuernder Importe von den deutschen Verbrauchern und Autofahrern getragen werden.

Und wenn der Damm erst einmal gebrochen ist, warten hinter Griechenland noch Italien, Spanien, Portugal und Irland. Zusammen mit Griechenland haben diese fünf Länder Staatsschulden von 3,4 Billionen Euro angehäuft, fast so viele wie Deutschland und Frankreich zusammen (Abb. 16064).


Die Staatsverschuldung steigt dabei bis auf 82.000 Euro für jeden Erwerbstätigen in Italien, fast zwei Drittel mehr als in Deutschland (Abb. 16065).


Was soll die Massenproteste in Athen, Dublin und anderswo gegen die Sparmaßnahmen eigentlich stoppen - Proteste von Menschen, die sich im Vergleich zu den Reichen dieser Länder ungerecht behandelt fühlen -, wenn da offene Kassen in Berlin und Paris warten? Ein Verlust an Souveränität durch verschärfte Kontrollen als Gegenleistung für Hilfe sicher nicht. Schäubles Rechnung mit der Abschreckung wird nicht aufgehen. Für den Europa- Euro- und Export-Dusel ihrer Regierung werden Deutschlands Steuerzahler und Verbraucher lange Jahre büßen. Und die begreifen nicht und protestieren auch nicht. Schließlich wird man ihnen beruhigend erklären, daß solche Garantien so gut wie nie in Anspruch genommen werden und daher zurecht nur in einen Schattenhaushalt gehören.


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global news 1947 12-03-10: Abwrackprämie: Vom Fluch der bösen Tat: Zulassungen minus 30 %

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Die Zulassungszahlen vom Februar zeigen mit minus 30 % gegenüber Vorjahr wie tief das Loch hinter der Abwrackprämie jetzt wird (Abb. 14664). Der Trend nach unten ist bisher ungebrochen.


In der Produktion zeigt sich der Einbruch noch nicht, weil der Export noch floriert, und das vor allem Dank der in vielen Abnehmerländern noch laufenden Abwrackprämien (Abb. 14646).


Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts gaben die privaten Haushalte in Deutschland im vergangenen Jahr rund 73 Milliarden Euro für den Kauf von neuen oder gebrauchten Kraftfahrzeugen aus. Im Vergleich zu 2008 ist das eine Steigerung um ein Fünftel (20,5 %). Die privaten Konsumausgaben insgesamt nahmen im vergangenen Jahr leicht um 0,4 % gegenüber 2008 zu. Ohne die Käufe von Kraftfahrzeugen hätte sich der private Konsum rechnerisch um 0,5 % vermindert. Kein gutes Omen für den privaten Konsum in diesem Jahr, da nun nicht nur die 0,5 % wegfallen sondern wegen des schwarzen Loches in den Zulassungen noch ein zusätzlicher Negativeffekt eintritt.

SPIEGEL-online macht da mit der bewußt irreführenden Schlagzeile auf "Kaufen in der Krise - Abwrackprämie rettet privaten Konsum", dabei ist das der Schnee von gestern und hätte "rettete" heißen müssen.


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global news 1946 11-03-10: Auf jeden versicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland entfallen jetzt 61.353,48 Euro Staatsschulden

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Deutschlands Staatsschulden erklommen im abgelaufenen Jahr mit 1,7 Billionen Euro einen neuen einsamen Rekord. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug 113 Mrd Euro (+7,1 %), der höchste seit Bestehen der Bundesrepublik, wenn man von dem durch Sondereffekte der Wiedervereinigung von 1995 absieht (Abb. 14158). Allein die jährliche Zinslast entspricht bei 3 % etwa 1.840 Euro für jeden versicherungspflichtig Beschäftigten. Die Zinsen werden von denen kassiert, die Geld zum Anlegen haben.


Wenn man die Verschuldung auf die Zahl der Einkommenssteuerzahler bezieht, die am Ende weitestgehend mit ihrer Steuer für die Staatsschuld aufkommen werden, so sind das 27,5 Mio sozialversicherungsplichtig Beschäftigte (unterhalb der Sozialversicherungspflicht werden so gut wie keine Steuern gezahlt), 1,25 Mio Beamte und 4,3 Mio Selbständige (ohne Hartz-IV-Aufstocker, aber mit mitarbeitenden Familienangehörigen, die nicht getrennt werden, obwohl viele sehr wenig Steuern zahlen werden). Pro Kopf ergibt das dann 51.153 Euro.

Das wird ungemütlich, auch weil die Bevölkerung im erwerbstätigen Alter, die mit ihren Steuern die Schulden finanzieren muß, in den kommenden Jahrzehnten erheblich zurückgehen wird.


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global news 1945 11-03-10: Deutschland Negativ-Meister in Bruttolohnentwicklung

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Während die Reichsten auch in Deutschland reicher werden (siehe Rundbrief), fallen die Arbeitseinkommen der deutschen Arbeitnehmer, im 4. Quartal 2009 um 0,7 % gegenüber Vorquartal (Abb. 04688). Der kurze Anstieg um die Jahreswende 08/09 war das Ergebnis der noch zu Boomzeiten ausgehandelten Lohnabschlüsse und des Anstiegs der versicherungspflichtigen Vollzeit-Beschäftigung, die seitdem wieder gefallen ist.


Im europäischen Vergleich stiegen die deutschen Bruttolöhne nominal zwischen dem Jahr 2000 und dem dritten Quartal 2009 um 21 %, während sie in der übrigen Eurozone (also ohne Deutschland) nach Beschäftigung gewichtet um 34 % zunahmen (Abb. 15059). Auch die Gesamtarbeitskosten stiegen in Deutschland mit 20,2 % gegenüber 37,9 % viel weniger (Abb. 15060). Real betrachtet, wenn man also jeweils die Inflation abzieht, die im Eurozonendurchschnitt um 20,8 % zunahm, ergeben sich sehr große Unterschiede.




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global news 1944 11-03-10: Die Superreichen haben die Krise unbeschädigt überstanden

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Nach der neuen Forbes-Liste ist die Zahl der Milliardäre in 2010 deutlich auf 1.011 gestiegen und damit fast wieder auf den Stand von 2008, nachdem sie im vergangenen Jahr um knapp ein Drittel gefallen war. Nur zwei Milliardäre der Top 100 kommen auf ein geringeres Vermögen als im Vorjahr. Das Gesamtvermögen aller Milliardäre stieg um 50 Prozent auf 3,6 Billionen Dollar. Das ist mehr als die Wirtschaftsleistung der 82 Millionen Deutschen oder mehr als das Zehnfache der dänischen Wirtschaftsleistung in einem Jahr. Hier das Bild der reichsten der Reichsten (Abb. 15057).


Mächtig aufgeholt haben die Chinesen, sie stellen nach den USA die meisten Superreichen. Reichster Deutscher und zehnter auf der Weltrangliste bleibt mit 23,5 Milliarden Aldi-Eigentümer Karl Albrecht, zwei Milliarden mehr als noch 2009. Hier das Bild der 43 reichsten Deutschen mit zusammen 180 Milliarden Vermögen oder der jährlichen Wirtschaftsleistung von 4,4 Millionen Deutschen (Abb. 15058).



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global news 1943 11-03-10: Es gibt jedenfalls einen großen Krisengewinnler: China

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China kann sich mit seiner Billigware auf der Basis billigster Arbeitskraft und unterbewerteter Währung gerade in der Krise noch besser gegen die Konkurrenz durchsetzen. Die Käufer in den Importländern sehen nun noch mehr auf die Preise. Der deutsche Export wird von dieser Konkurrenz nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt bedrängt. Die chinesischen Exporte sind im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 45,7 Prozent gestiegen. Es ist das größte Plus der letzten drei Jahre.

In den letzten Monaten waren die chinesischen Exporte um 20 bis 30 % größer als die deutschen (Abb. 08186).



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global news 1942 10-03-10: Deutschland muß weniger deutsch werden, um die Eurozone zu retten

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Der ökonomische Chef-Kommentator der Financial Times Martin Wolf analysiert heute die Krise der Eurozone und kommt zu dem Ergebnis: Deutschland muß weniger deutsch werden, wenn die Eurozone deutscher und am Ende gerettet werden soll. Gemeint ist, daß Deutschland von der Sparbremse runter und von seinen Partnern mehr importieren muß, damit diese ihre Defizite vermindern können. Das wird mit zwei Schaubildern unterlegt, die zeigen, wie die schwachen Länder 2006 riesige Defizite in ihren privaten Sektoren hochgefahren haben (praktisch Außenhandelsdefizite), die nun 2009 krisenbedingt verschwunden oder stark zusammengeschmolzen sind und durch staatliche Defizite ersetzt wurden. Ohne diese staatlichen Ausgaben und ohne die Möglichkeit, mehr nach Deutschland zu exportieren, würden diese Volkswirtschaften in sehr lange Krisen mit großen Unruhen verfallen (Abb. 16061, 16062).



Tatsächlich aber hat Deutschland seine Importe aus der Eurozone im abgelaufenen Jahr um 14,5 % zurückgefahren.

Die Summe der öffentlichen und privaten Bilanzen entspricht immer genau der Kapitalbilanz. Dementsprechend haben die schwachen Eurozonenländer 2006 ihre negativen Bilanzen des privaten Sektors und die geringeren des öffentlichen Sektors durch Kapitalimport ausgeglichen und so die Verschuldung aufgebaut.


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global news 1941 10-03-10: Deutscher Export kommt nicht aus dem Krisenkeller

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Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sanken die Ausfuhren im Januar 2010 gegenüber Dezember 2009 kalender- und saisonbereinigt um 6,3 %. Gegenüber dem Vorkrisenjanuar 2007 lagen sie um 23,3 % niedriger (Abb. 14631).


Das ist ein herber Rückschlag in der Exportentwicklung, von der sich Deutschland so abhängig gemacht hat. Gegenüber Januar 2009 sanken besonders die Ausfuhren in die Eurozone mit minus 2,1 %.


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global news 1940 09-03-10: Und jetzt der Euro als Weich-Ei? Oder vom Unsinn eines Europäischen Währungsfonds

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Der Euro war von Anfang an ein faules Ei, denn ohne gemeinsame Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik ist jede Währung nur ein Experiment auf Zeit. In diesem Fall hatten die Autoren ein "Hart-Ei" versprochen und dabei einen ungedeckten Scheck auf das Nachwachsen der verschiedenen unverzichtbaren Politikbereiche gezogen. Dazu kam es aber nicht. Die EU wurde mit immer mehr Ländern erweitert, denen Souveränitätsverzichte schwerfallen, und die Eurozone nahm Mitglieder auf, die nie hätten aufgenommen werden dürfen. Der Lissabon-Vertrag war in Sachen Integration wahrscheinlich das Ende der Fahnenstange. Das läßt den Euro ungeschützt außen vor.

So hatte die EZB nie eine Chance, Inflations- oder Entwicklungsraten zwischen Deutschland und den anderen sechs Eurozonenländern, mit denen Deutschland erhebliche Überschüsse ansammelte, zusammenzuhalten (Abb. 15055, 15056). Die BIP-Entwicklung ging zwischen 2003 und 2009 bis auf 25 % auseinander, die Inflation bis zu 12 %. Die Zinsrate der EZB war entweder zu niedrig, um spekulatives Wachstum zu bremsen und die Inflation unter Kontrolle zu halten, oder zu hoch, um einen vernünftigen Auftrieb zuzulassen. Besonders wenig Rücksicht wurde dabei auf kleinere, periphäre Länder, wie Griechenland oder Irland genommen.



Zu allem Überfluß hat gerade Deutschland mit Lohnzurückhaltung gegen die Europartner, die das so nicht können, aber denen zugleich das Instrument der Abwertung einer eigenen Währung genommen wurde, gespielt und dabei immer größere Ungleichgewichte aufgebaut. Jetzt gibt es normalerweise nur zwei Alternative: Auseinanderbrechen der Eurozone oder deutsche Ausgleichszahlungen an die Schwach-Länder. Doch Ausgleichszahlungen hat der Vertrag über den Euro ausgeschlossen und so konnte das Bundesverfassungsgericht die Klagen gegen die Einführung des Euro abweisen.

Nun hat der Bundesfinanzminister mit Unterstützung der Kanzlerin einen Europäischen Währungsfond vorgeschlagen, der im Notfall auch mit Zahlungen an bedrängte Eurozonenländer helfen soll. Doch ein solcher Fond kann rein gar nichts gegen die Ungleichgewichte in der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder der Eurozone und gegen die sich auftürmenden Überschüsse Deutschlands bzw. Defizite der Partner tun. Deutschland hat allein mit sechs Eurozonenländern in den sieben Jahren von 2003 bis 2007 Überschüsse von 2,7 Billionen Euro aufgetürmt (Abb. 14157). Das ist fast das Sechsfache aller deutscher Steuereinnahmen des vergangenen Jahres oder jedes Jahr fast so viel wie die deutschen Steuereinnahmen, also dramatisch mehr als jemals über einen Fond ausgeglichen werden könnte, selbst wenn der deutsche Steuerzahler dazu bereit wäre, was er natürlich nicht wäre.


Schäuble hat gleichzeitig harte Maßnahmen vorgeschlagen, um Haushaltsdefizite schwacher Partner zu verhindern, wie Aussetzung von Regionalhilfen oder Stimmrechten. Französische Diplomaten finden den Fond vielleicht noch gut, haben sich aber sofort gegen die Zwangsmaßnahmen ausgesprochen. In der Tat, die Erzwingung von Haushaltsdisziplin ohne Abbau der Ungleichgewichte durch mehr deutschen Import aus diesen Ländern würde diese nur weiter in die Rezession stürzen. Frankreich und andere Länder vertreten die Ansicht, daß die Probleme der Eurozone teilweise in den deutschen Überschüssen liegen. Die heutige Financial Times zitiert in ihrem Kommentar genüßlich den Vorschlag von John Maynard Keynes aus 1941: Ein Land, das sich in einer Gläubigerposition gegenüber dem Rest der Welt befinde, sollte sich verpflichten, seine Überschüsse aufzugeben. Es dürfe nicht erlaubt werden, daß sich ein solches Land passiv verhalte. Auch die G20 haben schon beschlossen, sich mit den Ungleichgewichten zu beschäftigen, ohne daß Deutschland den Beschluß verhindern konnte.

Am Ende wird der Euro zum Weich-Ei und besorgten Deutschen wird von Ihrer Regierung erklärt werden, daß das wieder gut für den deutschen Export und die Beibehaltung der Überschüsse mit dem Rest der Welt sei.


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global news 1939 09-03-10: Frauen in Deutschland: Auf dem Marsch ins Niedriglohn-Abseits

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Die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Partei "Die Linke" bringt es überdeutlich ans Licht. Frauen in Deutschland werden immer mehr in den Niedriglohnsektor und unsichere Arbeitsverhältnisse verschoben.

Seit 1999 fiel die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 6,6 % und stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 35,3 %, die der ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigten um 25,7 % und die der abhängig Erwerbstätigen in befristeten Arbeitsverträgen um 17,5 % (Abb. 14154).


Die Zahl der Frauen, die als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Arbeitnehmerüberlassung, also Leiharbeit, tätig sind, verdreifachte sich zwischen 1999 und 2008 und ging dann in 2009 im Zeichen massiver Entlassungen um 29 % zurück, was die Unsicherheit dieser meist schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnisse zeigt (Abb. 14156).


Die Zahl der Frauen, die als Erwerbstätige auf Zuzahlung nach Hartz-IV angewiesen sind, stieg zwischen 2005 und 2008 um 48 % und fiel dann etwas im Zeichen von Entlassungen und Krise (Abb. 14155).



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global news 1938 09-03-10: Industrieumsatz minus 18,2 % zu Januar 2008, mehr Insolvenzen

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Auch der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft hängt seit September 2009 mit wenig Auf und Ab im Krisental. Gegenüber dem Vorkrisen-Januar 2008 lag er im Januar 2010 um 18,2 % niedriger (Abb. 04910).


Im Dezember 2009 gab es 15,5 % mehr Unternehmensinsolvenzen als im Vorjahr (Abb. 14602). Auch die Verbraucherinsolvenzen stiegen um 6,5 % (Abb. 14603).




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global news 1937 08-03-10: Die deutsche Industrieproduktion kommt nicht aus dem Tal

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Im Januar lag die Produktion in der gewerblichen Wirtschaft um 1,4 % unter dem Stand vom September 2009 und 12,0 % unter dem vom Januar 2007. Besonders tief ist mit 4,2 % bzw. 17,3 % die Ausrüstungsindustrie eingebrochen (Abb. 04306).



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global news 1936 07-03-10: Der Weltkrieg gegen die baby girls (vor allem China)

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Die Nachricht kommt direkt aus der neuesten Ausgabe des „Economist", dessen Titelblatt mit „Gendercide" überschrieben ist. Und um es gleich zu sagen: Neben China gehört das nördliche Indien besonders an diesen Pranger gestellt.


Leben scheint in China jedenfalls nicht viel wert zu sein. Hier gibt es die bei Weitem höchste Zahl an vollstreckten Todesstrafen in der Welt, nicht selten mit lukrativer Verwertung der Leichen für Organverpflanzungen. Unzählige schwere Unfälle im Bergbau mit sehr vielen Toten pro Jahr. Von der Weltbank geschätzte 460.000 Umwelttote pro Jahr. Und dann dies: In China werden nach UN-Zahlen bei Geburt 21 % mehr männliche als weibliche Babies gezählt (Abb. 08183). Das von der Natur festgelegte Verhältnis liegt bei etwa 5 %. Wo sind die 16 % Babies weiblichen Geschlechts geblieben? Bei 90 Millionen Geburten in China allein in diesen 5 Jahren immerhin 6,2 Millionen?


Darüber berichtet der „Economist" unter der Überschrift „The worldwide war on baby girls" ziemlich Schreckliches (hier in Englisch, und nicht nur zu China) und zitiert dann noch aus einem Buch der chinesischen Autorin Xinran Hue, „Nachricht einer unbekannten chinesischen Mutter: Geschichten von Verlust und Liebe", das jetzt in London und natürlich nicht in China erschienen ist, und aus Gesprächen mit Müttern berichtet:

„Nach einem Bericht der Chinese Acadmy of Social Sciences werden in 10 Jahren jeweils einer unter fünf Männern keine Frau finden, weil Frauen fehlen. Es wird dann 30 bis 40 Millionen mehr Männer als Frauen geben.

Bis 1985 war die Relation trotz der bereits 1979 eingeführten Ein-Kind-Politik noch relativ normal. Die Entwicklung der überzähligen Männer hat sich zwischen 1990 und 2005 noch beschleunigt, vor allem wegen der Verfügbarkeit relativ billiger Ultra-Schall-Kennung.


Besonder schlimm wird die Präferenz für Söhne beim zweiten oder dritten Kind. Beim dritten Kind werden schon etwa 55 % mehr Jungen als Mädchen geboren (Abb. 08184).


Männer, die keine Frauen finden können, bedeuten Unruhe. Es kommt zu mehr Entführung von Frauen, Frauenhandel, Vergewaltigung und Prostitution.

In der chinesischen Landbevölkerung ist Selbstmord die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen 15 und 34 Jahren. Viele Frauen können die Vorstellung, ihre Töchter umgebracht zu haben, nicht vertragen.

Xinran Hue berichtet in ihrem Buch über entsetzliche Abläufe bei der Tötung der Mädchen. Einmal verrät ihr eine Hebamme das Preissystem ihres Berufes: Bei der Geburt eines Sohnes verlangen sie mehr als bei einer Tochter und ein Mehrfaches des Preises für die Geburt eines Sohnes, wenn ein Mädchen bei der Geburt mit der Nabelschnur erdrosselt und dann als totgeboren ausgegeben wird."

In vielen anderen Ländern und Kulturkreisen werden nach dem Bericht im Economist Töchter zwar nicht umgebracht, doch ist die Präferenz für einen Sohn dennoch stark ausgeprägt. Und es wird weltweit massenhaft abgetrieben. Doch nach den oben zitierten Zahlen nicht spezifisch in der Jagd auf baby girls.


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global news 1935 06-03-10: Und nun die Inflation: Der immer stärkere Ruf nach Inflation hat Hintergründe und Opfer

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Ausgerechnet Olivier Blanchard, der Chef-Ökonomist des Internationalen Währungsfonds fing vor wenigen Wochen mit der Forderung an, die Notenbanken sollten über das Inflationsziel erneut nachdenken, um Finanzkrisen besser zu kontrollieren. „Sind die Nettokosten der Inflation viel höher bei 4 % Inflation als bei 2 %, dem derzeitigen Inflationsziel?", so frage er. Dahinter steht die Erwartung, daß verschuldete Banken und verschuldete Regierungen ihre Schulden über eine höhere Inflation ellegant verkürzen können. Auch aus der Wirtschaft kommen Stimmen, man könne bei mehr Inflation den Gewerkschaften eher Lohnerhöhungen anbieten.

Die Konsequenzen sind klar, falls es dazu kommen sollte. Die Banken und andere Großschuldner wälzen ihre Schulden teilweise auf die Verbraucher ab, die über eine höhere Verbraucherpreisinflation die Zeche zahlen. Auch Regierungen können zu Lasten der Verbraucher einen Teil der Staatsverschuldung loswerden, ohne die Steuern für die Besserverdiener, die allein das finanziell verkraften würden, anzuheben oder Steuergeschenke für diesen Personenkreis wieder einzusammeln. Und die Unternehmen machen mit Preissteigerungen mehr Umsatz und Profit, wenn - wie meist in der Vergangenheit - die Gewerkschaften so dumm sind, künftige Preissteigerungen nicht rechtzeitig zu erkennen und in die Tarifverhandlungen einzuziehen oder die Arbeitskosten ohnehin nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten haben. Auch freuen sich die so belohnten Arbeitnehmer, klotzen motiviert ran und vergessen, daß sie morgen qua Inflation dafür blechen.

Die Lasten der Inflation tragen immer die ärmeren Bevölkerungsschichten, weil sie einen viel höheren Teil ihres Einkommens für Verbrauchsgüter ausgeben, und die Kleinsparer, weil schon die Nominalverzinsung in der Regel gering ist. Dagegen profitieren die Großanleger, weil sie weitgehend inflationsgeschützte Anlagen vornehmen können, wie in Aktienpapieren oder in Anleihen, deren Zinsen bei Neuausgabe jeweils auf die jeweilige Teuerungsrate Rücksicht nehmen. Und mit den teilweise inflations-entschuldeten Banken gewinnen die Aktionäre, die Zeichner hochverzinster Bank-Anleihen sowie die Banker selbst mit wieder hohen Bonuszahlungen.

Deutschland scheint sich derzeit einem Wendepunkt in eine höhere Verbraucherpreisentwicklung zu nähern. Seit Januar 2009 ist wieder ein, wenn auch noch geringer Anstieg zu beobachten, nachdem es vom Juli 2008 an steil nach unten gegangen war (Abb. 14152). Auch die Einzelhandelspreise ziehen seit Juli 2009 wieder an, ebenso in den letzten Monaten die Erzeugerpreise (ohne Energie).


Vor allem kommt jetzt Preisdruck aus dem Ausland auf. Die Preise für importierte Rohstoffe und Halbwaren sind im Januar 2010 bereits um 12,5 % gegenüber Vorjahr hochgesprungen - ein böses Omen - (Abb. 14153). Ebenso ziehen die Importpreise insgesamt an und im Gefolge die Großhandelspreise. Alle diese Preise, einschließlich der Erzeugerpreise, haben im Sommer vergangenen Jahres ihren Tiefstpunkt überwunden.


Sehr viel Nachfrage ist in Deutschland in den vergangenen Monaten durch Angstsparen zurückgestaut worden. Sollte sich die Angst auflösen, so wird auch von daher ein Aufwärtsdruck auf die Preise kommen. Und durch das billige EZB-Geld ist sehr viel Liquidität unterwegs.

Und die EZB wagt wegen der anhaltenden Krisensituation, besonders der Mittelmeerländer, nicht, die Zinsen prophylaktisch anzuziehen, und wird das wohl auch in den kommenden Monaten nicht tun. Sollte es wirklich zu mehr Verbraucherpreisinflation kommen, so werden am Ende die „kleinen Leute" zur Kasse gebeten werden, die nie in ihrem Leben (außer beim Lotto) spekuliert und in der Regel das Schuldenmachen vermieden haben.


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global news 1934 06-03-10: Mehr Industrieaufträge im Januar, aber immer noch 25 % weniger als im Vorkrisenmonat Juni 07

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Der Januar brachte wieder einmal ein Plus in der Auftragsbilanz, nachdem sich die Aufträge monatelang nur seitwärts im Krisental bewegt hatten (Abb. 04569). Allerding liegen sie immer noch um 25 % unter dem Vorkrisengipfel vom Juni 2007 (arbeitstäglich- und saison-bereinigt, Abb. 14563). Um dorthin zurückzufinden müssen sie noch um mehr als ein Drittel steigen.




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global news 1933 05-03-10: Deutschland weiter Spitzenreiter in Lohndiskriminierung der Frauen

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Der Gender Pay Gap, das heißt der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen, lag in Deutschland mit 23,2% auch im Jahr 2008 deutlich über dem Durchschnitt der Europäischen Union (18,0%). Wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März mitteilt, wiesen von den 15 Ländern der Alt-EU lediglich Österreich (25,5%) und die Niederlande (letzter Wert 2007: 23,6%) einen gegenüber Deutschland höheren geschlechtsspezifischen Verdienstabstand auf. Der deutsche Wert ist sogar von 22,0 % in 2005 auf 23,2 % in 2008 noch angestiegen (Abb. 14100, 14411).



Die EU-Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, schaltet sich im Gespräch mit der Zeitung „Die Welt" in die Gehälterdebatte ein. Sie kritisierte insbesondere die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland:

„Es ist inakzeptabel, dass Frauen hier zu Lande durchschnittlich 23,2 Prozent weniger verdienen als Männer. Ein Ende der Lohnunterschiede in Deutschland könnte zu einem Anstieg von rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts führen. Deutschland ist eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Länder und sollte mit gutem Beispiel vorangehen, anstatt Nachzügler zu sein. Ich erwarte mehr Ambition und mehr Tatendrang. In der EU haben sich die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in den vergangenen 15 Jahren kaum verringert, in einigen Ländern haben sie sogar zugenommen. In der derzeitigen Krisensituation kann sich Europa eine solche Lohndifferenz nicht leisten. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist eines der ältesten Rechte und Werte, die auch in den Europäischen Verträgen verankert sind."

Siehe dazu auch neuen Schwerpunkt zu "Deutschland diskriminiert seine Frauen".


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global news 1932 04-03-10: Keine Jobs für Hartz-IV-Empfänger - kein Mindestlohn - lahmender deutscher Einzelhandel

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Nun hat selbst das bundeseigene Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen Forschungsbericht vorgelegt, der das in der Öffentlichkeit präsente Bild des passivierten Transferleistungsempfängers stark relativiert. Der Bericht umfaßt Ergebnisse zu folgenden Themenbereichen: biographische Bedeutung des SGB-II-Hilfebezuges, Wahrnehmung und Erfahrung der Hilfegewährung, materielle Versorgungslage von Hilfebedürftigen, Entwicklung des Arbeitsvermögens im Leistungsbezug, Entstehung und Verlauf prekarisierter Erwerbsbiographien.

Die im bisherigen Untersuchungszeitraum vorliegenden Fallbeobachtungen verweisen insgesamt darauf, dass sich das Leben im Hilfebezug bei einem Großteil der Befragten in Bewegung befindet, eine hohe Varianz aufweist und von Mobilität und Flexibilität geprägt ist. Die vielfältigen, auch eigeninitiativ ergriffenen Aktivitäten der Hilfebezieher widersprechen deutlich dem bisweilen in der Öffentlichkeit präsenten Bild des passivierten Transferleistungsempfängers, der es als erstrebenswert empfindet, ein Leben im Hilfebezug zu führen. Es zeigt sich vielmehr, dass das Erreichen erwerbsbiographischer Stabilität ein Hauptziel der Befragten darstellt. Selbst dort, wo nicht bereits eine resignative oder fatalistische Grundstimmung Platz gegriffen hat, liefen jedoch die auf nachhaltige Erwerbsintegration gerichteten Aktivitäten zumeist ins Leere, wenngleich durch prekäre Formen der Beschäftigung durchaus kurzfristige Verbesserungen erzielt werden konnten.

Im Ergebnis drückt der wuchernde Hartz-IV-Bereich kombiniert mit dem in Deutschland mangels Mindestlohn besonders wuchernden Niedrigstlohnsektor auf die Massenkaufkraft und dann letztlich über den Umsatz des Einzelhandels auf die Binnenwirtschaft und die Wirtschaftsentwicklung insgesamt. Nach den gestrigen Zahlen von Eurostat hat Deutschland zwischen 2005 und Januar 2010 vor Italien, Spanien und Dänemarkt mit minus 2,2 % die drittschlechteste Entwicklung des Einzelhandels in den 15 Alt-EU-Ländern gehabt (Abb. 12680, 12922). Die Entwicklung der anderen 14 Länder war um 6 Prozentpunkte besser.




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global news 1931 03-03-10: Warum des Euro Stunde in Griechenland schlägt und noch viel mehr

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Gerade heute meldet das Statistische Bundesamt für 2009 den ersten auch nominalen Rückgang der Arbeitseinkommen seit Gründung der Bundesrepublik vor 61 Jahren. Vergleicht man die Nominalentwicklungen über den gesamten Zeitraum 2000 bis 2008 bei den 14 Alt-EU Ländern (Schweden wird nicht gemeldet), wobei 2009 noch nicht vorliegt, so zeigt sich bei den Löhnen und Gehältern ein Zuwachs in Deutschland um 21,2 % und im gewichteten Schnitt aller anderen Länder um 38,6 %. Der Zuwachs der Verbraucherpreise lag in diesem Zeitraum für Deutschland bei 15,8 % und für die anderen Länder bei 21,3 %. Das ergibt dann verbraucherpreisbereinigt einen Zuwachs von Löhnen und Gehältern für Deutschland von 5,4 % und für die anderen von 17,3 %, also mehr als dreimal stärker in nur acht Jahren. Dementsprechend hat die Wettbewerbsfähigkeit der anderen Länder verglichen mit der deutschen gelitten und sind deren Handelsbilanzdefizte gegenüber Deutschland in diesem Zeitraum um etwas mehr als 115 % auf über 136 Mrd Euro pro Jahr gestiegen (bei der Eurozone sogar mehr als 120 %, Abb. 16059). An diesem strukturellen Ungleichgewicht ist durch Sparmaßnahmen in den öffentlichen Haushalten wenig zu ändern.


Wer sich diesen Vergleich auf der intellektuellen Zunge zergehen läßt, wird schnell begreifen, welchem Kreuzweg die Eurozone nun zutreibt und welche Stunde dem Euro in Griechenland schlägt: Ende der Veranstaltung auf Raten oder ständige deutsche Ausgleichszahlungen oder Anbrennen einzelner Staatsanleihen besonders schwacher Partner. Oder kann sich die deutsche Politik noch am Riehmen reißen und die deutsche, den Euro sprengende Lohnbremse, z.B. durch Einführung flächendeckender Mindestlöhne, herausnehmen? Die Chancen dafür stehen leider nicht gut.


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global news 1930 03-03-10: Bruttoverdienste sinken erstmals seit Gründung der Bundesrepublik auch nominal, Einzelhandelsumsatz -3,4 %

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Nach der heutigen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes sind die durchschnittlichen Bruttoverdienste aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2009 um - 0,4% auf rund 27 648 Euro gesunken. Dies ist der erste Rückgang der Verdienste in der Geschichte der Bundesrepublik. Allerdings gehen die Buttoverdienste inflationsbereinigt schon seit sechs Jahren Jahr für Jahr zurück und liegen nun schon um 5,3 % unter dem Stand des Jahres 2000, was jedoch weder das Statistische Bundesamt, noch die Medien erwähnen (Abb. 14145).


Nicht überraschend dann schwächelt auch der Einzelhandelsumsatz weiter. Der lag im Januar um 3,4 % unter dem Vorjahresmonat (Abb. 04753. 04943).




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global news 1929 02-03-10: Deutschland und Griechenland: Zwei Welten in einem Euro-Korsett

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Wie können zwei so unterschiedliche Welten in einem Euro leben?

Griechische Haushalte geben pro Kopf in Euro zu Kaufkrafteinheiten etwa 6 % mehr als deutsche aus und leben damit im Durchschnitt erheblich besser. 71 % der Wirtschaftsleistung geht gleich wieder in den privaten Verbrauch gegenüber nur 55 % bei Deutschland. Der Verbrauch in Griechenland überschreitet die Wirtschaftsleistung um 5,1 %, Deutschland spart dagegen 11,1 % (Abb. 15054).


Das griechische Rentenniveau liegt bei 111 % des letzten Arbeitseinkommens, das deutsche bei 61 %. Und durchschnittlich gehen Griechen schon mit 61 Jahren in die Rente, sechs Jahre früher als in Deutschland.

Griechische Beamten bekommen gleich zweimal - im Mai und wieder im Dezember - doppelte Monatsgehälter.

Der Spitzensteuersatz liegt bei nur 40 % gegenüber 47,5 % für Deutschland, und dabei mogeln sich die meisten wohlhabenden Griechen daran vorbei oder bestechen mal eben den Steuerbeamten. 95 % aller Steuerzahler in Griechenland geben Einkommen von unter 30.000 Euro an.

Das griechische Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei 12,7 % der Wirtschaftsleistung, das deutsche bei 3,4 %.

Wie lange soll das eigentlich noch gut gehen im gleichen Euro-Korsett?


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global news 1928 01-03-10: Griechenland, die Hedgefonds und die Credit Default Swaps

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Derzeit gibt es zwei zusätzliche Quellen des griechischen Unglücks. Die Leerkäufe oder -verkäufe von Credit Default Swaps (CDS), also Wetten mit denen auf oder gegen den Konkurs des Landes von Parteien gewettet wird, die gar keine Anleihen oder andere Forderungen gegen Griechenland haben. Das ist, wie wenn man eine Versicherung für den Fall eines Brandes des Nachbarhauses abschließen wollte oder eine Lebensversicherung für den Fall des Todes seines Chefs. Die Leer-Spekulation auf den Konkurs treibt die Versicherungskosten auch für die in die Höhe, die tatsächlich Bonds oder Forderungen gegen Griechenland haben oder erwerben wollen und verteuert damit die Kapitalaufnahme des Landes gewaltig. Das kann nicht nur für Griechenland gefährlich werden, sondern auch andere finanziell angeschlagene Euroländer (Abb. 16057, 16058). Es wird höchste Zeit, solche Leer-CDS zu verbieten.



Nun sind es ausgerechnet wieder einmal die Hedgefonds, die offensichtlich groß in das Geschäft mit Leer-CDS eingestiegen sind. Schon im vergangenen Jahr, als die Kosten für CDS noch niedrig waren, haben sie in einer Vorahnung der griechischen Probleme mit hohem Einsatz auf den Konkurs griechischer Staatsanleihen gewettet, ohne solche zu besitzen. Wahrscheinlich hatten sie auch Informationen über das geheim gehaltene gewaltige Volumen an Griechenlandanleihen, die die Banken bei der EZB gegen Kredit einreichten. Nachdem jetzt diese CDS in der Krise wesentlich teuerer geworden sind, können die Hedgefonds diese mit hohem Profit vermarkten oder selbst griechische Anleihen kaufen, die sie bereits billigst versichert haben. Dabei sind Hedgefonds Kapitalsammelstellen für das Geld der Superreichen oder auch für Pensionsfonds vor allem aus USA und Großbritannien. Sie sitzen meist außerhalb der Eurozone in NewYork oder London und sind aus Steuergründen sehr oft in der Karibik registriert. Einer der Hedgefonds soll nach der Meldung in der heutigen Financial Times Paulson & Co, ein 32 Mrd Dollar Fonds aus London, sein.

Einige dieser Hedgefonds gehören übrigens Banken, denen die Steuerzahler gerade aus der Krise geholfen haben und die nun munter gegen eben diese Steuerzahler, die notfalls Griechenland zu Hilfe kommen müssen, spekulieren. Auch haben viele Banken hochverzinste Griechenlandanleihen gekauft, bei der EZB gegen billigsten Kredit hinterlegt und den Kredit gegen weit höhere Zinsen profitabel weitergegeben. Genau diese von den Steuerzahler gerettete Banken spekulieren mit CDS jetzt ebenfalls auf den Konkurs des Landes und damit gegen die Steuerzahler, um ihren Profit zu sichern.


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global news 1927 28-02-10: Die skandinavischen Hochsteuerländer schlagen alle in Europa mit positiven Ergebnissen

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Man kann nur neidisch werden, wenn man über den deutschen Tellerrand nach Norden blickt. Bei höheren Steuern gibt es in den skandinavischen Ländern im Vergleich zu Deutschland: ein viel besseres Bildungssystem, eine viel größere Aufstiegsmobilität, wesentlich höhere Steigerungen der Arbeitseinkommen, weit weniger Niedriglöhner, eine erheblich geringere Ungleichheit in der Einkommensverteilung, viel weniger Langzeitarbeitslose, ein weit besseres Sozialsystem, eine viel höhere Geburtenrate, eine höhere Pro-Kopf Wirtschaftsleistung und eine dramatisch geringere Staatsverschuldung. Was will man eigentlich mehr?

Die Steuerquote pro Bruttoinlandsprodukt ist in der Tat um mehr als die Hälfte höher (Abb. 12460).


Doch das finanziert z.B. ein im Vergleich zu Deutschland phantastisches Bildungssystem mit höherem Finanzeinsatz (Abb. 12454) und mehr Lehrpersonal (Abb. 15045s).



Über den Schulerfolg entscheidet viel weniger der soziale Status der Eltern als in Deutschland (Abb. 12455). Viel mehr Schüler kommen zu einem Hochschulabschluß (Abb. 13001s). Dementsprechend ist die Aufstiegsmobilität in Skandinavien erheblich höher (Abb. 12451) und hängt das Einkommen der Söhne (bzw. Töchter) weit weniger von dem der Eltern ab (Abb. 15027s).





Die Arbeitseinkommen haben sich in Skandinavien besser entwickelt (Abb. 13444s) und sind wesentlich weniger ungleich verteilt (15039s) und der Anteil der Niedriglöhner ist viel geringer (Abb. 13810s). Auch die Einkommensverteilung insgesamt ist viel weniger ungleich (Abb. 13683s).





Das Sozialsystem ist unvergleichlich besser. Das fängt mit einer viel geringeren Quote an Langzeitarbeitslosen an (Abb. 04022s). Die Sozialausgaben pro Kopf sind dennoch in Dänemark und Schweden viel höher (Abb. 15042s). Das Rentenniveau im Verhältnis zum letzten Arbeitseinkommen ist viel höher, besonders bei niedrigen Arbeitseinkommen, weil es Mindestlöhne und Mindestrenten gibt (Abb. 12916s).




Die Ausstattung mit Kinderbetreuungsplätzen für Kleinkinder ist weit besser als in Deutschland (Abb. 15053).


Die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist um fast ein Viertel höher als in Deutschland (Abb. 15052).


Bei solchen Wirtschafts- und Sozialverhältnissen bringen die skandinavischen Frauen auch weit mehr Kinder zur Welt als die deutschen und sorgen damit für eine jüngere und dynamischere Gesellschaft (Abb. 04047s).


Last not least, ist die Staatsverschuldung und damit die Belastung des gesamten Sozialsystems mit der Finanzierung der Staatsschuld erheblich niedriger (Abb. 16056).


Der Skandinavienvergleich ist jetzt auch als PowerPoint Präsentation hier herunterzuladen. Sie läuft von jedem Computer (und kann auch auf Leinwand projeziert werden). Damit ist sie zur Verbreitung besonders gut geeignet, z.B. bei Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen, Politik und im Bekanntenkreis. Die Präsentation enthält noch weitere Schaubilder und auch Zwischentitel.

Noch ein Nachsatz: Gestern ist mir ein gerade erschienenes kleines Büchlein auf den Tisch gekommen, das präzise die Lehren für Deutschland aus dem skandinavischen Modell zieht, für die auch ich immer eintrete (Andreas Oppacher, Deutschland und das skandinavische Modell, Der Sozialstaat als Wohlstandsmotor).


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global news 1926 26-02-10: Griechenlandkrise: Ursachen und Folgen

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Griechenland ist nur das derzeit schlimmste Beispiel für eine ganze Reihe von Ländern, die im Schatten des Euro jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben. Dazu kommt noch die griechische Manipulation an der Statistik, mit der sich das Land in den Euro gemogelt hat. Die EU-Kommission erwartet, daß die Bruttoverschuldung gemessen an der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr noch auf 120,4 % oder den doppelten Wert des Wachstums- und Stabilitätspakts von Maastricht ansteigt. Für 2011 werden 135,4 % erwartet, wenn nicht sehr drastische Maßnahmen sehr schnell die Entwicklung abbremsen.

Seit Eintritt in den Euro hat die griechische Regierung immer mehr Staatsanleihen aufgelegt. Soweit sie derzeit ausstehen, summieren sie sich auf 283 Mrd Euro (Abb. 16052). Das ist für das kleine Land ein enormer Betrag, der mehr als dem Dreifachen aller jährlichen Staatseinnahmen entspricht. Der Anstieg war in diesem Zeitraum um das Zweieinhalbfache stärker als bei deutschen Staatsanleihen (Abb. 16055).



Griechenland muß diesen Berg an Staatsschulden immer wieder refinanzieren, soweit Staatsanleihen fällig werden, und muß ihn weiter aufbauen, solange der Haushalt nicht in Ordnung ist. In diesem Jahr wird ein Haushaltsdefizit von rund 30 Mrd Euro oder 12,2 % des BIP erwartet (viermal über der Maastrichtgrenze). Das wird nun zunehmend schwieriger, weil potenzielle Anleger nach Bekanntwerden der wahren Verschuldung nun skeptisch geworden sind und die Spekulation gegen Griechenland arbeitet. Letzteres zeigt sich sehr deutlich am Hochlaufen der Kosten für die Versicherung griechischer Staatspapiere bis auf über 4 % pro Jahr (Abb. 16040). Der Zinsaufschlag im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen wird immer höher (Abb. 16054). Inzwischen muß Griechenland für 2-Jahres Staatsanleihen 6,4 % Zins anbieten. Und Griechenland muß allein im März 27 Mrd Dollar an Staatsanleihen refinanzieren.



Unter den Spekulanten gegen Griechenland sind nach Zeitungsberichten inzwischen auch die Großbanken gelandet. Darunter ausgerechnet auch Eurozonenbanken, weil die griechische Bonds als Deckung für billigste Kredite der EZB transferieren konnten. Nun besteht aber akute Gefahr einer Herunterstufung solcher Bonds durch die Rating Agenturen, was zur Folge hätte, daß die Bonds nicht länger für die EZB-Kredite qualifizieren würden. Indem die Banken auf einen griechischen Konkurs wetten, sichern sie sich gleichzeitig gegen einen Ausfall der Bonds, erhöhen aber auch das Risiko eines solchen Ausgangs erheblich.

Nun ist, wie eingangs gesagt, Griechenland nur das schlimmste Beispiel in einer Domino-Kette, in der auch andere Länder, vor allem Spanien, Portugal, Irland und Italien stehen. Sie haben entweder hohe Haushaltsdefizite oder hohe Verschuldung oder beides (Abb. 16053).


Aus der gesamten Situation wird inzwischen eine Gefahr für den Euro und die Stabilität des Bankensystems der Eurozone. Deutsche Banken gehören zu den Hauptgläubigerbanken Griechenlands (Abb. 16039). Wenn man Spanien und Portugal hinzufügt, so sind die deutschen Banken mit 331 Mrd Euro sogar am stärksten exponiert (Abb. 16041). Dabei sind gerade die deutschen Banken erheblich unterkapitalisiert. Mit 2 % Eigenkapital zu Aktiva haben sie die schwächste Kapitaldecke in Europa (Abb. 03993). Zum Vergleich: Der gesamte Marktwert der Deutschen Bank nach Aktienkurs liegt bei etwa 29 Mrd Euro. Einige deutsche Banken halten besonders hohe Beträge an griechischen Staatsanleihen und könnten bei einem Crash besonders betroffen sein: Hypo Real Estate 13 Mrd Dollar, Commerzbank 7 Mrd Dollar, LBBW 4 Mrd Dollar, Bayerische Landesbank 2,2 Mrd Dollar.




Die Spekulation gegen Griechenland hat sich längst in eine gegen den Euro ausgeweitet. Dabei treten mächtige Hedgefonds neben anderen Spekulanten an. In den wenigen Wochen seit Mitte Januar hat der Euro gegenüber dem Dollar bereits 7 % an Wert verloren (Abb. 15590).


Die Schuld für das Debakel liegt allerdings nicht nur bei Griechenland und den anderen schwächelnden Euroländern. Die EZB, die Europäische Kommission und die Regierungen - auch die Bundesregierung - haben unbestreitbar am Steuer geschlafen. Sie haben sogar lange Zeit ganz offiziell Techniken zugelassen, mit denen die Verschuldung von Staaten nach unten manipuliert wurde. Später gab es in den Jahren 2004 und 2005 Probleme mit den aus Athen gelieferten Wirtschaftsdaten. Eurostat habe damals mehr Rechte und Kompetenzen gefordert, um zu prüfen, wie die Daten erhoben wurden, sagte jetzt der Generaldirektor des Europäischen Statistikamtes Radermacher der „Süddeutschen Zeitung". Einem entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission hätten die nationalen Regierungen aber nicht vollständig zugestimmt: „Die Mitgliedsstaaten haben uns nicht die Instrumente gegeben, mit denen wir die Krise hätten verhindern können".

Vor allem aber hat Deutschland mit seiner irrsinnigen Niedriglohnpolitik im Wettbewerb mit Partnern, die ihre Währungen nicht mehr abwerten konnten, jahrelang kreditierend immer größere Handelsbilanzüberschüsse aufgebaut und damit die Partner an die Wand gespielt (Abb. 16048). Da das nun offensichtlich mit der deutschen Niedriglohnpolitik so weitergehen soll, ist das Ende der Eurozone abzusehen, soweit sich Deutschland nicht zu ständigen Transferleistungen an die schwächeren Partner bereit finden sollte. Schon jetzt sorgt der geschwächte Euro dafür, daß sich der Import von Energie, Rohstoffen, Nahrungsmitteln und anderen Gütern verteuert, soweit sie in Dollar gehandelt werden, und damit der deutsche Verbraucher angefangen hat, die Zeche zu bezahlen, und das noch bevor er mit Steuermitteln an die Kasse tritt.


Siehe auch heutige Gedanken zur Zeit: "Griechenland und kein Ende".


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global news 1925 26-02-10: Die Wahrheit vom Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitslosigkeit in „Unterbeschäftigung" versteckt

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Da jubeln die deutschen Medien wieder über den Arbeitsmarkt. So SPIEGEL:

„Arbeitsmarkt trotzt der Wirtschaftskrise - Der Jobmarkt in Deutschland widersteht dem Abschwung: Im Februar stieg die Zahl der Erwerbslosen nur leicht. Experten hatten mit einem kräftigeren Plus gerechnet. Die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiterhin kaum zu spüren."

Tatsächlich ist die Zahl der amtlich registrierten Arbeitslosen nur um 2,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Doch abzüglich der offiziell gezählten Arbeitslosigkeit hat die in der Unterbeschäftigung versteckte im Februar um gewaltige 16,5 % gegenüber Vorjahr auf 1,2 Millionen zugelegt (Abb. 14893). Die Unterbeschäftigung umfaßt Personen, die an entlastenden Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik teilnehmen oder zeitweise arbeitsunfähig erkrankt sind und deshalb nicht als arbeitslos gezählt werden sowie erwerbsfähige Hilfebedürftig nach Vollendung des 58. Lebensjahres, denen innerhalb eines Jahres keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten werden konnte.


Bei der Arbeitnehmerüberlassung, die vornehme amtsdeutsche Umschreibung für Leiharbeit, lag die Zahl im letztgemeldeten Monat bei 0,6 Millionen oder 12,3 % weniger als Ende 2008. Diese Arbeitnehmer fliegen immer als erste auf die Straße. In den Vorjahren war der Aufbau an Beschäftigung zum größten Teil auf diese unsicheren und in der Regel schlecht bezahlten Zeitverträge entfallen (Abb. 14892).


Auch klaffen weiterhin die Zahl der Arbeitslosen und der 6 Millionen Arbeitslosengengeldempfänger, von denen nur 57.6 % als arbeitslos registriert werden, weit auseinander (Abb. 04980).


Im internationalen Vergleich nach den letzten Zahlen von Eurostat für das 3. Quartal 2009 ist die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland die fünfthöchste aller Vergleichsländer, dies trotz vieler Manipulationen an der Statistik (Abb. 12999).


Auch wenn es bisher hätte weitaus schlimmer kommen können, gibt die Situation ganz und gar keinen Grund zum Jubel.

Eine ausführliche Analyse enthält der neue Schwerpunkt „Arbeitslos im Februar 2010".


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global news 1924 25-02-10: Arbeiten wie Gott in Frankreich? Zugleich ein Beitrag zur Mindestlohndiskussion in Deutschland

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Heute würde Gott wohl nicht mehr in Frankreich arbeiten wollen. Zu viel Streß selbst für Gott. Doch wenn er nur die Wahl zwischen Frankreich und Deutschland hätte, würde er Frankreich vorziehen, schon wegen des Mindestlohns, der immer wieder der Inflation angepaßt wurde und heute bei 8,86 Euro pro Stunde liegt (Abb. 15049).


Heute nun erreichte mich folgende Zuschrift:

„Sie als Frankreich-Experte können mir sicherlich weiter helfen! Bei einer Diskussion bekam ich zum wiederholten Male folgendes Argument präsentiert: Mindestlöhne, schau doch nach Frankreich! Hohe Arbeitslosenzahlen durch den Mindestlohn und massive Ausschreitungen in den Ghettos durch Jugendliche, die keine Arbeit durch die Mindestlöhne bekommen.

Was hält man diesen Menschen entgegen?"

Dies ist meine Antwort:

Das Argument für Mindestlöhne ist nicht in erster Linie, daß sie die Arbeitslosigkeit senken, sondern daß sie die Massenkaufkraft stützen und daß das der Binnenkonjunktur und damit der gesamten Wirtschaftsentwicklung und dem gesamten Lohnniveau zu gute kommt. So hat sich die französische Wirtschaft besser als die deutsche entwickelt und ist auch in der globalen Krise wegen des funktionierenden Binnenmarkts weniger abgestürzt und kommt jetzt schneller heraus (Abb. 15046).


Bei der Arbeitslosigkeit über ein Jahr - und hier kommt es nicht auf die kurzzeitige oder gelegentliche an - lag die deutsche seit 2000 immer, zeitweise sogar erheblich, über der französischen (Abb. 15047).


Die deutsche Langzeitarbeitslosigkeit ist seit 2006 nur durch die brutalen Hartz-IV-Reformen künstlich statistisch herunter manipuliert und in einem wuchernden Niedriglohnsektor versteckt worden, der den größten Zuwachs seit 1997 aller Vergleichsländer verzeichnete (Abb. 15048).


Bei der Betrachtung des Arbeitsmarktes in beiden Ländern ist außerdem zu berücksichtigten, daß die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Frankreich seit 1992 um 15,3 % gestiegen ist gegenüber nur 7,7 % für Deutschland. Dementsprechend hat es Frankreich geschafft, die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Zeitraum um 17,9 % zu steigern gegenüber nur 6,6 % für Deutschland. Frankreich hat also schon von daher eine wesentlich bessere Arbeitsmarktentwicklung erreicht als Deutschland. Der Spreizung der Löhne ist mangels Mindestlohn in Deutschland viel größer als in Frankreich (Abb. 15039).


Insgesamt haben sich die Tariflöhne (Abb. 15050) und die Löhne und Gehälter überhaupt (Abb. 15051) in Frankreich erheblich besser als in Deutschland entwickelt. Anders als in Deutschland wurde in Frankreich der Sog von den Niedrigstlöhnen auf das allgemeine Lohnniveau durch den Mindstlohn gebremst.



Die Ausschreitungen in den französischen Vorstädten sind ein Sonderproblem, meist Jugendlicher mit Immigrationshintergrund, vor allem mit nordafrikanischem, die schlecht integriert sind. Auch in Deutschland ist die Integration von Jugendlichen mit Immigrantenhintergrund in den regulären Arbeitsmarkt miserabel. Der Unterschied ist nur, daß z.B. die jungen Türken nicht so rebellieren, wie ihre nordafrikanischen Altersgenossen in Frankreich. Da gibt es zudem einen kulturellen Unterschied: Die Franzosen lieben die Unruhe, die deutschen die Ruhe und Ordnung. Das Problem der Vorstädte hat nichts mit dem Mindestlohn zu tun. Ohne Mindestlohn wären die beschäftigten Jugendlichen französischer Vorstädte noch schlechter dran.


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global news 1923 24-02-10: Warum Deutschland nicht aus der Krise kommen kann

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Zwei meiner Schaubilder sagen eigentlich alles und viel mehr als viele Worte. Das eine zeigt die Einkommensentwicklung, bei der die Löhne und Gehälter seit Anfang 2000 real um 4 % gesunken, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen dagegen um 31 % gestiegen sind (Abb. 14890). Dabei sind innerhalb der Gehälter noch viele gutbezahlte Angestellt bis hinauf zu Ackermann, so daß der Rest noch mehr abgesackt ist.


Das zweite Schaubild zeigt die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland, also das Lebensblut für das Produzierende Gewerbe (Abb. 14891).


Nur über immer modernere und leistungsfähigere Ausrüstungen kann Deutschland zu neuen wettbewerbsfähigen Jobs kommen oder jedenfalls die vorhandenen halten. Hier aber mauern die deutschen Unternehmen. Sie sparen derzeit gewaltig, und je schlechter sich die Löhne und Gehälter entwickeln, umso besser und mehr können die Unternehmen sparen. Doch sie haben noch nicht gemerkt oder wollen es auch gar nicht merken: Je mehr die Löhne und Gehälter in den Keller marschieren und je mehr in Deutschland der Niedriglohnsektor wuchert, umso weniger lohnt es sich für die Unternehmen, in Deutschland zu investieren. Dann ist der Heimatmarkt einfach weggetrocknet. Der Investitionsstreik hat also eine vordergründige Logik. Wenn er nicht bald aufhört, werden noch sehr viele Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen und potentielle Käufer für all die schönen Waren ebenso. Dann wird von sehr vielen Menschen nur noch die chinesische Billigware gekauft und für die finden die Investitionen in China statt.

Der neue Schwerpunkt: „Deutsche Volkswirtschaft weiter im Krisental" bringt eine ausführliche Analyse der Situation.

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global news 1920 21-02-10: Detaildaten zum Q4 2009: Dank falscher Wirtschafts- und Sozialpolitik kommt Deutschlands Wirtschaft nicht aus dem Krisental

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Nach heutiger Meldung des StaBuA legten die Unternehmens- und Vermögenseinkommen im 4. Quartal 2009 um 2,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal und 2,8 % gegenüber dem Vorquartal zu. Die Nettolöhne und -gehälter gingen dagegen um 1,0 % zurück und verzeichneten nur ein leichtes Plus von 0,4 % im Vorquartalsvergleich (nach Abzug der Entwicklung der Verbraucherpreise). Über den ganzen Zeitraum seit dem 1. Quartal 2000 sind die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 4,0 % gesunken, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen trotz des Einbruchs in 2008 um 31,0 % expandiert sind. Dabei ist die Absenkung der realen Arbeitseinkommen eine seit Jahren zu beobachtende Dauersituation, während der Einbruch bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nur eine krisenbedingte und bereits vorübergehende Situation ist (Abb. 04004).


Entgegen allen überoptimistischen Voraussagen gingen die privaten Konsumausgaben im Vorquartalsvergleich um mehr als 0,4 % und im Vorjahresvergleich um fast 1 % zurück und bremsten das Wirtschaftswachstum (Abb. 14010). So meldet die Gesellschaft für Konsumforschung heute einen weiteren Einbruch im Konsumklima (Abb. 04711). Die staatlichen Ausgaben sind im 4. Quartal sogar prozyklisch gefallen und haben den Einbruch verstärkt.



Besonders bedenklich: Die Bruttoanlageninvestitionen sind im 4. Quartal 2009 um 6,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal abgestürzt und lagen auch um 0,7 % unter dem Vorjahreswert. Dieser Rückgang ist in erster Linie auf einen massiven Einbruch der realen Ausrüstungsinvestitionen zurückzuführen, die bereits im vierten Quartal in Folge zurückgingen und um fast ein Fünftel unter ihrem Vorjahresniveau lagen (Abb. 14754). Diese Entwicklung muß sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken.


Angesichts der stagnierenden oder rückläufigen Nachfrage der Verbraucher und der Unternehmen zeigt sich nun immer deutlicher die Kehrseite der von der Bundesregierung ständig weiter vorangetriebenen Globalisierung. Eine gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,1 % schrumpfende inländische Verwendung des Bruttoinlandsprodukts kann den Verlust aus dem nur langsam Richtung Vorkrisenniveau zurückkletternden Export nicht ausgleichen (Abb. 14755).


Im Vergleich mit anderen Ländern sieht die deutsche Entwicklung gegenüber 3. Quartal 2009 nicht gut aus. Unter den Ländern, die bereits das 4. Quartal gemeldet haben, liegt Deutschland im dem drittletzten Platz (Abb. 15594).


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global news 1921 23-02-10: Robert Koch Institut: Altersstandardisierter Anstieg der Krebserkrankungsraten 1980 bis 2005 um 30 % (Männer) bzw. 20 % (Frauen), doch verbesserte Überlebensraten

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Inzidenz und Mortalität: Im Jahr 2004 erkrankten in Deutschland ca. 230.500 Männer und ca. 206.000 Frauen an einer Krebserkrankung (ohne nicht melanotische Hauttumoren). Altersstandardisiert sind die Erkrankungsraten seit 1980 um 30 % bzw. 20 % gestiegen (Abb. 14888, 14889). Die absolute Zahl der jährlichen Neuerkrankungen hat um 90 % bzw. 40 % zugenommen. Im gleichen Zeitraum nahm die altersstandardisierte Mortalität deutlich ab.



Überlebensraten: Die relativen 5-Jahres Überlebensraten der Männer haben sich von 38 % Anfang der 1980er-Jahre bis auf 53 % für die Diagnosejahre 2000 bis 2004 verbessert. Im gleichen Zeitraum sind die relativen 5-Jahres-Überlebensraten der Frauen von 50 % auf 60 % angestiegen.

Prävalenz: Im Jahr 2004 lebten in Deutschland insgesamt 645.000 Männer und 679.000 Frauen, bei denen in den letzten fünf Jahren eine Krebskrankheit aufgetreten war, das entsprach etwa 1,6 % der Bevölkerung. Im Alter über 70 Jahren betrug dieser Anteil etwa 6 %. Höchstens 10 Jahre zuvor war bei insgesamt 944.000 Männern und 1.075.000 Frauen eine Krebsdiagnose gestellt worden, was einem Anteil von etwa 2,4 % an der Gesamtbevölkerung entspricht. Seit 1990 ist die Prävalenz an Krebs erheblich (um ca. 35 % bei den Frauen und ca. 80 % bei den Männern) angestiegen. Der Anstieg von Neuerkrankungszahlen und Prävalenz war bei den Männern stärker als bei den Frauen vom demografischen Wandel beeinflusst, insbesondere durch die Zunahme 60- bis 79-jähriger Männer in der Bevölkerung um etwa 50 %. In dieser Altersgruppe zeigte sich dementsprechend auch der deutlichste Anstieg der Prävalenz um mehr als 100 %. Für das Jahr 2010 ergibt sich hochgerechnet eine 5-Jahres-Prävalenz von 721.000 Frauen und 731.000 Männern.

Fazit: Der gestiegene Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung, die Zunahme der Erkrankungsraten bei einigen Lokalisationen und die verbesserten Überlebensaussichten für viele Krebsarten haben in relativ kurzer Zeit (seit 1990) einen ganz erheblichen Anstieg der Zahl von Patienten und Patientinnen bewirkt, die (meist für längere Zeit) wegen einer Krebskrankheit behandelt und versorgt werden mussten. Aufgrund der deutlicheren demografischen Veränderungen ist dieser Anstieg mit etwa 80 % bei den Männern wesentlich stärker ausgefallen als bei den Frauen (35 %). Selbst bei der konservativen Annahme zuletzt unveränderten Neuerkrankungs- und Überlebensraten wäre zwischen 2004 und 2010 ein weiterer Anstieg der Prävalenz um 14 % bei den Männern und 6 % bei den Frauen zu erwarten. In 2010 dürften damit erstmals in Deutschland mehr an Krebs erkrankte Männer als Frauen leben (projizierte 5-Jahres-Prävalenz: 731.000 Männer und 721.000 Frauen), 1990 waren noch fast 60 % der an Krebs erkrankten Personen Frauen.

Fast die Hälfte des Anstiegs der prävalenten Fälle ist bei den Männern durch die deutliche Zunahme an Prostatakrebspatienten bedingt, etwa ein Sechstel entfiel auf die Entwicklung beim Darmkrebs, das übrige Drittel verteilte sich auf die restlichen Lokalisationen. Nur beim Kehlkopfkrebs und beim Morbus Hodgkin war die Prävalenz seit 1990 leicht gesunken, beim Magenkrebs und bei den Leukämien blieben die Prävalenzen weitgehend unverändert. Der Anstieg der Brustkrebsprävalenz erklärt etwa 40 % der Gesamtzunahme bei den Frauen, einen wesentlichen Anteil daran hatten ferner die Zunahme beim Darmkrebs (19 %) und dem Malignen Melanom (12 %). Lediglich beim Magen- und Gebärmutterhalskrebs sowie beim Morbus Hodgkin war ein leichter Rückgang der Prävalenz zu beobachten.


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global news 1920 21-02-10: Wird Deutschland ein Land der Hilfsarbeiter?

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Nun kommt es vom Centre for European Policy Studies (CEPS) in Brüssel, einer renomierten und von der EU-Kommission unterstützten Denkfabrik ganz dick:

Polen werde schon in 20 Jahren wirtschaftlich besser dastehen als Deutschland. Der Aufholprozess gehe in den neuen EU-Ländern Osteuropas deutlich schneller voran. Die Deutschen seien selbst in der Krise nicht gezwungen gewesen, radikal umzudenken. Laut Studie gibt es im deutschen Bildungssektor zu viele Schulabbrecher und zu wenige Uni-Absolventen. Das werde Deutschland in der nächsten Generation zum Land der Hilfsarbeiter machen, sagt Gros, dessen neues Buch „Nachkrisenzeit" jetzt bei CEPS herauskommt. Verknüpfe man die Akademikerquote mit den Resultaten der Pisa-Studie, liege Warschau vor Berlin. Fast nirgendwo in Europa seien so wenige Arbeitskräfte in Kindergärten, Schulen und Universitäten beschäftigt wie in Deutschland. Mit einer Quote von sechs Prozent liege Deutschland weit hinter Großbritannien mit neun und Polen mit sieben Prozent. Jeder fünfte Jugendliche komme nicht über das Hauptschulniveau hinaus. Die Facharbeitertradition und die Spezialisierung auf Industriegüter sind in der Krise ein Nachteil, warnt Gros. Er fordert eine Bildungsreform. Deutschland müsse mehr Ingenieure und andere Akademiker ausbilden.

Der Abstand zu Polen und anderen Vergleichsländern zeigt sich noch deutlicher in der Eurostat-Statistik , wenn man das Lehrpersonal mit der Zahl aller Beschäftigter vergleicht (Abb. 15045).


Das Infoportal berichtet regelmäßig über die Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystems und die schlechten Schulergebnisse. Hier noch sechs Schaubilder:








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global news 1919 23-02-10: Eingetrübtes Geschäftsklima: Was ist da überraschend?

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Das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich im Februar eingetrübt. Zum ersten Mal seit zehn Monaten ist der Geschäftsklimaindex wieder gefallen (Abb. 14051). Verantwortlich für den Rückgang ist nach Ifo vor allem die Entwicklung im Einzelhandel, bei dem es im Februar zu einem Rückschlag gekommen ist. Insgesamt bewerten die Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage etwas ungünstiger als im Vormonat und weit unter dem langjährigen Stand (Abb. 04731).



Der SPIEGEL macht daraus unter der Überschrift „Stimmung in der Wirtschaft verschlechtert sich überraschend":

„Vor allem die kalte Witterung und der maue Einzelhandel drücken die Stimmung."

Und zitiert dann gleich vier angebliche Experten, die alles auf das Wetter schieben und von denen einer mit der Bemerkung zitiert wird „Einem harten Winter folgt oft eine umso kräftigere Belebung im Frühjahr." Nun ist das alles Unfug, selbst nach Ifo, das sich für den Rückgang des Geschäftsklimas nicht auf das Wetter beruft. Denn der Hauptgrund ist der Rückschlag im Einzelhandel, und da bremst die Angst vor Arbeitslosigkeit und Einschränkung von Sozialleistungen, nicht aber das Wetter. Außerdem stellt Ifo selbst zur witterungsabhängigen Bauwirtschaft eine Verbesserung des Geschäftsklimas fest:

„Im Bauhauptgewerbe ist der Geschäftsklimaindex erneut gestiegen. Die befragten Bauunternehmen bewerten ihre momentane Geschäftssituation wieder etwas günstiger als im Vormonat. Allerdings ist die aktuelle Bautätigkeit nach Auskunft der befragten Unternehmen witterungsbedingt stark eingeschränkt. Ihre Geschäftsperspektiven schätzen sie erneut merklich besser ein, nachdem ihre Skepsis bereits im vergangenen Monat deutlich abgenommen hatte."

Die permanente verlogene Stimmungsmache des SPIEGEL ist leider typisch für viele Medien.


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global news 1918 21-02-10: Werden die neuen Bundesländern zum Altersheim?

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Das Statistische Bundesamt hat jetzt die Varianten der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung nach Ländern vorgelegt. Der Osten Deutschlands wird danach bis zum Jahr 2060 in viel stärkerem Maße vom Rückgang und der Alterung der Bevölkerung betroffen sein als der Westen: In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) werden 2060 rund 37% weniger Menschen als im Jahr 2008 leben und 36% von ihnen werden 65 Jahre und älter sein. Besonders schnell wird diese Entwicklung in den kommenden zwei Jahrzehnten voranschreiten: Bereits um 2030 wird die Bevölkerungszahl in den neuen Ländern um 15% niedriger sein als heute und jeder dritte Einwohner wird 65 Jahre oder älter sein (Abb. 14886).


Die rapide Alterung wirkt sich in den neuen Ländern nicht nur in der schnell ansteigenden Zahl der Älteren aus, sondern auch im Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials. Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter (von 20 bis unter 65 Jahren) wird von 8,0 Millionen (Stand 2008) auf 5,6 Millionen im Jahr 2030 (- 30%) und dann auf 4,0 Millionen im Jahr 2060 (- 50%) zurückgehen. Dementsprechend wird der so genannte Altenquotient - er zeigt wie viele Senioren auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter (hier von 20 bis unter 65 Jahren) entfallen - von heute 37 bis zum Jahr 2030 auf 68 steigen. Seinen höchsten Wert wird der Altenquotient dann im Jahr 2055 mit 82 erreichen und anschließend bis 2060 leicht auf 74 sinken (Abb. 14887). Zu diesem Rückgang kommt es, weil dann die geburtenschwachen Jahrgänge aus der ersten Hälfte der 1990er Jahre das Alter 65 erreichen.


Die Bevölkerung in den westlichen Flächenländern wird dagegen bis zum Jahr 2030 um lediglich 4% und bis zum Jahr 2060 um 19% im Vergleich zum Jahr 2008 zurückgehen.

Der Bevölkerungsvorausberechnung liegen folgende Annahmen zugrunde: eine annähernd konstante zusammengefasste Geburtenziffer von 1,4 Kindern je Frau, eine Zunahme der Lebenserwartung bei Jungen um etwa acht und bei Mädchen um rund sieben Jahre bis 2060 und ein Anstieg des jährlichen Außenwanderungssaldos für Deutschland insgesamt bis zum Jahr 2014 auf 100 000 Personen und anschließende Konstanz bis zum Jahr 2060. Zur Binnenwanderung wird angenommen, dass der Anteil der Bevölkerung, der in ein anderes Bundesland fortzieht, bis zum Jahr 2020 konstant bleibt und den durchschnittlichen altersspezifischen Fortzugsraten der Jahre 2005 bis 2007 entspricht. Die Zuzüge eines Bundeslandes ergeben sich als Summe der Fortzüge der übrigen 15 Länder in dieses Land. Der Wanderungsverlust der neuen an die alten Länder wird aufgrund der rückläufigen Bevölkerungszahl von aktuell etwa 48 000 auf etwa 14 000 bis zum Jahr 2020 sinken. Zwischen den Jahren 2020 und 2030 nimmt im angewendeten Modell die Intensität der Binnenwanderung ab. Ab dem Jahr 2030 werden keine Binnenwanderungen mehr angesetzt.


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global news 1917 22-02-10: Wie zahnlos sind eigentlich die deutschen Gewerkschaften?

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Diese Frage richtet sich nicht an alle Gewerkschaften, doch an einige und besonders die Industriegewerkschaften und die Dachgewerkschaft DGB. Nun muß ich meine Voreingenommenheit gleich einräumen. Ich fand die meisten deutschen Gewerkschaften schon seit langem schlapp. Vor allem hatten sich die Industriegewerkschaften immer für die Exportweltmeisterschaft und die Globalisierung begeistern und so vor den Karren der Arbeitgeber spannen lassen. Nach meiner Vermutung wurden einige Gewerkschaftsführer in ihren Aufsichtsrats- und Vorstandsrollen qua Mitbestimmung mindestens unabsichtlich korrumpiert. Daher war ich besonders froh, als ich 2006 ausgerechnet über die Otto-Brenner-Stiftung der IG-Metall dort mein Buch „Falsch globalisiert" herausbringen konnte und war sehr gern bereit, das Autorengehalt für die Gewerkschaft zu opfern. Das Buch wurde dann in Gegenwart des IG-Metall Chefs Peters vorgestellt und zahlreich an die Gewerkschaftsfunktionäre verteilt, nachdem die Otto-Brenner-Stiftung 10.000 Exemplare bestellt hatte. Doch seitdem wechselte der Vorsitz vom linken Peters zu Huber aus dem rechten Lager der IG-Metall. Heute könnte ich wahrscheinlich dort mein Buch nicht mehr herausbringen.

Die IG-Metall ist die größte Einzelgesellschaft der Welt. Doch, verglichen z.B. mit den wesentlich kleineren französischen Gewerkschaften, hat sie sehr wenig für ihre Mitglieder erreicht. Statt dessen hat sie den Arbeitgebern ermöglicht, in der Eurozone ein Lohndumping zu betreiben, das sich jetzt mit der Krise auf der EU-Südschiene sehr bitter rächt. Die verbraucherpreisbereinigte Entwicklung der deutschen Löhne und Gehälter zwischen 2000 bis 2008 war die schlechteste in der gesamten Alt-EU und um 7 Prozentpunkte schlechter als in Frankreich (Abb. 15586). Die deutschen Stundenlöhne in der Industrie sind nominal zwischen 2000 und 2007 nur um 11 %, die französischen dagegen mehr als doppelt so stark um 26 % gestiegen, so daß die französischen 2007 schon um 12,4 % über den deutschen lagen. Zwischen 2004 und 2008 sind nach Auskunft des Statistischen Bundesamts verbraucherpreisbereinigt die deutschen Tariflöhne um 0,7 % gesunken, die französischen dagegen um 4 % gestiegen.


Nun hat sich die Zurückhaltung der deutschen Gewerkschaften doppelt und dreifach gerächt. Sie hat die an die Lohnentwicklung gekoppelten Sozialleistungen ausgebremst. Die Sozialausgaben pro Kopf zu konstanten Preisen stiegen in Deutschland zwischen 2000 und 2007 nur um ganze 0,7 %, in Frankreich dagegen um 14,6 % (Abb. 15041).


Sie hat sich weiter gerächt, weil die deutschen Niedriglöhne zwischen 2000 und 2007 um weitere 9 % gefallen sind, während in der Alt-EU die Mindestlöhne durchschnittlich um 11 % gestiegen sind (Abb. 15044). In keinem der anderen alten Industrieländer ist zwischen 1997 und 2007 der Niedriglohnsektor so stark gewuchert wie in Deutschland. Und Niedriglöhne führen im Alter nicht nur zu Minirenten, sie drücken nach der deutschen Rentenformel auch das Rentenniveau insgesamt.


Was mich zu dieser Frage heute und hier veranlaßt, ist der weitgehende Verzicht auf Lohnerhöhungen im Tarifabschluß der IG Metall und die Forderung des DGB nach einem flächendeckenden Mindestlohn bei 8,50 Euro. Der Tarifabschluß der IG-Metall zeigt nur, daß die Gewerkschaft die Spielregeln der Globalisierung auch heute noch nicht begriffen hat. Gerade jetzt wäre angesichts der Krise und der unübersehbaren Ungleichgewichte, die die Eurozone zu sprengen drohen, und angesichts der Exportschwäche eine substantielle Verbesserung der deutschen Löhne und der Massenkaufkraft erforderlich (die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat das begriffen und argumentiert auch so).

Die Forderung nach dem Mindestlohn erinnert daran, daß der DGB selbst unter einer SPD-geführten Regierung trotz Unterstützung in der Bevölkerung, wie die Umfragen zeigten, und trotz Mindestlöhnen in fast allen Vergleichsländern nicht in der Lage oder fähig war, diese Forderung durchzusetzen. Wie will er das jetzt hinkriegen, solange er vor einem Generalstreik für flächendeckende Branchenvereinbarungen wie in Schweden oder eine gesetzliche Regelung wie meist sonst in der Alt-EU zurückschreckt?


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.