Reihe 67 ab 02-02-10 ... ...

(1916) Sozialausgaben in Europa (Alt-EU): Geringste Steigerung in Deutschland (0,1%/Jahr)

(1915) Zur Lage des unteren Fünftels in Deutschland

(1914) Euro was nun? Konstruktionsfehler rächen sich

(1913) Vergleichsweise geringe Sozialleistungen in Deutschland für langzeitarbeitslose Geringverdiener ohne Kinder

(1912) Härte-Vergleich Euro zu DM zu Schweizer Franken

(1911) Stärkster Einbruch der Erwerbstätigkeit im Produzierenden Gewerbe seit 1994: minus 4,2 %

(1910) Intergenerationale soziale Mobilität: Deutschland in der Mitte

(1909) 11,5 Mio unter der Armutsschwelle: meist einmal arm - immer arm

(1908) Wie die Deutschen in den Euro geschwindelt wurden und ihnen jetzt ein weicher Euro schmackhaft gemacht wird

(1907) ZEW-Konkunkturindikator: Konjunkturerwartungen seit fünf Monaten im Abstieg

(1906) Die griechischen Bilanztricks mußten den EU-Behörden bekannt gewesen sein

(1905) Hier lügt BILD wieder einmal: Sozialausgaben je Einwohner von 1992 bis 2007 nicht um 35 % sondern nur 16 % gestiegen bei 45 % mehr Arbeitslosen

(1904) Waren die Europartner und die EU-Kommission de-facto Komplizen der früheren konservativen griechischen Regierung?

(1903) Internationale Wirtschaftsentwicklung im 4. Quartal 2009

(1902) Die Eurozone fliegt schon seit Anbeginn auseinander

(1901) Die deutsche Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2009: Was wäre, wenn der Import, wie der Export gestiegen wäre?

(1900) Von wegen Aufschwung: Die deutsche Wirtschaft bleibt tief im Krisental

(1899) Warum der deutsche Steuerzahler an die griechische Kasse muß

(1898) Deutschland schläft schlecht

(1897) Chinas Export powert, Deutschlands Export-Vorzeigebranche Maschinenbau noch tief im Krisental

(1896) 7 % mehr Unternehmens-, 12,4 % mehr Verbraucher-Insolvenzen

(1895) Endspiel: Die Schlacht um den Euro hat begonnen - Spekulanten im Großangriff

(1894) Die Rambo-Methoden der deutschen Exportkonzerne haben Deutschland erheblich geschadet

(1893) Industrieumsatz Dezember 09 minus 17,5 % gegenüber Dezember 07

(1892) Britisches Met Office meldet stärkere Erwärmung als bisher von University of East Anglia ermittelt

(1891) Produktionsindex Dezember 09: 17,5 % unter Dezember 07 - die befürchtete "Badewanne" bildet sich aus

(1890) Deutschland bei der Einzelhandelsentwicklung in der Alt-EU seit 2005 an drittletzter Stelle und letzter bei den Löhnen

(1889) Industrieaufträge im Dezember minus 27,2 % gegenüber Dezember 2007 vor der Krise

(1888) Drängt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Mayer dramatisch auf deutsche Hilfsleistungen an Griechenland, weil die Deutsche Bank drinhängt?

(1887) Quo vadis China?

(1886) PKW-Zulassungen im Januar: Und nun das schwarze Loch




global news 1916 21-02-10: Sozialausgaben in Europa (Alt-EU): Geringste Steigerung in Deutschland (0,1%/Jahr)

(bitte auch Startseite besuchen)

Zwischen 2000 und 2007 sind nach Eurostat die Sozialausgaben preisbereinigt in Deutschland nur um 0,7 % oder 0,1 % pro Jahr gestiegen, haben also praktisch stagniert. Dagegen stiegen sie im Durchschnitt der Eurozone um 10,9 % oder das Sechzehnfache (Abb. 15041). Auch über den 10-Jahres-Zeitraum 1997-2007 stiegen die Sozialausgaben in Deutschland nur um 8,1 % und damit weit weniger als in den anderen Ländern der Alt-EU (Abb. 15040).



Hatte Deutschland in der Alt-EU im Jahr 2000 pro Kopf noch die vierthöchsten Sozialausgaben, so rutschten sie bis 2007 auf den achten Platz ab und wurden nur noch von den Mittelmeerländern, Großbritannien und Irland unterboten, die französischen lagen um 8 % höher (Abb. 15042, 15043).



Das zeigt, wie verlogen das Gerede um die angeblich explodierenden Soziallasten ist. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß sie in Deutschland eigentlich erheblich über denen der anderen EU-Länder liegen müßten, da Deutschland eine der höchsten Raten an Langzeitarbeitslosen in der Alt-EU hat (Abb. 12999).


Rechnet man die deutschen Netto-Sozialschutzausgaben (also minus Eigenbeitrag der zu schützenden Personen) pro Volkseinkommen, so zeigt sich ein erheblicher Rückgang von 28,2 % 2003 auf nur noch 24,4 % in 2007 (Abb. 14885).


Siehe dazu neuen Schwerpunkt: Leben im untersten Fünftel (zur Westerwelle-Polemik).


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1915 20-02-10: Zur Lage des unteren Fünftels in Deutschland

(bitte auch Startseite besuchen)

BILD im Kommentar vom 20.2.10:

„Und es geht jetzt nicht mehr nur um die Betroffenen und was ihnen an Hilfe zustehen soll. Es geht endlich auch um die, die dafür mit Steuern und Abgaben bezahlen. Das war überfällig, weil es gerecht ist. Weil es alle Schichten in den Blick nimmt und nicht allein das untere Fünftel."

Ehe die Lage des unteren Fünftels medial abgeknipst wird und statt dessen die Not bei den anderen vier Fünfteln gesehen wird, hier ein paar Fakten:

Der Einkommensanteil des untersten Fünftels verglichen mit dem obersten Fünftels ist zwischen 2000 und 2007 von 29 % auf nur noch 20 % zurückgegangen und hat 2008 nur wegen des zeitweiligen krisenbedingten Einbruchs im obersten Fünftel leicht auf 21 % zugenommen. Damit liegt der Anteil nun weit unter dem in Dänemark mit 28 % oder Frankreich mit 24 % (Abb. 15037).


Im EU-Vergleich mit den Altmitgliedern liegt Deutschland nun im unteren Drittel nur noch unterboten von den Mittelmeerländern und Großbritannien (Abb. 15038).


In Westdeutschland hatte das unterste Fünftel 2008 nur noch einen Anteil am Gesamteinkommen von 9,3 %, in Ostdeutschland von 9,8 % (Abb. 14757).


2008 lebten nach Ermittlungen des DIW mit 11,5 Millionen Menschen 14 % der Bevölkerung unter der Armutsschwelle, rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren, obwohl die Gesellschaft insgesamt über diesen Zeitraum wohlhabender geworden ist. Allein lebende junge Erwachsene im Alter von 19 bis 25 Jahre sind mit 65 % an oder unter der Armutsschwelle besonders stark betroffen (Abb. 14883). Soll vor allem diese Generation, auf die Deutschlands Zukunft angewiesen ist, abgeknipst werden?


Immer mehr Niedriglöhner befinden sich im unteren Fünftel, da der Niedriglohnsektor wegen Hartz-IV immer größer wird. Zwischen 1998 und 2007 ist der Niedriglohnanteil nach OECD von 12,1 % auf 17,5 % hochgesprungen, mehr als im Durchschnitt der OECD und ein weit stärkerer Anstieg als in fast allen anderen Ländern (Abb. 13810). Der Anteil des untersten Zehntels der Arbeitseinkommen am obersten war schon 2006, dem letzten von Eurostat erfaßten Jahr, mit 26,8 % unter allen Ländern der Alt-EU nur in Großbritannien und Portugal noch niedriger als in Deutschland (15039).




Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1914 19-02-10: Euro was nun? Konstruktionsfehler rächen sich

(bitte auch Startseite besuchen)

Noch bevor deutsche Entlastungszahlungen an Griechenland beschlossen sind, haben deutsche Sparer und Verbraucher begonnen, die Zeche für die Konstruktionsfehler des Euro über abgesenkte Sparerzinsen und verteuerte Importe zu bezahlen. Diese Entwicklung kann sich durchaus noch verschärfen, wenn Griechenland wegen des Protestes der Bevölkerung seinen Haushalt nicht schnell genug in Ordnung bringen kann.

Eine Währung ohne eine einheitliche Wirtschaftspolitik ist ohnehin eine Schönwetterveranstaltung, die bei jedem Krisentest in die Brüche gehen kann oder hohe und am Ende dauerhafte Ausgleichszahlungen an schwache Partner auslöst. Dieser gravierende Konstruktionsfehler wird noch schlimmer, wenn von Anfang an Länder in die Währung aufgenommen werden, die stark verschuldet sind und eine ehrliche Bilanzierung vermeiden. Letzteres ist mit Belgien, Italien und später Griechenland geschehen; insgesamt lag die Verschuldung 1997 bei sieben der 12 Eurozonenländer über der Maastrichtgrenze von 60 % des BIP, teiweise über 100 %, wobei einige Länder noch zu Tricks für eine künstliche Absenkung gegriffen hatten, die leider geduldet wurden.

Der Fehler wird dann noch gefährlicher, wenn die Zentralbank die Inflationsraten nicht über ihre Zinspolitik zusammenhalten kann. Auch das ist hier geschehen: in sieben der 11 anderen Eurozonenländer war die Verbraucherpreisentwicklung über den Zeitraum seit 1996 in zweistelligen Prozentpunkten höher als in Deutschland, in Griechenland sogar um fast 34 Prozentpunkte (Abb. 15035). Da sie ihre Währungen gegenüber Deutschland nicht mehr abwerten konnten und Deutschland seit Euroeinführung die Löhne real eingefroren hielt, haben alle anderen, aber besonders acht der Eurozonenländer gegenüber Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verloren, Griechenland, Spanien und Irland sogar im zweistelligen Bereich, wie die reale Wechselkursentwicklung zeigt (Abb. 16047).



Angesichts der hohen Verschuldung und der auch sonst besonders prekären Wirtschaftslage im Mittelmeerraum kann die EZB die Zinsen nicht anheben, während andere Notenbanken dies nun tun. Nach Australien und Südkorea hat gestern die FED in einer ersten Anhebung seit fast drei Jahren den amerikanischen Diskontsatz um 0,25 % angehoben (Abb. 03774), um ein erstes, wenn auch noch sehr vorsichtiges Signal Richtung Ende der Krise in USA und Begrenzung von Inflationsgefahren zu setzen. Schon vor einem Monat hat der Euro begonnen, Richtung Mittelmeer zu sinken und kommt nun noch zusätzlich unter den Druck der Fed-Anhebung. Seit Beginn der offenen Griechenlandkrise Mitte Januar hat er bereits mehr als 6 % gegenüber dem Dollar verloren (Abb. 15590).



Die Folgen tragen in Deutschland schon jetzt die Sparer, die mit Rücksicht auf die Problemländer weiter auf ungewöhnlich niedrigem Zinsniveau gehalten werden, und die Verbraucher, die mehr für Importe von außerhalb der Eurozone zahlen müssen, vor allem für Öl, Benzin, andere Rohstoffe und importierte Nahrungsmittel. Den Vorteil haben die Exportunternehmen, soweit ihre Abnehmer trotz der Krise zahlungsfähig geblieben sind.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1913 18-02-10: Vergleichsweise geringe Sozialleistungen in Deutschland für langzeitarbeitslose Geringverdiener ohne Kinder

(bitte auch Startseite besuchen)

Die neueste OECD-Studie, die noch nicht veröffentlicht ist, aus der aber der SPIEGEL zitiert wird zum Steinbruch in jede Richtung. BILD sieht darin natürlich eine Rechtfertigung für Westerwelle, weil die OECD für Deutschland von der finanziellen Seite vergleichsweise geringe Anreize für Arbeitslose zur Aufnahme einer Beschäftigung findet. Allerdings hat der mangelnde Reiz immer zwei Seiten: eine zu üppige Sozialleistung oder zu niedrige Löhne auf der anderen Seite. Da die OECD insgesamt 24 Szenarien unterschiedlicher Familienstrukturen auf der Empfängerseite von Sozialleistungen und unterschiedlicher Länge an Arbeitslosigkeit sowie unterschiedlicher Entlohnung im letzten Job untersucht und das für 31 Länder, klauben sich die Medien und die Politik heraus, was für die eigene Position paßt.

Und so klaubt sich denn BILD heraus, daß ein alleinerziehender oder verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern ein Einkommen von mehr als 60 Prozent des Durchschnittslohns erzielen muß, ehe das Nettoeinkommen merklich über dem liegt, was ihm an Sozialtransfers laut den geltenden Hartz-IV-Regelungen zusteht. Nun sind in der Tat die Sozialtransfers für diesen Personenkreis noch relativ günstig, wenn auch kein internationaler Spitzenwert. Hierzu BILD unter der Schlagzeile "ARBEIT LOHNT NICHT":

Das geht aus der neuen OECD-Studie "Wie generös ist Hartz IV im internationalen Vergleich?" hervor. Demzufolge müssen alleinerziehende Langzeitarbeitslose mit zwei Kindern fast zwei Drittel des Durchschnittslohns oder 2140 Euro brutto verdienen, ehe sich Arbeit für sie wieder lohnt.

Es ist die Kellnerin mit zwei Kinder, die immer bei Westerwelle herhalten muß. Doch auch da hinkt der Vergleich schon, denn in den meisten Vergleichsländern ist die Ausstattung mit Kindergartenplätzen erheblich besser, während in Deutschland schon deren Mangel die Aufnahme eines Jobs für Alleinerzieher bremst.

Wichtiger noch: Besonders viele Hartz-IV Empfänger sind langzeitarbeitslos, hatten zuvor einen gering bezahlten Job und haben alleinstehend oder verheiratet keine Kinder. Für diesen Personenkreis sind die deutschen Sozialleistungen im internationalen Vergleich vergleichsweise dürftig und Deutschland rangiert hier nur auf dem 16. bzw. 17. Platz vor einer Reihe von meist vergleichsweise armen Ost- und Südeuropäern, mit denen sich das Land wirklich nicht vergleichen sollte (Abb. 15031, 15032). Wenn hier der Anreiz zur Jobaufnahme fehlen sollte, so nicht wegen der üppigen Sozialleistungen, sondern mangels Jobs oder wegen eines zu niedrigen deutschen Lohnniveaus. Denn kaum in einem der besseren Vergleichsländer gibt es einen derart wuchernden Niedriglohnsektor wie in Deutschland, und das schon wegen des Fehlens von Mindestlöhnen.



Besonders schlimm sieht es für diesen Personenkreis im internationalen Vergleich unmittelbar nach Jobverlust aus. Hier kommt Deutschland nur auf Plätze 25 und 23 (Abb. 15033, 15034) und natürlich verliert BILD kein Wort dazu.




Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1912 18-02-10: Härte-Vergleich Euro zu DM zu Schweizer Franken

(bitte auch Startseite besuchen)

Helmut Kohl und Finanzminister Theo Waigel versprachen bei Einführung des Euro: "Der Euro wird so hart wie die Mark". Seit einem Monat haben die Märkte begonnen, den Euro wegen der Unsicherheiten auf seiner Südschiene und der Aufdeckung der wahren Staatsverschuldung Griechenlands abzuwerten, was - wenn es anhält - die Importe verteuern und so der Verbraucherpreisentwicklung Auftrieb geben wird. Das gilt es recht, wenn die EZB mit Rücksicht auf die prekäre Situation an der Südflanke nicht mit Zinsanhebungen Inflationstendenzen dämpfen kann, die aus der von ihr konjunkturstützend erzeugten Liquiditätsbalse zu erwarten sind.

Umso mehr stellt sich die Frage, ob der Euro in der Vergangenheit wirklich so hart wie die DM war. In die Zukunft kann man nicht sehen, doch die Vergangenheit läßt sich statistisch mit den jährlichen Verbraucherpreissteigerungen erfassen. Dabei macht es wenig Sinn, die Euroinflation direkt mit der früheren DM-Inflation für Deutschland zu vergleichen. Zu groß sind da im Zeitphasenvergleich die äußeren Einflüsse, vor allem die enormen Schwankungen der Öl- und Rohstoffpreise.

Doch man kann die DM und den Euro jeweils mit den zeitgleichen Verbraucherpreissteigerungen in anderen Währungsräumen vergleichen, die denselben äußeren Einflüssen unterlegen haben. Am Naheliegensten ist in dieser Hinsicht ein Vergleich mit dem Schweizer Franken, der anderen traditionellen Hartwährung, wozu der IWF die Daten ab 1980 führt. Dabei zeigt sich, daß die DM zwischen 1980 und 1991, dem Einführungsjahr des Euro im Bankbereich und der Funktionsübernahme durch die EZB, meist mit weniger Inflation härter als der Schweizer Franken war (im Jahresdurchschnitt 3,1 % gegenüber 4,3 %). Doch das kann für den Euro und die deutsche Verbraucherpreisentwicklung seit dessen Einführung nicht gesagt werden. Hier drehte sich die Entwicklung deutlich um: die Inflation über diesen Zeitraum bis 2009 betrug für Deutschland im Jahresdurchschnitt 2,2 % und für die Schweiz lediglich 1,3 % (Abb. 15029, 15030).



Dabei hat Deutschland - anders als die Schweiz - seit Einführung des Euro über die Importe aus anderen Eurozonenländern mangels Wechselkursveränderung auch ständig deren Euroinflation mitimportiert, die mit der Wirtschaftsleistung gewichtet im Durchschnitt bei 3,2 % lag und damit erheblich über der deutschen Euro-Teuerungsrate.

Der Vergleich zeigt, daß der Euro wohl schon in der Vergangenheit nicht so stark wie die DM war, wenn man unter Ausschluß äußerer Einflüsse vergleicht, und das ist kein gutes Omen für die Zukunft.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1911 18-02-10: Stärkster Einbruch der Erwerbstätigkeit im Produzierenden Gewerbe seit 1994: minus 4,2 %

(bitte auch Startseite besuchen)

Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, hat sich die Erwerbstätigkeit im Produzierenden Gewerbe trotz Kurzarbeitergeld im 4. Quartal 2009 im Vorjahresvergleich um 4,2 % vermindert, der stärkste Einbruch seit 1994 (Abb. 04794). Der Rückgang der Veränderungsraten hält bereits seit dem 2. Quartal 2008 an und hat sich immer weiter verstärkt. Damit arbeiten nur noch 19 % der Beschäftigten in einem produzierenden Unternehmen.


Insgesamt ging die Erwerbstätigkeit im 4. Quartal 2009 um 0,4 % zurück, da der Dienstleistungsbereich noch leicht zulegte; hier konzentriert sich allerdings die niedrigentlohnte Beschäftigung.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1910 17-02-10: Intergenerationale soziale Mobilität: Deutschland in der Mitte

(bitte auch Startseite besuchen)

Nach der neuen OECD-Studie über soziale Mobilität zwischen Generationen liegt Deutschland im Mittelfeld nach den skandinavischen Ländern sowie Kanada und Australien (Abb. 15027).


Ziemlich eng ist dagegen für Deutschland die Verknüpfung von Gymnasialleistung mit dem Bildungshintergrund der Elterngeneration (Abb. 15028). Besonders schlecht sind nach anderen OECD-Studien Deutschland und Frankreich mit ihren Unterschichten dran, die im Vergleich zu Kindern der Oberschichten wesentlich häufiger beispielsweise in Mathematik versagen, als das in anderen Länder der Fall ist (Abb. 13090). Auch der soziale Graben hinsichtlich der Chancen eines Hochschulabschlusses ist größer als in den meisten anderen Ländern (Abb. 13317).





Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1909 17-02-10: 11,5 Mio unter der Armutsschwelle: meist einmal arm - immer arm

(bitte auch Startseite besuchen)

Es ist nicht die gelegentliche Armut oder gelegentliche Arbeitslosigkeit, die Deutschland besonders plagt. Wer einmal auf Hartz-IV-Niveau ist, kommt kaum noch raus. Nur 32 % finden aus Hartz IV in ein normales Arbeitsverhältnis zurück (Abb. 14842), davon drei Viertel mit Stundenlöhnen unter 10 Euro (Abb. 14841). Besserverdiener landen kaum im Armutsniveau: Lediglich 0,3 % der Hartz-IV-Bezieher verdienten in ihrem letzten Job mehr als 3.000 Euro brutto im Monat, nur jeder Tausendste kam auf mehr als 3.500 Euro. Das Klagelied über den Abstieg der Mittelschicht ist in dieser Hinsicht unberechtigt. Hier wird nicht abgestürzt, weil man in der Regel immer schon zu den Armen zählte.



Das DIW hat nun ermittelt, daß 2008 mit 11,5 Millionen Menschen 14 % der Bevölkerung unter der Armutsschwelle lebten, rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. Dabei ist das Armutsrisiko insbesondere der Kinder und jungen Erwachsenen - darunter viele Alleinerziehende - stark gestiegen. Generell ist das Armutsrisiko sehr ungleich verteilt. (Abb. 14883).


Beispielswiese sind junge allein lebende Erwachsene im Alter von 19 bis 25 Jahre mit 65 % besonders stark betroffen. Das DIW führt das auf die Zunahme der Dauer der Ausbildung sowie des Anteils der Hochschulabsolventen mit einem verspäteten Einstieg ins Berufsleben zurück, erwähnt aber auch, daß viele Berufsanfänger über schlecht bezahlte Praktika und prekäre Arbeitsverhältnisse ins Arbeitsleben einsteigen würden.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1908 17-02-10: Wie die Deutschen in den Euro geschwindelt wurden und ihnen jetzt ein weicher Euro schmackhaft gemacht wird

(bitte auch Startseite besuchen)

1. Der Euro schwächelt seit mehr als einem Monat wegen der Schuldenkrise an der Eurozone-Südfront (Abb. 15590).


Doch sofort sollen wir überzeugt werden, daß das überhaupt kein Problem sei und daß wir auch Griechenland unterstützen sollten. So schreibt der SPIEGEL:

"Die jüngste Euro-Schwäche ist uneingeschränkt gut. Gut für Deutschland und gut für Europa. Jede Aufwertung des Euro bedeutet, dass deutsche und europäische Industrieunternehmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. "

Die Financial Times Deutschland weist auf die Bedeutung der Eurozonen-Südfront für den deutschen Export hin und setzt sich für eine deutsche Hilfsaktion ein :

"Immerhin sind Konzessionen Deutschlands nicht ganz ausgeschlossen, auch wenn das in Berlin noch keiner zugeben mag. Denn für die hiesige, ohnehin nur auf dem Exportzylinder laufende Wirtschaft wird es langsam eng."

Nach einem aktuellen Rechtsgutachten des Deutschen Bundestages kann der Rat der Europäischen Union für einen Mitgliedstaat trotz des Beistandsverbots im Eurovertrag finanziellen Beistand beschließen, wenn der aufgrund von Naturkatastrophen oder außergewöhnlichen Ereignissen, die sich seiner Kontrolle entziehen, von Schwierigkeiten betroffen oder von gravierenden Schwierigkeiten ernstlich bedroht ist. Und dann wird so getan, als sei die Finanzkrise Griechendlands eine solche sich der Kontrolle des Landes entziehende Schwierigkeit. Andererseits fordert der IWF neuerdings mit seinem Chefvolkswirt Olivier Blanchard von der EZB und den anderen Notenbanken, ihr Inflationsziel von zwei auf vier Prozent zu verdoppeln und damit die Währungen aufzuweichen.

2. Nun war das ganz anders, als Deutschland bei seiner Einführung vom Vorteil des Euro überzeugt werden solllte. Helmut Kohl und Finanzminister Theo Waigel versprachen damals:

"Der Euro wird so hart wie die Mark".

Die Aufnahme der stark verschuldeten Südländer war in Deutschland besonders stark umstritten. Man hätte mit diesen Ländern im Interesse einer harten Währung warten müssen, doch allein die Wackelkandidaten Italien, Portugal, Spanien verfügten gemeinsam mit EU-Schlußlicht Griechenland über 28 Stimmen - faktisch eine Sperrminorität im Europäischen Rat und Kohl wollte die Währungsunion pünktlich. Außerdem mußte Waigel einräumen, daß auch die deutsche Neuverschuldung 1996 mit 3,9 % des Bruttoinlandsprodukts über der vereinbarten Grenze von 3 % lag.Und so wurde den Deutschen trotz aller Bedenken eingeredet, daß die Zeit für einen harten Euro reif sei.

BILD startete prompt eine gewaltige Kampagne zugunsten des Euro. Euro-Gegner kamen fast nicht zu Wort. Hier einige Zitate:

"Euro Die Wunderdroge: Wirkt gegen Inflation! Dank Euro sind die Preise so stabil wie seit 50 Jahren nicht mehr. Wirkt gegen Haushaltsdefizite! Dank Euro sparen heute selbst Italien, Portugal und Spanien pickelhart. Er schafft ein Geld und einen Wirtschaftsraum von Lappland bis hinunter zur Algarve. Dort überall zieht die Konjunktur endlich wieder an - und auch bei uns. Wunder-Euro, Euro-Wunder!"

"Tagesthema (im Bundestag) ist die Debatte zur Abstimmung über die Einführung des Euros. Kohl: Der Euro ist in gar keiner Weise ein unkalkulierbares Risiko."

3. Doch wie sehr die Deutschen damals in den Euro geschwindelt wurden, zeigt nicht nur die derzeitige Zuspitzung der Finanzkrise bei den Südländern, sondern auch die Art und Weise, wie diese Länder mit hoher und dann noch künstlich heruntergerechner Verschuldung hineingelassen wurden. Schon 1997 im Jahr vor dem Bundestagsbeschluß waren Belgien mit 122,3 % und Italien mit 118,1 % erheblich über der Maastrichtgrenze von 100 % des BIP verschuldet (Abb. 15596). Griechenland hatte 1999 vor seinem Eurobeitritt eine Verschuldung von 104,4 %. Ohne Belgien machte der Euro wenig Sinn.


Nun machte man offensichtlich alle Augen zu und ließ auch Tricks laufen, mit denen die Verschuldung künstlich abgesenkt wurde. Einer davon waren Währungsswaps. So konnte ein Land einen Kredit auflegen, den Betrag über einen Währungsswap in Dollar zu einem künstliche abgesenkten Kurs notieren und die Bank als Gegenpartei des Swaps gab dem Land dann einen Kredit bis zur Höhe des offiziellen Kurses und ließ sich später diesen Kredit zurückbezahlen. Doch solche Kredite im Rahmen von Swaps wurden nicht als Staatsverschuldung geführt.

Diese Praxis war durchaus bekannt und auch von Eurostat erklärt. Sie entsprach dem Regelbuch von Eurostat aus 2002, das in dieser Hinsicht erst 2008 geändert wurde. In einem Bericht hat Gustavo Piga, ein Wirtschaftsprofessor an der Universität von Rom, beklagt, daß sich weder die EU-Kommission, noch Eurostat, noch die EZB mit dieser falschen Bilanzierung beschäftigen wollten, als sie schon 2001 von Piga über die Anwendung dieses Tricks durch Italien informiert wurden. Andere Tricks waren die Beleihung künftiger Staatseinnahmen aus Lande- und Autobahngebühren oder Lotterieeinahmen, eine Praxis, die z.B. in Griechenland offen diskutiert wurde, und die in der Staatsbilanz nicht als Verschuldung geführt wurde.

Die Schwindelei um die Staatsverschuldung ist also uralt. Vor diesem Hintergrund war das Versprechen einer harten Währung durch die deutsche Politik ebenfalls eine Art von Schwindelei.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1907 16-02-10: ZEW-Konkunkturindikator: Konjunkturerwartungen seit fünf Monaten im Abstieg

(bitte auch Startseite besuchen)

Auch im Februar gingen die von ZEW gemessenen Konjunkturerwartungen zum fünften Mal in Monatsfolge zurück (Abb. 04762).


Die Beurteilung der konjunkturellen Situation liegt weiter tief unten und hat nur noch wenig zugelegt (Abb. 04588).


Natürlich findet ZEW-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz und Vorsitzender der Wirtschaftweisen trotzdem eine positive Interpretation und hält an der Aussicht auf Aufschwung fest:

"Damit erwarten die befragten Finanzmarktexperten, dass sich auch in den kommenden sechs Monaten die deutsche Konjunktur langsam von der Wirtschaftskrise erholen wird. Allerdings bleiben die Geschäftsaussichten für Konsum und Handel sowie die Automobilindustrie weiterhin schwach. Auch für die insgesamt besser eingeschätzten exportorientierten Branchen Stahl und Chemie zeigen sich die Experten etwas pessimistischer als im Vormonat. Die Erwartungen dümpeln vor sich hin, allerdings auf ansehnlichem Niveau. Zwar haben wir bei der Wirtschaftskrise das Schlimmste hinter uns, aber die Sorgen über die Arbeitsmarktentwicklung, Staatsverschuldung und den Euro sind nicht geringer geworden."

Was ist hier eigentlich das "ansehnliche Niveau"?


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1906 15-02-10: Die griechischen Bilanztricks mußten den EU-Behörden bekannt gewesen sein

(bitte auch Startseite besuchen)

In einem Artikel zu den Tricks, mit denen Griechenland seine wachsende Verschuldung versteckt hat, berichtet die New York Times auch über den Kenntnisstand der europäischen Behörden. In Dutzenden von Geschäften quer durch Europa besorgten die Banken den Regierungen Geld im Gegenzug für künftige Zahlungen, z.B. aus Flughafengebühren oder Lotterieeinnahmen. Solche Sondervereinbarungen wurden in den Bilanzen der Regierungen nicht als Darlehen verbucht. Genau das hat Griechenland mit seinen Flughäfen und Autobahnen getan. Aeolos, eine in 2001 geschaffene Rechtsstruktur, half Griechenland damals, sein Schuldenbilanz zu vermindern. Künftige Einkommen aus Landegebühren der Flughafen wurden in Zahlung gegeben. Ein ähnliches Geschäft aus 2000 unter dem Namen Ariadne benutzte künftige Regierungseinnahmen aus der nationalen Lotterie. Die Transaktionen wurden jedoch mehreren Zweifeln der Kritiker zum Trotz als Verkäufe klassifiziert, obwohl sie Darlehen waren. Solche Geschäfte waren in Regierungskreisen seit Jahren umstritten. Schon 2000 diskutierten die EU-Finanzminister, ob sie offengelegt werden sollten. Die Antwort war damals "nein". Doch 2002 wurde die Offenlegung verlangt und Geschäfte wie Aeolos und Aridane wurden nun nachträglich als Darlehen klassifiziert.

George Alogoskoufis, der inzwischen griechischer Finanminister geworden war, kritisierte die Transaktionen 2005 im griechischen Parlament. Er beklagte die hohen Zahlungen an Goldmann bis zum Jahr 2019. Dementsprechend meldete das holländische NRC Handelsblad schon im Dezember 2009: Yannis Stournas, der ein unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut leitet, halte die ausländische Erregung für hypokritisch. Es wäre für Außenseiter einfach gewesen, die amtliche 6 % Defizit-Zahl schon seit langer Zeit für inkorrekt zu beurteilen. Lesen die denn keine griechischen Zeitungen? Hat die EU nicht jede Woche ein Team hier? Auch Yannis Stournas, der Statistiker, der Griechenland in den Verhandlungen zum EWU vertrat, meint, Griechenland sei nicht mehr erfinderisch bei der Bilanzierung als andere Länder in diesem Prozeß gewesen. Brüssel hätte das neue System damals akzeptiert, obwohl Brüssel gewarnt worden war. Brüssel hätte alle Statistiken, die von den Regierung eingesandt worden seinen, ungeprüft akzeptiert.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1905 14-02-10: Hier lügt BILD wieder einmal: Sozialausgaben je Einwohner von 1992 bis 2007 nicht um 35 % sondern nur 16 % gestiegen bei 45 % mehr Arbeitslosen

(bitte auch Startseite besuchen)

BILD will Westerwelle im Angriff auf den Sozialstaat helfen. In seinem heutigen Kommentar meint der Stellvertretende Chefredakteur:

"Der FDP-Chef will den Sozialstaat wieder von der Bezahlbarkeit her denken - ein wenig jedenfalls. Das Thema lohnt den Streit, denn in den Jahren zwischen 1992 und 2007 sind die Sozialausgaben je Einwohner um 35 Prozent auf 8593 Euro pro Jahr gestiegen."

Erstens, ist der Zeitvergleich verlogen, denn 1992 gab es mit 2,6 Mio Menschen ein Rekordtief an Arbeitslosigkeit, während es 2007 um 45 % mehr Arbeitslose waren. Auch gab es 1992 nicht den wuchernden Niedrigstlohnsektor in Deutschland, der Arbeitnehmer zwingt, neben ihrem Arbeitslohn Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Zweitens, stieg nach den Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales das deutsche Sozialbudget pro Einwohner zwar auf 8636 Euro, jedoch waren das nach Abzug der Verbraucherpreisinflation lediglich 16 % (Abb. 15595). Die Zahlen zeigen auch, wie seit 2003 die realen Sozialleistungen rückläufig waren, obwohl bis 2005 die Arbeitslosigkeit noch anstieg, auch und gerade eine Folge der Hartz-IV-Reformen.



Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1904 14-02-10: Waren die Europartner und die EU-Kommission de-facto Komplizen der früheren konservativen griechischen Regierung?

(bitte auch Startseite besuchen)

Der neue sozialistische Regierungschef Papandreou heute:

"Die EU-Kommission hat versäumt, gegen die kriminellen Machenschaften der frühreren konservativen Regierung bei der Fälschung der Statistiken einzuschreiten. Das hat die Veranwortlichkeit der EU Institutionen gegenüber den internationalen Finanzmärkten unterminiert."

In der Tat ist kaum nachvollziehbar, was hier gelaufen ist. Griechenlands Verschuldung lag mit mehr als 100 % des BIP schon 2000 erheblich über der Maastricht-Grenze von 60 %. In den Folgejahren bewegte sich die Verschuldung ständig in dieser enormen Höhe, ohne daß die Europartner oder die EO-Kommission intervenierten (Abb. 16051).


Das Haushaltsdefizit erhöhte sich bis 2004 noch auf 7,5 % des BIP und war dann alle Jahre, bis auf 2006, erheblich über der Höchstgrenze 3 % (Abb. 16050). Griechenland benutzte also den wesentlich abgesenkten Zins für seine nun in Euro ausgedrückten Staatsanleihen, um das Haushaltsdefizit weiter hochzufahren und den Abbau der Verschuldung zu umgehen. In Brüssel wurde das alles tolleriert.


Tatsächlich beglückwünschte der Europäische Rat zum Zeitpunkt seiner Entscheidung vom 19. Juni 2000 Griechenland wegen des erreichten hohen Grades an nachhaltiger Annäherung an die anderen Euroländer (Konvergenz) und dies "auf der Basis gesunder Wirtschafts- und Finanzpolitiken". In den Berichten der EZB und der Kommission, die dieser Entscheidung zugrunde lagen, ist die Rede von einem Rückgang des Haushaltsdefizits auf 1,6 % des BIP, obwohl es nach der derzeitigen IWF-Statistik fast doppelt so hoch war. Zwar wurde festgestellt, daß die Staatsverschuldung mit 104,4 % weit über der Maastricht-Grenze von 60 % lag, doch wurde ein Rückgang um 6,9 Prozentpunkte seit 1996 notiert und Griechenland damit in den Euro durchgewunken.

Die Finanzminister verkürzten sogar die Frist zum Eurobeitritt und gaben den Euro als Zahlungsmittel für Griechenland zum gleichen Zeitpunkt Anfang 2001 wie für alle anderen Euroländer frei. Griechenland war die erste Eurozonenerweiterung seit Schaffung der Eurozone in 1999.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1903 13-02-10: Internationale Wirtschaftsentwicklung im 4. Quartal 2009

(bitte auch Startseite besuchen)

Ohne Kommentar:



Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1902 13-02-10: Die Eurozone fliegt schon seit Anbeginn auseinander

(bitte auch Startseite besuchen)

EZB-Vize Stark: "Als Konsequenz aus den Ereignissen sollte bei der Aufnahme neuer Mitglieder in den Euro-Raum noch schärfer hingesehen werden, was die Daten und die Dauerhaftigkeit der Konvergenz betrifft. Eine Erweiterung darf nicht dazu führen, dass dieser Währungsraum auseinandertreibt."

Doch die Wahrheit ist viel schlimmer. Schon seit ihrem Start treibt die Eurozone auseinander. Ohne die Möglichkeit, über Wechselkursveränderungen korrigierend einzugreifen, hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften immer weiter auseinander bewegt. Der Punkt, wo diese Entwicklung durch die Wirtschafts- und Finanzpolitik aller einzelner Euroländer noch eingefangen werden könnte, ist längst überschritten. Das zeigen die "realen Wechselkurse" sehr deutlich (Abb. 16047). Ihr Auseinanderstreben ist vor allem das Ergebnis einer immer unterschiedlicheren realen (verbraucherpreisbereinigten) Entwicklung von Löhnen und Gehältern, mit Jahresdurchschnittsraten von 0,5 % für Deutschland bis 4,2 % für Griechenland (Abb. 15586).



Die EZB hat in dieser Situation nicht einmal die Inflationsraten der Euroländer zusammenhalten können. Sie lagen seit 1998 jahresdurchschnittlich zwischen 1,7 % für Deutschland und 3,7 % für Griechenland (Abb. 16049).


Im Ergebnis konnte Deutschland seinen Exportüberschuß mit der Eurozone immer weiter steigern. Wurde im Jahr 2000 dorthin noch 1,2-mal so viel exportiert wie importiert, so stieg das Verhältnis bis 2009 auf 1,4 kontinuierlich an (Abb. 16048). Dementsprechend wuchsen die Defizite der anderen Eurozonenländer mit Deutschland. Eine solche Entwicklung kann nur im Zerreißen der Zone oder erheblichen und dauerhaften Ausgleichszahlungen enden. Der Druck im Kessel ist deutlich gestiegen, seit die Finanzmärkte die Zinsen für die stark verschuldeten Eurolä erheblich angehoben haben.



Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1901 12-02-10: Die deutsche Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2009: Was wäre, wenn der Import, wie der Export gestiegen wäre?

(bitte auch Startseite besuchen)

Im 4. Quartal stieg der Export nominal um 5,1 %. Dagegen sank der Import um 1,8 % als Folge der schlechten deutschen Binnenkonjunktur. Im Ergebnis stieg der Außenbeitrag (Export minus Import) von 26,3 Mrd Euro auf 42,8 Mrd Euro. Gemessen am BIP im 3. Quartal war das ein Wachstumsbeitrag von 2,7 %. Wäre nun der Import genauso wie der Export gestiegen, so hätte der Wachstumsbeitrag des Außenbeitrags nur bei 0,2 % gelegen. Allein durch die krisenbedingte negative Entwicklung des deutschen Imports ist also die Entwicklung der Gesamtwirtschaftsleistung um 2,5 % besser ausgefallen. Bei gleicher Entwicklung von Export und Import wäre es zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,5 % gekommen.

Es ist eine verkehrte Welt, wo ein Rückgang des Imports das Gesamtergebnis verbessert (Abb. 14882). Wenn die Deutschen durch weniger Konsum, in diesem Fall importierter Güter, ihre Wirtschaftsleistung steigern, ist etwas grundsätzlich faul.



Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1900 11-02-10: Von wegen Aufschwung: Die deutsche Wirtschaft bleibt tief im Krisental

(bitte auch Startseite besuchen)

Es war eigentlich abzusehen: Die deutsche Wirtschaft kommt nicht so schnell aus dem Krisental, wie von Regierung und Medien immer wieder beschworen. Die Wirtschaftsleistung lag saisonbereinigt im 4. Quartal 2009 um 5,6 % unter der des ersten Quartals 2008, des letzten Vorkrisenquartals und nahm gegenüber dem 3. Quartal 2009 nicht mehr zu (Abb. 14744, 14003).



Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts kamen positive Impulse im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) lediglich vom Außenhandel: Während die Exporte wieder zulegten, waren die Importe rückläufig. Die Konsumausgaben und die Investitionen gingen zurück und bremsten so das Wirtschaftswachstum. Das heißt aber auch, daß ohne die rückläufigen Importe die Wirtschaftsentwicklung bei einem geringeren Außenbeitrag negativ und nicht stagnierend gewesen wäre oder anders ausgedrückt: selbst die Stagnation ist noch einer negativen Entwicklung zu verdanken.

Dagegen ist die französische Wirtschaftsleistung im 4. Quartal gegenüber dem 3. Quartal 2009 um 0,6 % gestiegen, angetrieben von einem Anstieg der privaten Konsumausgaben um 0,9 %. Das amerikanische BIP wuchs um 2,5 %, das britische um 0,1 %.

Die deutsche gewerbliche Wirtschaft hatte im Dezember 4,5 % weniger Beschäftigte als im Vorjahresdezember, wobei die Lohn- und Gehaltssumme inflationsbereinigt um 8,7 % tiefer lag (Abb. 04009). Damit setzte sich der Trend in der fallenden Lohn- und Gehaltssumme fort (Abb. 14712). Sie lag im Dezember 2009 bereits um 12 % unter dem Vorkrisendezember 2007.



Die Steuereinnahmen sind im Januar um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. Der Rückgang war damit dreimal so stark wie vom Arbeitskreis Steuerschätzung für das Gesamtjahr veranschlagt. Besonders heftig war der Einnahmerückgang beim Bund, dem 11,7 Prozent der Vorjahreseinnahmen fehlten. "Das Minus ist überraschend groß", sagte die Steuerschätzerin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Kristina van Deuverden. Die nächste Steuerschätzung steht Anfang Mai an. Experten erwarten, dass wegen der beschlossenen Steuersenkungen die Prognose abermals gesenkt wird.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1899 11-02-10: Warum der deutsche Steuerzahler an die griechische Kasse muß

(bitte auch Startseite besuchen)

Die Gründe für das griechische Fiasko sind ausreichend klar. Eine durch Lohnsteigerungen im Vergleich zu Deutschland seit Jahren rückläufige Wettbewerbsfähigkeit (ca. 12,5 %, Abb. 16046), die nicht mehr durch Wechselkursänderungen ausgeglichen werden kann, und andererseits ein total korruptes Steuersystem, das den Staat um die notwendigen Einnahmen bringt, besonders bei den Reichen des Landes. Es gibt Steuerbeamte, die wenn Reiche wirklich mal als Steuersünder auffallen, eine Zahlung im Briefumschlag fordern, um alle Nachforschungen dann einzustellen. Der Finanzminister will diese korrupten Bande durch mehr elektronische Systeme brechen und fleht die säumigen Steuerzahler an:


"Ich rufe alle Griechen auf, ihren Beitrag zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung zu leisten. Es kann nicht sein, dass ein Bürger eine Yacht besitzt, seine Kinder in Privatschulen schickt und 10.000 Euro Einkommen meldet."

Wer Englisch versteht, sollte unbedingt den Bericht der BBC über die Steuerkorruption unter der Schlagzeile "No tax please, we're Greek" lesen. Nicht so klar ist, warum gerade Deutschland (diesmal neben Frankreich) wieder zum Zahlmeister werden muß, zumal gerade Deutschland auf die Klausel des Eurovertrags gedrungen hatte, die finanzielle Beistandspflichten ausschließt. Man muß sich erinnern, daß die Bundesregierung Griechenland mit in den Euro durchgewinkt hat, obwohl die Steuerkorruption bekannt war und obwohl Griechenland eine traurige Geschichte von Permanentbankrott hatte (zwischen 1800 bis nach dem Zweiten Weltkrieg war das Land praktisch permanent bankrott). Man muß aber auch wissen, daß die Bundesregierung in der Aufsicht über die Griechenland großzügig Kredit einräumenden deutschen Banken wieder einmal total versagt hat. Hier sind einige Hinweise aus der heutigen Financial Times:

Deutsche Banken haben etwa 32 Mrd Euro Forderungen an Griechenland. Zu allem Überfluß wird mit 14,5 Mrd Euro fast die Hälfte davon als Sicherheiten für die Ausgabe deutscher Pfandbriefe, die als mündelsicher oder topsicher gelten, gehalten. Wieder geht es, wie schon bei der inzwischen verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE), um die Rettung des deutschen Pfandbriefmarktes. Die HRE allein hält 3,7 Mrd Euro an griechischen Staatspapieren, mehr als 6 % ihrer Pfandbriefdeckung.

Auch die EZB hängt nach Aufkauf griechischer Bonds von griechischen Banken schwer im Risiko. Die griechischen Banken haben im Verhältnis zu ihrem Eigenkapital bei Weitem am meisten Hilfe der EZB bekommen (Abb. 16045).


Eine Rettung der griechischen Banken kommt vor allem Frankreich zu Gute, denn die Credit Agricole und die Societe Generale haben große griechische Banken gekauft.


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1898 11-02-10: Deutschland schläft schlecht

(bitte auch Startseite besuchen)

Der jetzt veröffentlichte Gesundheitsreport 2010 der Krankenkasse DAK hat eine Sonderuntersuchung zu den Schlafstörungen vorgelegt. Dabei wurden 3.000 Mitglieder eingehend befragt. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Fast die Hälfte leiden gelegentlich oder sogar häufiger unter Schlafstörungen (Abb. 14876), die Frauen erheblich stärker als die Männer, in der Altersgruppe 55 bis 65 Jahre fast ein Drittel aller Frauen und ein Fünftel aller Männer unter häufigen Schlafstörungen (Abb. 14877).



Bei der Art der Schlafstörungen kommt es vor allem zu wiederholtem nächtlichem Aufwachen und längerem Wachliegen (Abb. 14878). Mehr als 37 % berichten über in jeder Woche auftretende Schlafstörungen, fast ein fünftel dreimal oder häufiger pro Woche (Abb. 14879).



Der häufigsten Störfaktoren sind besonderer Streß und Belastungen, sowie Grübeln, Sorgen und Ängste (Abb. 14880). Diese Faktoren hängen oft mit beruflichen Belastungen und Sorgen zusammen.


Die Studie zitiert einen Befund der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM):

"In einer deutschlandweiten Studie wurde kürzlich gezeigt, dass insbesondere existenzielle Sorgen am Arbeitsplatz die Häufigkeit von Insomnien erhöht. So leiden vermehrt Selbstständige unter Insomnien, aber auch drohender Arbeitsplatzverlust und Arbeitslosigkeit stellen einen hohen Risikofaktor dar. Berufliche Konfliktsituationen mit Vorgesetzen und Kollegen (Mobbing) sind vor allem in wirt-schaftlich schwachen Zeiten vermehrt zu beobachten. Psychischer Stress am Arbeitsplatz ist ein wichtiger Faktor bei der Genese von Insomnien, der den Einfluss von physischem Stress bei weitem überwiegt".

Es zeigt sich eindrücklich, wie "besonderer Stress und Belastungen sowie Grübeln, Sorgen, Ängste" bei den Befragten mit einer psychischen Erkrankung eine größere Rolle spielen (Abb. 14881). Sie sind jedoch auch für die Personen ohne psychische Erkrankungen mit hochgradigen Schlafproblemen sehr wichtige Einflussfaktoren. Letztere messen dagegen einem anderen Rhythmus sowie Schmerzen und anderen körperlichen Unannehmlichkeiten (z.B. Schwitzen) eine deutlich größere Bedeutung bei. Nicht erholsamer Schlaf ist eines der häufigsten Begleitsymptome von Depressionen und Angststörungen. Nicht beantwortet werden kann anhand der Befragungsdaten, ob es sich bei den Schlafstörungen um ein Symptom dieser psychischen Erkrankungen handelt oder ob die psychische Erkrankung ggf. als Folge der Schlafstörung aufgetreten ist. Studien belegen zunehmend, dass chronische Insomnien ein deutlich höheres Risiko tragen, in eine Depression überzugehen. Auch die Depressionen nehmen seit Jahren deutlich zu.


Die Studie untersucht auch den Schlafmittelkonsum und zitiert Prof. Dr. G. Glaeske, Bremen:

"Betrachtet man nur die Schlafmittel, so dürften etwa 400 Tsd. Menschen von solchen Mitteln abhängig sein, betrachtet man die gesamte Gruppe der Benzodiazepine und Z-Drugs (auch die Tranquilizer wie z.B. Adumbran (Oxazepam), Tavor (Lorazepam) oder Valium (Diazepam) werden als "Schlafmittel" verordnet), dürften etwa 1,1 bis 1,2 Millionen Menschen von solchen Mitteln abhängig sein, manche schätzen sogar 1,4 bis 1,5 Millionen. Darunter sind es vor allem die älteren Menschen und da vor allem ältere Frauen, die unter einer solcher Schlaf- und Beruhigungsmittelabhängigkeit leiden.""


Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1897 10-02-10: Chinas Export powert, Deutschlands Export-Vorzeigebranche Maschinenbau noch tief im Krisental

(bitte auch Startseite besuchen)

China hat seinen Export im Januar um 21 % gegenüber Vorjahr steigern können. Der chinesische Export ist bereits seit November 09 dramatisch an dem Deutschlands vorbeigezogen (Abb. 15564). Das zeigt, wie stark der chinesische Niedriglohn-gestützte Export selbst in der Krise im Vorteil ist.


Dagegen befindet sich die deutsche Export-Vorzeigebranche Maschinenbau auch nach den Dezemberzahlen noch tief in der Krise. Die Aufträge lagen um 38 % unter dem Wert des letzten Vorkrisendezember 2007, was mit minus 36 % auch für die Auslandsaufträge galt (Abb. 14875). Der Maschinenbauverband erwartet nun für 2010 nur eine Stagnation auf niedrigem Niveau.



Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1896 10-02-10: 7 % mehr Unternehmens-, 12,4 % mehr Verbraucher-Insolvenzen

(bitte auch Startseite besuchen)

Im November 2009 haben die deutschen Amtsgerichte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 6,9% mehr Unternehmensinsolvenzen als im November 2008 gemeldet(Abb. 14602). Die Verbraucherinsolvenzen stiegen um 12,4 % (Abb. 14874).




Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1895 09-02-10: Endspiel: Die Schlacht um den Euro hat begonnen - Spekulanten im Großangriff

(bitte auch Startseite besuchen)

Seit Mitte Januar hat der Euro innerhalb weniger Wochen 5,8 % an Wert gegenüber dem Dollar verloren (Abb. 15590).


Doch nun beginnt die eigentliche Schlacht um den Euro. Devisenhändler und Hedgefonds haben nach Zahlen der Chicago Mercantile Exchange mehr als 40,000 Wetten im Wert von 7,6 Mrd Dollar darauf abgeschlossen, daß der Euro in der Folge der Finanzierungsprobleme einiger Euroländer weiter an Wert gegenüber dem Dollar verliert. In diesem Jahr wird Griechenland noch 50 Mrd Dollar und Spanien noch 77 Mrd Dollar an neuen Anleihen auf den Markt bringen müssen. Doch zu welchen enormen Kosten?

Der durch die Krise weiter hochgejagte Finanzierungsbedarf der Regierungen der Welt wird die Finanzierungsbereitschaft der Anleger in den kommenden Jahren ohnehin schwer testen. Allein die USA und die EU kommen auf Verbindlichkeiten von 135 Billionen Dollar, wenn man die bilanzexternen Positionen, wie Verpflichtungen aus der Sozialversicherung, aus Pensionen oder aus dem Gesundheitssystem, miteinbezieht (Abb. 16042). Das ist etwa viermal der Wert aller in der Welt gehandelten Aktien. Die Versicherungskosten für Staatsanleihen sind bereits stark gestiegen, seit Anfang 2008 bei Griechenland auf das 19-Fache und selbst bei Deutschland auf das 6-Fache (Abb. 16044)



Nun waren die Renditen auf langfristige US Staatsanleihen nie seit 1850 niedriger als heute, abgesehen von der Depression von 1937 und einer kurzen Periode amtlicher Renditenfixierung durch die Fed während des 2. Weltkriegs (Abb. 16043). Sollten sie wieder steigen, so wird es für schwache Regierungen noch schwieriger werden, sich zu refinanzieren.



Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1894 09-02-10: Die Rambo-Methoden der deutschen Exportkonzerne haben Deutschland erheblich geschadet

(bitte auch Startseite besuchen)

Nun wird es jeden Monat amtlich. Die deutsche gewerbliche Wirtschaft kommt nicht richtig aus dem Krisental und jedenfalls nicht auf das Vorkrisenniveau, es sei denn daß noch Wunder passieren. Der Export ist stark eingebrochen. Seit September stagniert die Entwicklung sowohl der Aufträge wie des Umsatzes mit dem Ausland, zuletzt im Dezember 2009 bei minus 28 % bzw. minus 20 % im Vergleich zum letzten Vorkrisendezember 2007 (Abb. 15591). Zwar erholt sich der Export langsam (Abb. 15593), doch bei dieser ungünstigen Autragslage kann es lange dauern und ein erheblicher Teil der Erholung ist nur dem Lagerzyklus nach Erschöpfung der Lager verdankt.



Gleichzeitig wurde - um des Exports willen - die Entwicklung der Arbeitseinkommen und damit der Binnennachfrage seit Jahren gedrosselt. Die 30 größten und börsennotierten Unternehmen haben inzwischen nur noch rund 43 % ihrer Beschäftigung in Deutschland und können dementsprechend ständig glaubwürdig mit Verlagerung drohen (Abb. 14675).


Die Folge ist eine müde Binnenkonjunktur, die das abgestürzte Auslandsgeschäft nicht ausgleichen kann. So entwickeln sich Aufträge und Umsatz mit dem Inland seit Monaten nur noch seit- oder gar abwärts, zuletzt mit minus 26 % bzw. minus 16 % gegenüber Dezember 2007 (Abb. 15992). Nun will auch die IG-Metall in den kommenden Tarifverhandlungen im angeblichen Interesse der Arbeitsplätze mit Lohnforderungen zurückhalten, was der Binnennachfrage weiter schaden wird.


Eine dringend notwendige Umstrukturierung der deutschen Industrie vom lahmenden Export weg zu mehr Binnenabsatz wird so nicht gelingen können. Außerdem werden die deutschen Steuerzahler mit Ausgleichszahlungen an die wegen ihrer Handelsbilanzdefizite bei deutschen Exportkonzernen und Banken stark verschuldeten Euroländer die Zeche für die einseitige Exportstrategie der letzten Jahre zahlen müssen, wenn der Euroverbund gerettet werden soll. Viele Experten halten es inzwischen für ziemlich ausgeschlossen, daß sich z.B. Griechenland noch aus eigener Kraft retten kann. Je länger die Rettungsaktionen hinausgeschoben werden, umso höher wird die längerfristige Belastung der Länder der EU-Südschiene mit immer kostspieligeren Anleihen, von denen allein Griechenland in diesem Jahr etwa 32 Mrd Euro aufnehmen muß, um fällige niedrig verzinste Anleihen zu refinanzieren (für 10-Jahres-Anleihen derzeit rund 7 % gegenüber 3,7 % für deutsche Bundesanleihen).


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1893 08-02-10: Industrieumsatz Dezember 09 minus 17,5 % gegenüber Dezember 07

(bitte auch Startseite besuchen)

Auch der Industrieumsatz entwickelt sich seit Monaten auf der Krisentalsohle nur noch seitwärts: Im Dezember 09 minus 2 % gegenüber November 09 und -17,5 % gegenüber dem Vorkrisendezember 07 (Abb. 04910).


Hier das Gesamtbild von Aufträgen, Produktion und Umsatz im Zweijahresvergleich (Abb. 14564):


Das Statistische Bundesamt vergleicht mit dem Krisenmonat Dezember 2008, der einen weiteren Rückgang um 6,0 % brachte, und tröstet dann, daß der Rückgang im November 2009 gegenüber November 2008 noch bei 9,6 % gelegen hätte. Doch dieser Vergleich täuscht, da der Umsatz im November 2008 mehr als 6 % höher als im Dezember 2008 gelegen hatte und diese angeblich Verkürzung im Minus also ein reiner Basiseffekt ist. Was das StaBuA hier versucht, sind Mätzchen. Warum kann man der Wahrheit nicht in die Augen sehen? Die deutsche gewerbliche Wirtschaft wird, wenn nicht Wunder passieren, das künstlich kreditüberhöhte Vorkrisenniveau wahrscheinlich (inflationsbereinigt) nicht wieder erreichen können.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1892 06-02-10: Britisches Met Office meldet stärkere Erwärmung als bisher von University of East Anglia ermittelt

(bitte auch Startseite besuchen)

An der University of East Anglia (UEA) fand jener EMail-Austausch statt, den Hacker aufgedeckt und der so viel Verdacht auf falsche Berechnungen der Klimaentwicklung geschaffen hatte. Jetzt hat das britische Met Office die Zahl der veröffentlichten Originalmeßdaten von 1.500 auf 3.000 erhöht und auch den Berechnungs-Code öffentlich gemacht. Im Ergebnis zeigt diese Revision der bisherigen Meßergebnisse eine noch um 0,2 Grad stärkere Erwärmung als die, mit denen die UEA gearbeitet hatte (Abb. 07323).


Dazu Prof. Slingo:

"Das Signal der globalen Erwärmung der letzten drei Jahrzehnte ist sehr klar und kann nicht durch natürliche Schwankungen erklärt werden".


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1891 06-02-10: Produktionsindex Dezember 09: 17,5 % unter Dezember 07 - die befürchtete "Badewanne" bildet sich aus

(bitte auch Startseite besuchen)

Erst war die Hoffnung auf eine V-Krise, gepaart mit der Angst vor einem W (also einem zweiten Absturz) oder einer U-förmigen längeren Krise. Jetzt sieht es nach Badewanne aus, mit einer ziemlich langen Talsole. Der heute veröffentlichte Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft im Dezember 09 liegt 2,6 % unter November 09 und 17,5 % unter dem Vorkrisen-Dezember von 2007 (Abb. 04306).


Damit bewegt sich der Index zusammen mit dem Auftragsindex bereits seit Beginn 09 auf der Talsole mit wenig Auf und Ab seitwärts (Abb. 15588) und bildet immer mehr das Bild einer "Badewanne" mit längerem Verweilen auf der Talsole aus. Das gleiche gilt für die Nachfrage privater Haushalte, die sich im Einzelhandelsumsatz zeigt (Abb. 15587).



Außerdem verunsichert zunehmend die schwankende Finanzsituation von Griechenland, Portugal und Spanien die Märkte. Der griechische Finanzminister will jetzt die Korruption in der Steuerverwaltung, unter der die Steuereinnahmen stark leiden, mit elektronischen Mitteln bekämpfen: "Die persönliche Beziehung zwischen dem Steuerbeamten und der zu prüfenden Person zu unterbrechen, ist Schlüssel der Reform". Der deutsche Aktienindex Dax hat seit Beginn des Jahres bereits 9,4 % verloren, in den letzten Tagen vor allem wegen der Unsicherheiten des Euroverbunds (Abb. 15589), wobei der Euro selbst gegenüber dem Dollar seit Mitte Januar bereits 4,6 % an Wert verloren hat (Abb. 15590).




Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1890 05-02-10: Deutschland bei der Einzelhandelsentwicklung in der Alt-EU seit 2005 an drittletzter Stelle und letzter bei den Löhnen

(bitte auch Startseite besuchen)

Die jetzt von Eurostat veröffentlichten Daten zur Einzelhandelsentwicklung seit 2005 zeigen Deutschland an drittletzter Stelle vor Dänemark und Spanien (Abb. 12922).


Es ist das Ergebnis der relativ schlechten Entwicklung der deutschen Arbeitseinkommen, die sich seit dem Jahr 2000 weniger als die aller anderen Alt-EU Länder entwickelt haben (Abb. 15586). Diese deutsche lohndumpende Entwicklung wird immer mehr zur Zerreißprobe für die Eurozone, in der Währungen nicht mehr angepaßt werden können, um wie in der Vor-Euro-Zeit unterschiedliche Kostenentwicklungen auszugleichen. Die oberste Linie zeigt übrigens Griechenland mit einer Steigerung der Löhne und Gehälter um 67 % seit 2000, verglichen mit nominal 20,1 % für Deutschland.



Hier zum Diskussions-Forum.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1889 04-02-10: Industrieaufträge im Dezember minus 27,2 % gegenüber Dezember 2007 vor der Krise

(bitte auch Startseite besuchen)

Die deutschen Industrieaufträge bewegen sich im Krisental seit fünf Monaten nur noch seitwärts. Im Dezember 2009 lagen sie um 2,3 % unter November 2009 und um 27,2 % unter dem letzten Dezember in 2007, bevor die Krise die deutschen Auftragszahlen erreichte (Abb. 04569). In den Worten des Bundeswirtschaftsministeriums:


"Sowohl die Inlands- (-1,4 %) als auch die Auslandsnachfrage (-3,2 %) haben spürbar nachgelassen. Der Nachfragerückgang war breit angelegt und betraf nahezu alle größeren Wirtschaftszweige. Der Aufholprozess aus dem zweiten und dritten Quartal hat spürbar an Dynamik verloren. Diese Entwicklung war gerade im Fahrzeugbau zu erwarten. Die Stimmungsindikatoren, die sich überwiegend weiter freundlich zeigen, stützen das Bild einer sich fortsetzenden Erholung der Industriekonjunktur."

Eigenartig, dieser Abschluß mit absolut unsicheren Stimmungsindikatoren gegen harte Zahlen.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1888 03-02-10: Drängt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Mayer dramatisch auf deutsche Hilfsleistungen an Griechenland, weil die Deutsche Bank drinhängt?

(bitte auch Startseite besuchen)

In dramatischen Worten drängt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Mayer im Interview mit dem Manager-Magazin auf eine Änderung der Haltung der Bundesregierung, die Hilfeleistungen an Griechenland bisher ablehnt:

"Diese Krise hat eine höchst gefährliche Sprengkraft. Denn wenn weder Deutschland und Frankreich eingreifen, noch die Europäische Union insgesamt, und Griechenland deshalb plötzlich mit leeren Händen dastünde, könnte es zu einem unkontrollierten Zahlungsausfall für griechische Staatsanleihen kommen. Dann aber würden die Kurse dieser Staatsanleihen nach unten rasen. Und entsprechend müssten all jene, die Griechenland Geld geliehen haben, den Wert dieser Kredite in den eigenen Büchern der neuen Realität anpassen. Schlimmstenfalls geraten die Kreditgeber Griechenlands dadurch selbst ins Wanken, sodass eine Kette fallender Dominosteine entstünde. Und dann wäre aus der Finanzkrise in einem kleinen europäischen Staat eine große Europa-Krise geworden. Es ist aus meiner Sicht in der Tat sehr fragwürdig, ob die Bundesregierung ihre harte Linie gegenüber Griechenland beibehalten sollte. europäischen Staat eine große Europa-Krise geworden."

Frage: Denkt Mayer auch an die Bücher der Deutschen Bank, die dann den neuen Realitäten anzupassen wären? Deutschlands Banken sind mit etwas mehr als 43 Mrd Euro drittgrößte Gläubiger griechischer Schuldner (hinter französischen und schweizer Banken, Abb. 16039).


Wieviel davon entfällt wohl auf die Deutsche Bank mit einem Eigenkapital von knapp 35 Mrd Euro? Und vor allem: Wieviel der internationalen Bankenforderungen gegen griechische Schuldner von insgesamt 303 Mrd Euro hat die Deutsche Bank durch Credit Default Swaps versichert? Die Kosten für solche Swaps sind von 0.5 % zu Beginn des Jahres 2008 auf extreme 4,3 % Ende Januar 2009 angesprungen und zeigen damit für wie gefährdet der Markt die versicherten Forderungen ansieht (Abb. 16040).


Die Banken haben bekanntlich von der EZB billigsten Kredit aufgenommen und damit höher verzinste Staatsanleihen gekauft, gerade auch aus Griechenland, die sie bei der EZB als Sicherheit für den Kredit stellen konnten. Außerdem wurden Staatsanleihen in der Eurozone von der Bankenaufsicht als sicher behandelt und kaum auf das Eigenkapital der Banken angerechnet, so daß die Anlagespielräume der Banken nicht vermindert wurden.

Unter Einbeziehung von Spanien und Portugal liegt das Gesamtvolumen der internationalen Bankenforderungen bei 1,7 Billionen Euro (rund 80 % der gesamten jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung), wovon 331 Mrd Euro oder 19 % auf deutsche Banken als die größten Gläubiger entfallen (Abb. 16041).


Wahrscheinlich hat die Bundesregierung diese Daten bereits. Jedenfalls könnte der Euro Deutschland teuer zu stehen kommen.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1887 03-02-10: Quo vadis China?

(bitte auch Startseite besuchen)

Die derzeitige Krise des westlichen Privatkapitalismus scheint das Selbstbewußtsein der Führer des chinesischen Staatskapitalismus in die Höhe zu treiben. Entsprechend verhält sich China in den Weltklima-Verhandlungen (siehe Kopenhagen), in der Währungspolitik mit der Ablehnung jeder Aufwertung gegenüber dem Dollar trotz riesiger Bilanzüberschüsse mit den USA, in den Cyberattacken auf Google und andere und jetzt auch mit der Drohung von WTO-widrigen Sanktionen gegen Boeing und andere amerikanische Unternehmen wegen Waffenlieferungen an Taiwan, die bisher immer ohne solche Androhungen hingenommen wurden. Es scheint fast so, als wolle China einen Handelskrieg mit den USA in Kauf nehmen. Selbst die sonst immer china-freundliche Financial Times meint heute im Kommentar, China überspiele seine Hand.

China exportierte auch im vergangenen Jahr 4,4-mal so viel in die USA, wie es von dort importierte, und das obwohl inzwischen in USA jeweils einer von fünf Männern zwischen 25 und 55 Jahren ohne Job ist (Abb. 05225). Die OECD erwartet in einem neuen Bericht, daß China in fünf bis sieben Jahren die USA als größter Produzent von Industriegütern überholen werde (Abb. 05226) und verbindet das mit der dringenden Empfehlung höherer chinesischer Ausgaben in Bildung, Sozialwesen, Gesundheit und Altersversorgung. So könne die hohe Sparrate gesenkt und der heimische Verbrauch angekurbelt werden, was Ungleichgewichte im Außenhandel ausgleichen würde. Auch tritt die OECD für eine größere Flexibilität des Wechselkurses ein.



In der Tat haben die chinesischen privaten Haushalte in der Periode 2003 - 2007 nicht weniger als 20 % des BIP gespart, statt mehr im Binnenverbrauch auszugeben, verglichen mit 6,7 % im ungewichteten Durchschnitt der OECD-Länder (Abb. 05227). Die Sparrate der Haushalte ist seit 1993 bis 2007 auf fast 38 % immer weiter nach oben geklettert (Abb. 05228).



Der Grund für dieses extreme Sparverhalten liegt im Fehlen eines angemessenen Gesundheits- und Sozialsystems und der erheblichen privaten Schulkosten. Die Bremse im Binnenverbrauch hat den Export hochgetrieben und zur eigentlichen Triebkraft der starken chinesischen Wirtschaftsentwicklung gemacht. Das allerdings ist zu Lasten der Arbeitsmärkte vieler Abnehmerländer chinesischer Waren gegangen.

Auch die erheblich gewachsene Ungleichheit der Einkommen treibt die Sparquote hoch, weil ärmere Bevölkerungsschichten entsprechend mehr für Krankheiten, Alter und Schulbildung ansparen müssen (Abb. 05229).


Dank des durch niedrige Löhne, manipulierten Wechselkurs, laxe Umweltregeln und Staatssubventionen hochgetriebenen Exports konnte China seine städtische Arbeitslosenrate seit 2005 von 8,1 % auf 5,7 % herunterholen und 16,5 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen (Abb. 05230).


Nimmt man alles zusammen, so wird ein Handelskrieg mit China immer wahrscheinlicher. China dürfte allerdings mehr von seinen Abnehmerländern abhängig sein als umgekehrt und daher am Ende einlenken.


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


global news 1886 02-02-10: PKW-Zulassungen im Januar: Und nun das schwarze Loch

(bitte auch Startseite besuchen)

Die PKW-Zulassungen erreichten im Januar 2010 nur noch knapp 63 % des Monats-Durchschnitts von 2006. Sie liegen um 4 % unter dem bereits sehr schlechten Vorjahresdezember vor der Abwrackprämie (dt.Marken inkl.Konzernmarken minus 5 %) und befinden sich praktisch seit August 2009 im freien Fall (Abb. 14061).


Dies und die negative Tendenz im Einzelhandel werden der deutschen Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt in diesem Jahr schwer zu schaffen machen


Artikel per Mail weiterempfehlen oder hier (bei Internetexplorer).


Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.