Reihe 66 ab 04-12-09 ... ...

(1885) Deutscher Einzelhandelsumsatz im Rückgang

(1884) Nachtrag zu den Niedrigsteuern auf der Südschiene: Die Eurozone kann dauerhaft nur gerettet werden, wenn Deutschland seinen Lohndumping-Feldzug einstellt

(1883) Wenn Griechenland, Portugal und Spanien Steuern wie in Deutschland erheben würden, hätten sie kein Finanzierungsproblem

(1882) Jahreswirtschaftsbericht: Wirtschaftswahnsinn - Wachstum durch weniger Verbrauch

(1881) Höchster Langzeitarbeitslosenanteil für Deutschland

(1880) Großhandelsumsatz - 8,1 %, Langzeitarbeitslosigkeit (über ein Jahr) 3.5 %

(1879) Arbeitsmarkt im Januar 2010: Immer mehr Unterbeschäftigung in Deutschland (einschließlich Kurzarbeit schon bei 14 %)

(1878) Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt weltweit fast 850 Millionen Arbeitnehmer mit weniger als 1,25 Dollar/Tag

(1877) Schon fast zwei Drittel des amerikanischen Börsenhandels per Autopilot

(1876) Klimapflege mit Ifo

(1875) Bauaufträge 12,1 % unter Durchschnitt 2007, erneuter Einbruch beim GfK-Konsumklima-Index

(1874) Warum die Krise noch mindestens drei bis vier Jahre dauern wird

(1873) Gesellschaftsstukturen im globalen Eisschrank

(1872) Deutschland bei der Armutsgefährdung unter den Fußkranken in W-Europa

(1871) Die Welt in 40 Jahren: Deutschland unter "ferner liefen"?

(1870) ZEW-Konjunkturerwartungen fallen wieder - Bundesregierung sieht für 2010 Zuwachs der Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 8,2 % bei Sinken der Arbeitnehmerentgelte um 0,2 %

(1869) Bankenkrise in Deutschland unter den europäischen Ländern am stärksten

(1868) Auch im November schlechte Zahlen aus der gewerblichen Wirtschaft: Beschäftigungs- und Entgelt-Rückgang hält unvermindert an

(1867) Neue UNICEF 21-Länder Studie: Anteil benachteiligter Kinder in Deutschland mit am höchsten

(1866) Deutschlands verlorenes Jahrzehnt: Auf dem Weg nach Japan?

(1865) Die Rache der falschen Wirtschaftspolitik: 2009 beendete mit minus 5 % BIP ein miserables Jahrzehnt

(1864) Maschinenbauaufträge im Oktober 38 % unter Stand vor zwei Jahren, 16 % mehr Insolvenzen in Deutschland

(1863) Die deutsche Wirtschaft steckt noch fest in der Krise: Umsatz 18,4 % unter Januar 2008

(1862) Krisengewinnler und Exportriese China

(1861) Wenn das angebliche Krisenende nur eine statistische Täuschung ist

(1860) Produktion der gewerblichen Wirtschaft 16,4 % unter Januar 2008

(1859) Auch der deutsche Export kommt nur mit einem statistischen Trick aus dem Keller

(1858) Die Auftragseingänge kommen nicht aus dem Krisenkeller

(1857) Bundesregierung und Wirtschaftsinstitute schwören auf die Binnennachfrage als Konjunkturstütze, doch der Einzelhandel sinkt und sinkt

(1856) Der Arbeitsmarkt im Dezember: Immer mehr Unterbeschäftigung

(1855) Die fetten Jahre der Unternehmens- und Vermögenseinkommen

(1854) Der neue Klassenkampf von oben: Globale Plutokraten gegen den Rest der Welt

(1853) Wie die Welt in weiteren zehn Jahren wohl aussehen wird

(1852) Hält der Euro in 2010 zusammen?

(1851) Immer mehr Haushaltslöcher, immer mehr Kreditaufnahme, immer mehr öffentliche Schulden

(1850) 2009: Das Jahr in dem sehr viel Vertrauen in das System verloren ging




global news 1885 02-02-10: Deutscher Einzelhandelsumsatz im Rückgang

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Nach heutiger Meldung des Statistischen Bundesamtes lag der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im Jahr 2009 real um 1,8% niedriger als 2008. Im Dezember 2009 erzielte der Einzelhandel real 2,5% weniger Umsatz als im Dezember 2008 (Abb. 04943). Gegenüber dem Vorkrisendezember 2006 betrug der Rückgang bereits 5,4 %.



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global news 1884 02-02-10: Nachtrag zu den Niedrigsteuern auf der Südschiene: Die Eurozone kann dauerhaft nur gerettet werden, wenn Deutschland seinen Lohndumping-Feldzug einstellt

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Im letzten Rundbrief habe ich auf die besonders niedrigen Steuern auf der EU-Südschiene hingewiesen, vor allem im Vergleich zu denen der deutschen Steuerzahlern, die jetzt evtl. miteinspringen sollen. Hinzu kommt ein hohes Maß an Korruption, worauf selbst der griechische Ministerpräsident hingewiesen hat. Nur etwa 3000 Griechen sollen der Steuer gegenüber Einkommen von mehr als 100.000 Euro erklären. So steuern die meisten griechischen Reeder ihre Flotten aus dem steuerfernen London ohne Einkommenssteuer zu entrichten. Natürlich kann der Euroverbund nicht allein gerettet werden, indem auf der Südschiene nun plötzlich die Steuern erhöht werden.

Was jetzt Not tut, ist daß Deutschland seinen Binnenkonsum hochfährt und den exportbedingten Lohndumpingfeldzug gegen die Europartner, die nicht mehr abwerten können, einstellt. Griechenland, Portugal, Spanien und Italien haben in den letzten Jahren bis 2007, dem Ausbruch der Krise, weit höhere Steigerungen der Löhne und Gehälter (Abb. 15585) und dementsprechend des privaten Verbrauchs (Abb. 15584) und des Einzelhandelsumsatzes (Abb. 15583) gehabt.




Das und die Unmöglichkeit von Währungsanpassungen im Euroverbund hat Deutschland erlaubt, immer höher Handelsbilanz-Überschüsse gegenüber der Südschiene zu erzielen. Sie stiegen zwischen 2000 und 2007 auf das Doppelte bis Fünfache (Abb. 15582). Von 2000 bis 2007 waren es zusammen 315 Mrd Euro.


Die Bilanzdefizite auf der Südschiene sind aber nichts anderes als wachsende Verschuldung, soweit sie nicht in den Sommermonaten durch Tourismuseinnahmen teilweise ausgeglichen wurden. Wenn die deutsche Exportindustrie den Dumpingfeldzug mit Lohndrosselung zu Hause nicht einstellt, wird die Eurozone längerfristig nicht zu retten sein, oder nur mit immer neuen deutschen Ausgleichszahlungen. Darauf haben Kritiker des Euro, auch Helmut Schmidt und auch diese Webseite, schon seit Langem hingewiesen. Wenn der deutsche Jahreswirtschaftsbericht für 2010 eine weitere Absenkung der Löhne und Gehälter um 0,2 % erwartet (bei Anstieg der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um 7,7 %), so ist das nur ein weiterer Sargnagel auf die Eurozone.


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global news 1883 31-01-10: Wenn Griechenland, Portugal und Spanien Steuern wie in Deutschland erheben würden, hätten sie kein Finanzierungsproblem

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Man muß sich nur einmal ansehen, wie das Steueraufkommen in den drei Ländern auf der EU-Südschiene mit Finanzierungsproblemen im Vergleich zu Deutschland aussieht. Die Steuer- und Abgabenquote ist erheblich niedriger, bei Griechenland 32,1 % zu 39,5 % gemessen am BIP. Auch die Unternehmensteuersätze sind meist niedriger, bei Griechenland 25,0 % zu 29,5 % (Abb. 15580).


Noch größer sind die Unterschiede bei der Lohnsteuer, im Fall von Griechenland 38,3 % zu 48,2 % als Anteil am Gesamtsteueraufkommen. Besonders deutlich wird der Unterschied zu Deutschland bei der Besteuerung einer Einzelperson mit Lohnsteuer und Sozialabgaben, im Fall von Griechenland 20,4 % zu 35,8 % gemessen am Arbeitseinkommen, bei Spanien sind es sogar nur 15,7 % und damit weit weniger als halb so hoch verglichen mit Deutschland. Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer liegt für Griechenland bei 33,6 % gegenüber 47,5 % für Deutschland (Abb. 15581).


Unter diesen Umständen ist es umso unerträglicher, falls der deutsche Steuerzahler mit einer weit höheren Steuerlast nun dafür einstehen sollte, daß z.B. Griechenland ein Niedrigststeuersystem betreibt.


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global news 1882 31-01-10: Jahreswirtschaftsbericht: Wirtschaftswahnsinn - Wachstum durch weniger Verbrauch

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Es ist für einen normalen Menschenverstand schier unerträglich. Die deutsche Wirtschaftspolitik beruht seit vielen Jahren auf Lohnverzicht, einer dementsprechend miserablen Binnenkonjunktur und somit nur auf dem lohndumping-angetriebenen Export. Das hat sich schon in der Vergangenheit nicht ausgezahlt und in der Exportkrise noch weniger. Aber an genau der Stelle will die Bundesregierung laut neuestem Jahreswirtschaftsbericht im total einseitigen Interesse der Exportkonzerne weitermachen. So kann man Deutschland nur weiter in den Keller wirtschaften.

Unter den großen westlichen Wirtschaftsnationen (G7) hat sich Deutschlands Wirtschaftsleistung seit 2000 zusammen mit Italien und Japan am Schlechtesten entwickelt (Abb. 13719). Im Durchschnitt der 9 Jahre waren es gerade einmal 0,5 %, verglichen z.B. mit 1,8 % für die USA, 1,6 % für Großbritannien und 1,3 % für Frankreich. Bis auf Italien haben sich auch alle anderen Alt-EU-Länder im durchschnittlichen Wirtschaftswachstum der Jahre 2000 bis 2009 besser als Deutschland entwickelt (Abb. 13409).



Die beiden Hauptdefizitländer USA und Großbritannien haben sich jedenfalls längerfristig weit besser entwickelt als die Überschußländer Deutschland und Japan. USA und Großbritannien hatten außerdem im 4. Quartal 2009 Zuwachsraten gegenüber dem Vorquartal, bei USA sogar 1,4 % (auf das Jahr gerechnet 5,7 %), während der noch nicht veröffentlichte deutsche Wert für das 4. Quartal wahrscheinlich negativ war. Das eigentlich hätte schon eine Lehre sein müssen, die Binnenkonjunktur nicht länger mit Lohnverzichten zugunsten eines export-fetischistischen Lohndumpings schleifen zu lassen.

Doch nach dem Jahreswirtschaftsbericht erwartet die Bundesregierung auch für 2010 einen erneuten Rückgang der Löhne und Gehälter um 0,3 % bei einem starken Anstieg der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um 7,7 % und dementsprechend einen Rückgang der Nachfrage privater Haushalte um 0,5 % (Abb. 14872). Und natürlich fordert der Bundeswirtschaftsminister in seiner Presseerklärung dazu auf, eine "maßvolle und flexible Lohnpolitik" fortzusetzen.


Wenn die Bundesregierung dennoch ein Wirtschaftswachstum von 1,4 % prognostiziert, so muß man sich fragen, wo das dann eigentlich herkommen soll. Und natürlich wird wieder auf den Export gesetzt. Der soll nämlich um 5,1 % steigen. Wenn allerdings die Importe um den gleichen Prozentsatz zunehmen würden, so würde sich der Außenbeitrag kaum erhöhen und wäre für das Wachstum nichts gewonnen. Doch die Bundesregierung setzt nicht nur auf weniger Nachfrage der privaten deutschen Haushalte, sondern auch auf weniger Importanstieg von nur 3,4 % und so bringt allein dieser Effekt weit mehr als die Hälfte (57 %) des erwarteten Wirtschaftswachstums (Abb. 14873). Im Klartext: Wir sollen wachsen, weil wir weniger verbrauchen und damit weniger importieren.


Was für ein Wahnsinn, zumal sich hier die grundfalsche deutsche Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre nur fortsetzt! So sollen die deutschen Arbeitnehmer mit ihrem Lohnverzicht nicht nur die Überschüsse weiter erwirtschaften, die dann auf Kredit an die Defizitländer gegeben werden, sondern am Ende im Ernstfall auch noch mit ihren Steuern Defizitländer wie Griechenland aus der selbstgemachten Krise holen. Und deutsche Banken müssen um Kredite an die Defizitländer bangen, und auch deshalb muß evtl. der deutsche Steuerzahler einspringen.

Zu den Gefahren einer einseitig auf Export setzenden Politik hat sich jetzt auch IWF-Chef Strauss-Kahn kritisch geäußert:

"Zu viele der führenden Weltwirtschaften betrügen sich selbst im Glauben, Auslandsnachfrage werde sie aus der globalen Rezession holen. Zu viele Länder verlassen sich auf Export als Triebfeder der Expansion. Wir werden den Ländern (die ihre Prognosen für die nächsten drei bis fünf Jahre bei uns eingereicht haben) zeigen, daß ihre Hypothesen nicht zusammenpassen. Exporte von einer Region in eine andere müssen auf der anderen Seite den Importen entsprechen. Und das ist nicht der Fall. Daher wird das Wachstum schwächer sein, als nationale Regierungen erwarten."


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global news 1881 30-01-10: Höchster Langzeitarbeitslosenanteil für Deutschland

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Deutschland hatte im 3. Quartal 2009 mit 45.7 den höchsten Langzeitarbeitslosenanteil an allen Arbeitslosen der Vergleichsländer in der Alt-EU (Abb. 14703).


Auch im Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen aktiv Erwerbstätigen rangierte Deutschland nur im unteren Mittelfeld (Abb. 04022).



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global news 1880 29-01-10: Großhandelsumsatz - 8,1 %, Langzeitarbeitslosigkeit (über ein Jahr) 3.5 %

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Das StaBuA meldet heute einen Rückgang des Großhandelsumsatzes in 2009 um 8,2 %. Im Dezember 2009 lag er um 8,1 % unter dem Vorjahreswert (Abb. 04626).


Die Langzeitarbeitslosigkeit lag im jetzt von Eurostat veröffentlichten 3. Quartal 2009 bei 3,5 % der Erwerbsbevölkerung und damit auf dem fünfthöchsten Platz aller Vergleichsländer (Abb. 12999). Die Langzeitarbeitslosigkeit (in Deutschland 46 % aller Arbeitslosen) ist weit belastender als die vorübergehende normale Arbeitslosigkeit, bei der Deutschland wegen der Kurzarbeitsunterstützung besser aussieht (Abb. 04068).




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global news 1879 28-01-10: Arbeitsmarkt im Januar 2010: Immer mehr Unterbeschäftigung in Deutschland (einschließlich Kurzarbeit schon bei 14 %)

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Seit Februar letzten Jahres nimmt die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich zu, wobei allerdings die von Dritten betreuten Jobsuchenden von der Bundesagentur irreführend nicht mehr als Arbeitslose erfaßt werden, was die Statistik entwertet (Abb. 04772). Die durch Dritte betreuten Arbeitslosen wurden einfach in die "Unterbeschäftigung" verschoben, die nach Schätzung der Agentur im Vergleich zum Vorjahr (ohne Kurzarbeit) um 305.000 oder 6,8 Prozent gestiegen ist. Die Unterbeschäftigungsquote lag bei 11,2 %. Einschließlich der Kurzarbeit dürfte die Quote bei rund 14 % gelegen haben.


Die amtlich ausgewiesene unbereinigten Zahl der Arbeitslosen lag im Januar bei 3,6 Millionen, die ehrlichere der "Unterbeschäftigten" bei 4,8 Millionen, eine Differenz von 1,2 Millionen (Abb. 14726).


Diese Struktureffekte zeigen sich auch im Auseinanderklaffen der Zahl der Arbeitslosen und der 6 Millionen Arbeitslosengengeldempfänger, von denen nur 57.4 % als arbeitslos registriert werden (Abb. 04980). Zwischen August 2006 und Januar 2009 ist der Anteil der arbeitslos Registrierten an allen Empfängern von Arbeitslosenhilfe von seinerzeit 67,3 % immer weiter gefallen. Immer mehr Arbeitslose befinden sich in Warteschleifen außerhalb der Statistik, wie oft nutzlosen Weiterbildungs- und Trainingsprogrammen, in niedrigst bezahlter Arbeit von 1 Euro und etwas mehr oder sind statistisch durch vielerlei Manipulationen schlicht ausgemerzt worden. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.


Eine ausführlichere Analyse finden Sie im neuen Schwerpunkt.


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global news 1878 27-01-10: Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt weltweit fast 850 Millionen Arbeitnehmer mit weniger als 1,25 Dollar/Tag

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Nach dem heutigen Bericht der Weltarbeitsorganisation soll die Zahl der Armen in Arbeit mit weniger als 1,25 Dollar/Tag von 633 Millionen 2008 in 2009 um 215 Millionen gestiegen sein (Abb. 15579). Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt soll auf 212 Millionen (oberen Schätzgröße über 220 Millionen) gestiegen sein (Abb. 15578).



Im laufenden Jahr soll die Arbeitslosigkeit hoch bleiben. In den entwickelten Volkswirtschaften sollen weitere 3 Millionen Arbeitslose hinzukommen.


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global news 1877 27-01-10: Schon fast zwei Drittel des amerikanischen Börsenhandels per Autopilot

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Der Anteil des Hochgeschwindigkeitshandels per Computerprogramm an amerikanischen Börsen ist über die letzten vier Jahre von 21 % auf 61 % hochgesprungen (Abb. 16038).


Jetzt werden die Alarmglocken geläutet, weil die Geschwindigkeit und damit das Volumen an Ordern das gesamte System überfordern kann und weil niemand weiß, wie die Risikobegrenzung der von den Händlern eingesetzten Computersysteme kontrolliert wird. Im vergangenen Jahr fiel bereits die Londoner Börse unter dem Ansturm computergestützter Order für drei Stunden aus.

Das eigentliche Problem ist jedoch, daß nur institutionelle Anleger mit solchen Blitzsystemen handeln, die jede kleine Kursdifferenz ausnützen können. Da die Börse ein Nullsummenspiel ist und den Gewinnern immer Verlierer gegenüberstehen, zahlen wahrscheinlich die kleinen Anleger ohne solche Programme am Ende die Zeche.


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global news 1876 26-01-10: Klimapflege mit Ifo

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Ifo macht wieder auf Optimismus. Sowohl die Einschätzung der eigenen Lage der Unternehmen (Abb. 04731), wie das Geschäftsklima insgesamt (Abb. 14051) sollen besser geworden sein.



Dazu Ifo unter der Überschrift "Geschäftsklima weiter aufgehellt":

"Das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands hat sich im Januar erneut verbessert. Die gegenwärtige Geschäftslage der Unternehmen hat sich weiter entspannt. Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr sind die befragten Firmen zuversichtlicher als bislang. Die wirtschaftliche Erholung setzt sich zu Beginn des neuen Jahres fort."

Eigenartigerweise zeigen sowohl die Daten der Gesellschaft für Konsumforschung von gestern, wie die der Finanzanalysten in die Gegenrichtung. Auch der Dax Index der Aktienkurse ist in den letzten Tagen um fast 8 % gefallen. Und schaut man sich die Einschätzung der Wirtschaftssituation bei ifo näher an, so liegt sie immerhin noch tiefer als seit sechs Jahren nicht mehr.


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global news 1875 25-01-10: Bauaufträge 12,1 % unter Durchschnitt 2007, erneuter Einbruch beim GfK-Konsumklima-Index

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Die Bauaufträge lagen im November 2009 nach heutiger Meldung des Statistischen Bundesamts bereits um 12,1 % unter dem Durchschnitt von 2007 (Abb. 14605). Das Amt vergleicht allerdings mit dem bereits stark gedrückten Wert vom November 2008 und macht ziemlich irreführend mit der Schlagzeile auf "Aufträge im Bauhauptgewerbe im November 2009: real + 0,5% zum Vorjahr". Doch der Trend zeigt nur nach unten.


Auch die Gesellschaft für Konsumforschung meldet heute eine Umfrage, die ebenfalls zeigt, daß von einem Krisenende noch nicht die Rede sein kann:

"Konsumklima - verhaltener Start ins neue Jahr Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie für Januar 2010 - Die leichte Abkühlung des Konsumklimas wird sich im Februar fortsetzen. Die Konjunkturerwartung entwickelt sich stabil."

Auch diese eigentlich negative Meldung ist noch geschönt. Denn der Trend des Konsumklimas ist bereits seit Oktober 2009 nun schon zum vierten Mal wieder nach unten gerichtet (Abb. 04711). Auch ist die Konjunkturerwartung keineswegs stabil, sondern verharrt auf einem niedrigen Niveau (Abb. 04917).




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global news 1874 25-01-10: Warum die Krise noch mindestens drei bis vier Jahre dauern wird

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Die derzeitige weltweite Krise kann erst zum Ende kommen, wenn die Verbraucher ihre Nachfrage nach einheimischen und Importgütern wieder erheblich über die Verbraucherpreisinflation hinaus steigern und wenn die Volkswirtschaften wesentlich mehr als 1,5 % Wachstum verzeichnen, so daß wieder neue Arbeitsplätze entstehen. In den meisten größeren Volkswirtschaften sieht es allerdings mittelfristig nicht nach einer solchen Entwicklung aus.

Vor allem die größte Volkswirtschaft der Welt, die der USA, schlägt sich mit einem gewaltigen Verschuldungsproblem herum, kombiniert mit hoher Arbeitslosigkeit und einer enormen Unterauslastung der Unternehmen, wie gerade wieder John Mauldin in seinem Wochenbrief analysiert hat. Bei einer Gesamtverschuldung von 370 % der jährlichen Wirtschaftsleistung (Abb. 05219) verschwindet auch die gewaltige zusätzliche Liquidität der Fed mit ihrem Anstieg von 1 auf 2,2 Billionen Dollar nur im Bankensystem und dient dort der Abschreibung von uneinbringlichen Krediten, nicht aber der besseren Kreditversorgung von Verbrauchern und Unternehmen.


Dagegen ist die amerikanische umlaufende Geldmenge M2 in den vergangenen 12 Monaten nur um 3 % gestiegen und damit nur um die Hälfte des langfristigen Durchschnitts (Abb. 05220). Ebenso sind die Bankenkredite und das Volumen kommerzieller Schuldpapiere zuletzt um 8 % gegenüber Vorjahr zurückgegangen (Abb. 05221).



Die Auslastung amerikanischer Unternehmen ist auf 68 % gefallen, das Verhältnis von ziviler Beschäftigung zu Bevölkerung auf 58,2 %,die niedrigste Rate seit 26 Jahren (Abb. 05222).


Die Staatsprogramme zur Konkunkturankurbelung schaffen ein Strohfeuer, das später durch höhere Steuerbelastungen ins Gegenteil verkehrt wird. Das gilt auch für Deutschland, wo die private Nachfrage ebenfalls äußerst schwach geblieben ist, bis auf die wegen der Abwrackprämie vorgezogenen Autokäufe. Die privaten Konsumausgaben nahmen hier 2009 um 0,4 % geringfügig zu, doch wurde lediglich für Verkehr und Nachrichtenübermittlung mehr ausgegeben als im Vorjahr; die Ausgaben für fast alle anderen Verwendungszwecke waren dagegen geringer als in 2008. Das Strohfeuer hat schon Japan gezeigt, wo die Staatsverschuldung bei 200 % der jährlichen Wirtschaftsleistung angekommen und doch die Konjunktur nicht dauerhaft angesprungen ist.

Wie stark sich die USA und der Rest der Weltwirtschaft, bis auf wenige Ausnahmen, derzeit mindestens mittelfristig auf deflationärem Terrain bewegen, zeigt im übrigen die Entwicklung der Zinsen auf amerikanische Staatsanleihen, die sich seit 1990 im jährlichen Durchschnitt trotz der starken Kreditaufnahme der Regierung nach unten bewegt haben (Abb. 05223).



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global news 1873 22-01-10: Gesellschaftsstukturen im globalen Eisschrank

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Die bürgerlich-konservative FAZ hat nun auch entdeckt, daß es mit der Aufwärtsmobilität in der deutschen Gesellschaft nicht mehr stimmt. Unter der Überschrift "Der neue Klassenkampf - Das gespaltene Land" schreibt sie (wie ich es nicht hätte besser schreiben können):

"Ihr Status ist den Menschen, die zur Mitte zählen, die also nach Einkommen, Bildung und Beruf weder zu den oberen noch zu den unteren 20 Prozent gehören, seit jeher wichtig. Das hat der Gesellschaft ihre Dynamik gebracht und ihren Wohlstand. Beflissen strebten sie einst nach oben. Heute aber richtet sich ihre Beflissenheit gegen einen möglichen Abstieg.

Wirft man einen Blick auf die unteren sozialen Schichten, zeigt sich ein anderes Bild. Hier gibt es kein Streben nach Statusveränderung mehr, nach Aufstieg und Wohlstandsmehrung. Glaubt man dem Institut für Demoskopie Allensbach, dann regiert am unteren Rand unserer Gesellschaft Ohnmacht und damit weitgehend die Selbstaufgabe. Nur 26 Prozent dieser Schicht denken, dass Aufstieg noch immer möglich ist. Das war nicht immer so: Denn auch die unteren Gesellschaftsschichten waren einmal an der Verbesserung ihres Status interessiert und haben ganz fest an die Möglichkeit geglaubt. Das klassische aufstiegsorientierte Arbeitermilieu gibt es nicht mehr. An seine Stelle ist ein Heer von Empfängern staatlicher Transfers getreten und ein neues Dienstleistungsproletariat, das von seinen Löhnen nicht leben kann. Es hat sein Zukunftsvertrauen verloren, was sich in der Erziehung der Kinder manifestiert. Gerade einmal einem Viertel der "Unterschichtseltern", sagt Renate Köcher, sei es wichtig, die Lesefreude ihrer Kinder zu fördern. Statusfatalismus kann man der Unterschicht kaum vorwerfen, ist er offenbar ein durchaus realistischer Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Wer einmal unten ist, kommt eben nicht so schnell wieder hoch.

Deutschlands Bevölkerung zerfällt zwischen Statusbeflissenheit und Statusfatalismus. Das große Zukunftsversprechen der ehemaligen Aufsteigergesellschaft, dass es allen immer besser gehen werde, hat seine Gültigkeit verloren. "Je stärker die Aufwärtsmobilität, desto größer der gesellschaftliche Zusammenhalt. Das ist ein soziologisches Grundgesetz", sagt der Hamburger Sozialwissenschaftler Berthold Vogel. Ein neues Zukunftsversprechen sei nicht in Sicht. Keiner wisse, wie es weitergeht.

Die Zahl der Normalarbeitsverhältnisse, also die tariflich gesicherte unbefristete Vollzeitbeschäftigung, ist stark gesunken. Die Forscher der Bertelsmann-Stiftung beziffern den Anteil auf nurmehr 60 Prozent 2008 - anders als in anderen europäischen Ländern mit weiter sinkender Tendenz.

Oberschicht als neue "globale Klasse": Unangefochten von alledem bleibt nur die Oberschicht. Sie ist vom nationalstaatlichen Versprechen des Statuserhalts aufgrund ihres Wohlstands über die Jahre immer unabhängiger geworden. Und die Bindungskraft der Gesellschaft muss sie nicht interessieren, weil sie sich international an ihresgleichen orientiert."

Was die FAZ natürlich in ihrer sonst zutreffenden Analyse total ausklammert, sind die globalen Gründe für diese Entwicklung, nämlich der von der globalen Oberklasse absichtsvoll organisierte globale Klassenkampf der Armen aus einigen aggressiven Schwellenländern, wie vor allem China, gegen die Benachteiligten in den alten Industrieländern, mit der Folge von Arbeitsplatzverlusten und fallenden Arbeitseinkommen auf deren Seite. Es ist wie der Klassenkampf von "poor white" gegen "poor black", der lange in USA tobte.

Indikativ für Deutschland ist die Prognose im Jahreswirtschaftsbericht zur Einkommensentwicklung für 2010 (Abb. 14868). Für dieses Jahr erwartet das Bundeswirtschaftsministerium nach dem Entwurf des Jahreswirtschaftsberichts einen Anstieg der Einkommen aus Unternehmen und Vermögen um 8,2 %, die dritthöchste Rate der letzten 10 Jahre, während das Arbeitnehmerentgelt erneut fallen soll. Im Durchschnitt der Jahre 2001 - 2010 wären die Unternehmens- und Vermögenseinkommen jährlich um 4,35 %, das Arbeitnehmerentgelt dagegen nur um 1.05 % gestiegen, also um weniger als ein Viertel.



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global news 1872 21-01-10: Deutschland bei der Armutsgefährdung unter den Fußkranken in W-Europa

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Unter 17 Vergleichsländern kommt Deutschland bei der heute von Eurostat veröffentlichten Verteilung der Armutsgefährdung in W-Europa nur auf Platz 11 des Vergleichsfeldes, wenn auch noch vor den traditionell sozial schwächelnden Ländern Irland, Portugal, Italien, Großbritannien, Griechenland und Spanien (Abb. 15577).


Die jährliche nationale Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 60% des nationalen Medianeinkommens je Erwachsenenäquivalent. Damit die Länder miteinander verglichen werden können, wird die Schwelle in der Tabelle in Kaufkraftparitäten (KKS) angegeben, einer künstlichen Referenzwährung, die Unterschiede im Preisniveau zwischen Ländern ausschaltet.


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global news 1871 20-01-10: Die Welt in 40 Jahren: Deutschland unter "ferner liefen"?

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Goldman Sachs hat für die vier Schwellenländer: Brasilien, Rußland, Indien und China vor einigen Jahren den Begriff "Bric" geprägt. Tatsächlich haben diese Länder in den Jahren 2000 bis 2008 46,3 % des Weltwirtschaftswachstums bestritten, während auf die G7-Länder (USA, Großbritannien, Japan, Deutschland, Kanada, Frankreich und Italien) nur 19,8 % enfielen. Für die Periode 2008 bis 2014 erwartet der Internationale Währungsfond in seiner Prognose ein Verhältnis von sogar 61,3 % zu nur noch 12,8 % (Abb. 15575).


Die Bric-Länder werden nach Goldman Sachs schon in 12 Jahren die G7-Länder an Wirtschaftsleistung überholen, wobei China bereits in 10 Jahren an den USA vorbeiziehen soll. Um das Jahr 2050, also in vierzig Jahren, soll die chinesische Wirtschaft dann um 87 % größer als die amerikanische sein und 14-mal so groß wie die deutsche, die von der chinesischen bereits 2008 abgehängt wurde. Allerdings sollen dann auch Indien, Brasilien, Rußland, Großbritannien, und Frankreich an Deutschland vorbeigezogen und Deutschland auf den neunten Platz in der Rangliste der wirtschaftsstärksten Länder heruntergerutscht sein (Abb. 15576).


Hallo Deutschland, bitte aufwachen! Hier läuft seit vielen Jahren einsam und allein die falsche Wirtschafts- und Sozialpolitik mit der Folge einer miserablen Binnenwirtschaft.


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global news 1870 19-01-10: ZEW-Konjunkturerwartungen fallen wieder - Bundesregierung sieht für 2010 Zuwachs der Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 8,2 % bei Sinken der Arbeitnehmerentgelte um 0,2 %

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Die vom ZEW ermittelten Konjunkturerwartungen der Finanzmarktanalysten sind im Januar nach unten gefallen (Abb. 04762). Die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage ist trotz einer sehr geringen Verbesserung weiterhin sehr schlecht (Abb. 04588).



Nun rechnet auch ZEW-Präsident und Vorsitzender des Rates der Wirtschaftsweisen Franz nicht mehr mit einem Aufschwung in diesem Jahr:

"Die Einschätzung der Finanzmarktexperten bestätigt, dass wir im Jahr 2010 noch keinen Aufschwung bekommen. Der Weg aus dem tiefen Rezessionstal ist beschwerlich und lang."

Die Bundesregierung rechnet im Entwurf für den Jahreswirtschaftsbericht 2010 mit einem Anstieg der durchschnittlichen Arbeitslosenzahl um nur 320.000 auf 3,7 Millionen, was deutlich unterhalb der Prognose des Sachverständigenrates von 4,0 Millionen liegt. Sprengstoff dürfte die Erwartung beinhalten, daß die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 8,2 % wachsen, während die Arbeitnehmerentgelte um 0,2 % sinken sollen.


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global news 1869 17-01-10: Bankenkrise in Deutschland unter den europäischen Ländern am stärksten

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Eine neue Studie von Adrian Blundell-Wignall, Special Advisor for Financial Markets and Deputy Director of the OECD Directorate for Financial and Enterprise Affairs, zeigt, wie enorm groß das deutsche Bankenrettungsprogramm dimensioniert werden mußte, um der Krise zu entsprechen. Mit 1,5 Billionen Dollar an Gesamtleistung seitens der Bundesregierung und der EZB ist es etwa dreimal so groß wie das französische und viermal wie das britische (Abb. 16661).


Von den 1,5 Billionen Dollar sind 119 Mrd Dollar Kapitalzuschüsse, 711 Mrd Dollar Garantien und Aufkauf von riskanten Papieren sowie 667 Mrd Dollar Schuldgarantien (Abb. 16660).


Während Europa die Banken mit 4,3 Billionen Dollar unterstützen muß, haben die USA für ihre Banken 6,4 Billionen Dollar vorgesehen (Abb. 16662).



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global news 1868 15-01-10: Auch im November schlechte Zahlen aus der gewerblichen Wirtschaft: Beschäftigungs- und Entgelt-Rückgang hält unvermindert an

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Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes wirkte sich die aktuelle Schwäche der Gesamtwirtschaft auch im November auf die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland aus: Ende Oktober 2009 waren in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes Personen 239.000 Personen oder 4,6 % weniger als im November 2008 tätig (Abb. 04009). Die Zahl der im November 2009 geleisteten Arbeitsstunden nahm im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat bei Bereinigung um 1 Arbeitstag um 9,0 % ab. Die Entgelte (Bruttolohn- und Bruttogehaltsumme) verringerten sich gegenüber November 2008 verbraucherpreisbereinigt um 8,1 %.


Überdurchschnittlich stark verringerte sich die Beschäftigtenzahl in den Wirtschaftszweigen Maschinenbau (- 5,2%) sowie in der Herstellung von Metallerzeugnissen (- 6,3%).

Sowohl die Arbeitsstunden, wie das Arbeitsentgeld sind schon seit dem vergangenen Jahr zurückgegangen (Abb. 14710, 14712).



Da die gewerbliche Wirtschaft noch vergleichsweise gut bezahlt und mehr Tarifbindung hat, dürfte die Gesamtsituation in der Gesamtwirtschaft noch schlechter sein. Ein so starker Abriß der Arbeitseinkommen muß sich in der privaten Nachfrage und damit in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung krisenhaft niederschlagen.

Gleichzeitig wird heute aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei bekannt, daß die Zahl der Vollzeitbeschäftigten zwischen Juni 1999 und Juni 2008 um 1,4 Millionen oder sechs Prozent abgenommen hat. Zugleich wuchs die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 1,3 Millionen oder 36 Prozent auf fünf Millionen. Auf dem Vormarsch sind Minijobs, deren Zahl binnen sechs Jahren um 29 Prozent auf über sieben Millionen hochschnellte. Und immer mehr Arbeitnehmer kommen mit einer Stelle nicht über die Runden. Nach Angaben der Bundesregierung verdoppelte sich die Zahl der Menschen mit zwei Jobs zwischen 2002 und 2007 auf 1,8 Millionen (neuere Daten liegen nicht vor).


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global news 1867 15-01-10: Neue UNICEF 21-Länder Studie: Anteil benachteiligter Kinder in Deutschland mit am höchsten

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Mit einer neuen internationalen Vergleichsstudie zur Situation der Kinder in Industrieländern zeigt UNICEF für Deutschland Verbesserungen, aber auch erhebliche Probleme auf. Anknüpfend an die UNICEF-Studie im Jahr 2007 wurde das Wohlbefinden der Kinder in 21 Industrieländern anhand von sechs Dimensionen umfassend verglichen: materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Aus-bildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen, Verhaltensrisiken sowie subjektives Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen. Grundlage sind neueste Daten von Eurostat, OECD, PISA, Weltgesundheitsorganisation, Weltbank und deutschem Mikrozensus sowie eigene Berechnungen.

Deutschland liegt jetzt auf Platz acht und damit im Mittelfeld von 21 Industrienationen, wenn es darum geht, eine gute Lebensumwelt für Kinder und Jugendliche zu schaffen (Abb. 13239). Allerdings ist es um das materielle Wohlbefinden schlecht gestellt: nur Platz 14 im unteren Mittelfeld (Abb. 15570).



Dringenden Handlungsbedarf sieht UNICEF in Deutschland hinsichtlich der Situation allein erziehender Mütter und ihrer Kinder. Sie sind seit Jahren unverändert besonders stark von materieller Armut betroffen. Der Anteil von Kindern, die in Haushalten ohne ein erwerbstätiges Elternteil leben, ist vergleichsweise hoch (Abb. 15571). Als Besorgnis erregend wertet UNICEF, dass Jugendliche hierzulande ihre beruflichen Perspektiven düsterer sehen als ihre Altersgenossen in allen anderen Industrienationen. Sie berichten häufiger als junge Menschen in anderen Ländern davon, sich allein gelassen und als Außenseiter zu fühlen.


Insbesondere Kinder, die bei Alleinerziehenden aufwachsen, sind überproportional von Armut betroffen. Von rund 2 Millionen Kindern und Jugendlichen, die mit nur einem Elternteil aufwachsen, müssen 34 Prozent oder fast 700.000 Kinder mit weniger als 60 Prozent des Äquivalenzeinkommens auskommen. Rund 350.000 verfügen sogar nur über weniger als 50 Prozent. Der Armutsdruck für Alleinerziehende ist seit zwölf Jahren unverändert hoch. Selbst wenn sie es schaffen, berufstätig zu sein, ist es ihnen kaum möglich, der Armut zu entkommen.

Sehr viele Kinder und Jugendliche blicken sehr düster in ihre berufliche Zukunft: So erwarten knapp 25 Prozent, dass sie nach Beendigung der Schule und der Ausbildung nur Arbeiten mit niedriger Qualifikation ausüben werden. In den USA, die im Gesamtvergleich ganz hinten liegen, haben nur 9 Prozent eine so pessimistische Erwartung hinsichtlich ihrer Zukunftschancen. Deutschland liegt hier auf dem letzten Platz aller untersuchten Industrieländer (Abb. 15574).


6 Prozent der Heranwachsenden erleben sich als Außenseiter. 11 Prozent der befragten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland geben an, sich "unbehaglich und fehl am Platz" zu fühlen. Etwa jeder dritte 15-Jährige sagt, dass er sich "alleine" fühlt, der sechsletzte Platz (Abb. 15572). Bei der Lebenszufriedenheit insgesamt liegt Deutschland dann nur auf dem viertletzten Platz von 21 Ländern (Abb. 15573).




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global news 1866 14-01-10: Deutschlands verlorenes Jahrzehnt: Auf dem Weg nach Japan?

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Das letzte Jahrzehnt war für Deutschland in der unter 1 % pro Jahr stagnierenden Wirtschaftsentwicklung klar ein verlorenes, nur noch von Japan und Italien unterboten (Abb. 14865). Der Absturz gegenüber dem vorrangegangenen Jahrzehnt 1990-1999 ist sehr deutlich (Abb. 14866). Deutschland auf dem Weg nach Japan, das schon zwei verlorene Jahrzehnte verzeichnet?



Japan hatte schon vor vielen Jahren eine schwere Bankenkrise zu überwinden, anders als Deutschland. Aber dann hatte die Industrie auch zunächst überinvestiert und hat dann ihre Kreditaufnahme "heruntergehebelt". Die Ersparnis bei den Investitionen wurde nicht in höheren Arbeitnehmereinkommen zur Ankurbelung der Binnenkonjunktur verteilt, sondern statt dessen als Kredit auf den Exportmärkten eingesetzt und spekulativ auf die Finanzmärkte getragen. Diese Entwicklung ist auch bei der deutschen Industrie zu beobachten, die ebenfalls immer weniger der nationalen Ersparnis in Investitionen gegeben und statt dessen Exporte kreditiert und auf den Finanzmärkten angelegt hat. Die Bundesbank hat daher zurecht von "Unterinvestition" gesprochen. Die Differenz zwischen volkswirtschaftlicher Ersparnis und Nettoinvestitionen stieg von etwa 1 % zum Beginn des Jahrtausends bis auf 11 % zu Beginn der Finanzkrise hoch und ist seitdem etwas gefallen, aber nur weil krisenbedingt die Ersparnis zurückging (Abb. 04583).


Zudem haben beide Länder besonders stark alternde Bevölkerungen, die viel weniger zur Anschaffung langlebiger Wirtschaftsgüter neigen.

Hinzu kommen in beiden Ländern die Verlagerungstendenzen der extrem exportorientierten Unternehmen, die die Investitionen eher an besonders kostengünstigen Auslandsstandorten als zu Hause vornehmen. Die Regierungen haben diese Tendenzen unterstützt, in Deutschland auch durch steuerliche Vorteile. Dagegen hat beispielsweise die französische Regierung energisch dagegen gehalten. Der jüngste Fall war der Streit um die Verlagerung der Produktion des Renault Erfolgsmodells Clio in die Türkei. 2009 hatte Paris Renault und Peugeot/Citroën mit jeweils drei Milliarden Euro unterstützt, mußte aber auf Druck der EU-Kommission auf die Gegenleistung, kein französisches Werk zu schließen, verzichten. Die nun beabsichtige Renault-Verlagerung löste einen Proteststurm der Regierung, Parteien und Gewerkschaften aus. Der Industrieminister erklärte im Parlament: "Wir werden nicht zulassen, dass der Clio 4 in der Türkei gebaut wird. Der Renault wird in Frankreich gebaut werden, um in Frankreich verkauft zu werden." Nun sind die Schließungspläne - zumindest von französischen Standorten - plötzlich wieder vom Tisch, und der Renault-Chef versicherte öffentlich, der Clio werde immer in Flins bei Paris gebaut. Außerdem hat auch noch Staatspräsident Sarkozy das Unternehmen in den Élyséepalast einbestellt, um den Protest "noch stärker" ausdrücken. Der Staat, dessen Anteil an Renault 15 % beträgt, könnte mehr Stellen im Verwaltungsrat fordern, um stärker auf die strategischen Entscheidungen einzuwirken.

Vieles spricht dafür, daß Deutschland die japanische Krankheit hat.


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global news 1865 13-01-10: Die Rache der falschen Wirtschaftspolitik: 2009 beendete mit minus 5 % BIP ein miserables Jahrzehnt

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Deutschland hat 2009 mit minus 5 % den stärksten Wirtschaftseinbruch fast aller vergleichbaren Länder quittieren müssen (Abb. 15569). Eine total einseitig auf stagnierende Arbeitseinkommen und dafür kreditfinanzierten Export setzende Wirtschaftspolitik hat mit dem Platzen der globalen Kreditblase ohne Auffangposition in der Nachfrage privater Haushalte zur schärfsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg geführt (Abb. 14861, 14862).




Die Löhne und Gehälter nahmen verbraucherpreisbereinigt um weitere 1,6 % ab, wozu vor allem das Kurzarbeitergeld und der zunehmende Niedriglohnsektor beigetragen haben (Abb. 14863).


Der extrem exportabhängige Außenhandel raubte 3,4 % des BIP, die Krise bei den Ausrüstungsinvestitionen, die um gewaltige 20 % abstürzten (Abb. 14864), weitere 1,6 %. Die privaten Konsumausgaben nahmen zwar trotz der rückläufigen Löhne und Gehälter um 0,4 % geringfügig zu, doch wurde Dank Abwrackprämie lediglich für Verkehr und Nachrichtenübermittlung deutlich mehr ausgegeben als im Vorjahr (+ 5,2 %); die Ausgaben für fast alle anderen Verwendungszwecke waren dagegen geringer als in 2008. Der einzige positive Posten in dieser trostlosen Lage waren die Staatsausgaben, die um 2,7 % stiegen und damit zu 0,5 % zur Gesamtwirtschaftsleistung beitrugen. Ohne die staatlichen Krücken wäre die Konjunktur noch viel stärker abgestürzt.


Natürlich macht der Bundeswirtschaftsminister in seiner Presseerklärung unter der Überschrift "Wachstum 2009: Tiefpunkt durchschritten - Beschäftigung zeigt sich robust" nun auf Optimismus und schiebt die Verantwortung total über die deutschen Grenzen ins Ausland ab:

"Im Jahr 2009 lag das Bruttoinlandsprodukt um 5,0 % unter seinem Vorjahresniveau. Ursache hierfür war die weltweite Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise, unter der vor allem der deutsche Außenhandel spürbar zu leiden hatte. Nach dem extremen Einbruch im Winterhalbjahr 2008/09 hat sich die deutsche Wirtschaft seit dem Frühjahr 2009 jedoch merklich erholt."

Kein einziges Wort über die gefährliche blasenangetriebene Exportabhängigkeit, über den heimgezüchteten Niedriglohnsektor ohne Mindestlöhne wie in anderen Ländern oder über die miserable Reallohnentwicklung überhaupt. Außerdem will der Minister nicht zur Kenntnis nehmen, daß sich die angebliche Erholung im 4. Quartal 09 schon wieder abgeschwächt hat.


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global news 1864 12-01-10: Maschinenbauaufträge im Oktober 38 % unter Stand vor zwei Jahren, 16 % mehr Insolvenzen in Deutschland

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Die Maschinenbaubranche leidet besonders unter der Krise, weil Investitionen im In- und Ausland zurückgestellt werden. Die Aufträge lagen im November 09 um 12 % unter dem Vorjahresstand, wie der Verband heute meldet (Abb. 14647).


Doch der Vorjahresmonat war bereits ein tiefer Krisenmonat mit einem Absturz um 30 % gegenüber November 2007. Damit sind die Aufträge in zwei Jahren um mehr als 38 % gefallen (Abb. 14859, 14860).



Der Verband überschreibt seine Meldung zurecht sehr vorsichtig mit:

"Dünner Silberstreif am Horizont".

und meldet:

"Auch wenn diese Entwicklung dem Basiseffekt eines schon sehr schwachen November 2008 geschuldet ist, so nährt sie doch die Hoffnung, dass sich nach 13 Monaten tiefen Falls jetzt endlich eine wenn auch zaghafte Besserung einstellt. Bis sich diese flächendeckend im Umsatz niederschlägt, ist wegen der technisch bedingten Durchlaufzeiten aber noch Geduld gefragt."

Doch Spiegel-online, der wohl den Basiseffekt nicht versteht, macht daraus dann wieder eine Riesenerfolgsmeldung unter der Überschrift "Konjunkturschub - Maschinenbauer nähren Aufschwungshoffnung":

"Die Signale für eine Konjunkturerholung mehren sich: Nach 13 desaströsen Monaten verbessert sich die Auftragslage im Maschinenbau erstmals spürbar. Doch dieses Ergebnis war deutlich besser als die Zahlen in den Vormonaten."

Auch die Insolvenzen nehmen krisenbedingt zu. Nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts lagen die Unternehmensinsolvenzen im Oktober 09 um 15,9% über dem Vorjahresstand Abb. 14602). Die Verbraucherinsolvenzen stiegen um 4,2%.



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global news 1863 11-01-10: Die deutsche Wirtschaft steckt noch fest in der Krise: Umsatz 18,4 % unter Januar 2008

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Das statistische Bundesamt meldet heute: „Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe im November 2009: Preisbereinigt - 9,7% zum Vorjahresmonat". Doch der Vorjahresmonat war schon ein Monat tiefer Krise. Verglichen mit dem Januar 2008 betrug der Rückgang doppelt so viel, nämlich 18,4 % (Abb. 04910).


Und seit September gibt es keine Aufwärtsentwicklung mehr. Die verläßlichere Saisonbereinigung nach dem Berliner Modell zeigt, daß das ganze Jahr 2009 über praktisch keine Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen war (Abb. 14839).


Den Rückgang von Aufträgen, Produktion und Umsatz gegenüber Januar 2008 zeigt Abbildung 14564.



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global news 1862 10-01-10: Krisengewinnler und Exportriese China

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China ist das einzige größere Exportland, das in der Krise für seinen Export zusätzliche Anteile am Weltmarkt gewinnen kann, und das zu Lasten der Hauptkonkurrenten Deutschland, Japan und USA. Die Mischung von Sozial-, Währungs- und Umweltdumping sorgt für Niedrigstpreise, die gerade bei der krisenbedingten Sparsamkeit der Abnehmer derzeit noch mehr im Vorteil ist.

Der Einbruch des chinesischen Exports war, verglichen mit dem deutschen, zeitlich viel kürzer und bereits seit März 2009 zog er viel stärker an und lag im Dezember 2009 trotz der weltweiten Krise bereits um 17,7 % über dem Vorjahreswert (Abb. 15564).


Der IWF hat in einem interessanten Arbeitspapier vom vergangenen Jahr (WP/09/172) das chinesische Exportpotential abgeschätzt. Der Export hat zwischen 2001 und 2008 bereits ein Drittel zum gesamten chinesischen Wachstum beigetragen (Abb. 15568). Chinas Anteil am Weltexport ist im vergangenen Jahr an dem Deutschlands von etwa 9 % vorbeigezogen und soll bis 2014 noch auf 14 % weiter ansteigen (Abb. 15565). Längerfristig ist sogar ein Anteil von 20 % möglich (Abb. 15566).




Dabei zieht der chinesische Export steil nach oben, obwohl zur gleichen Zeit seit dem jeweiligen Wachstumsstart andere Wachstumsländer in Asien schon mit höheren Löhnen und aufgewerteten Währungen im Sinkflut waren (Abb. 15567). Doch China hat noch ein Riesenreservoir an billigster Arbeitskraft für Jahrzehnte und hält seine Währung manipulativ unten.


Wie lange will der Rest der Welt diesen dumpinggestützten gigantischen Job-Klau noch dulden, bevor die Prognosen des IWF eintreten?


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global news 1861 09-01-10: Wenn das angebliche Krisenende nur eine statistische Täuschung ist

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Sicher freuen wir uns, wenn einmal positive Zahlen gemeldet werden. Doch müssen wir uns vor Irreführungen hüten, wenn davon vorschnell ein Ende der Krise abgeleitet wird. Leider gibt es Erholungen, die nur in der Statistik aufscheinen, aber eigentlich keine sind und schon gar nicht ein Ende der Krise.

Erstens sind wir mit den gängigen Vorjahresvergleichen jetzt in die Periode gekommen, als bereits Krise herrschte und starke Minuswerte verzeichnet wurden. Da besagt ein kleines Plus oder ein nur noch schwaches Minus im Vergleich sehr wenig. Ein gutes Beispiel sind die jüngsten Exportwerte, die von SPIEGEL-online prompt als ein „Berappeln der Konjunktur" gefeiert wurden. Tatsächlich sind die Exporte im November zwar nur noch um 3,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen und gegenüber dem Vormonat sogar leicht gestiegen (1,6 %), doch realistischerweise muß man nun mit dem Vorkrisen-November von 2007 vergleichen und da ergibt sich immer noch ein sehr starker Rückgang um 15,7 %. Die Grafik 14631 zeigt sehr deutlich, wie der deutsche Export im 2-Jahres-Vergleich praktisch im Krisenkeller bleibt, und das schon in allen Monaten seit Beginn 2009.


Zweitens werden in der ersten Phase einer Krise die Lager abgebaut, was in der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts negativ zu Buche schlägt. Irgendwann aber muß jeder Lagerabbau zum Ende kommen. Dann fällt der negative Einfluß des Lagerabbaus weg, auch wenn noch keine neuen Lager aufgebaut werden. Prompt wertet die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung den Wegfall des Negativeffekts als einen Wachstumsimpuls, weil mit der Periode des Lagerabbaus verglichen wird.

Drittens werden in einer schlimmen Krise die Importe besonders stark zurückgefahren, weil Deutschland hauptsächlich Energie und Konsumgüter importiert und die Haushalte mit ihrem vorsichtigen oder unvermeidbaren Sparkurs weniger dieser Importwaren verbrauchen. Eine Einschränkung solchen Verbrauchs wird jedoch in der Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung als Wachstumsimpuls gerechnet, denn hier zählt die Bilanz zwischen Export und Import und bei stärkerer Import- als Exportdrosselung wird sie positiver. Wenn also wegen der Krise der Verbrauch importierter Waren leidet, ist das ein Wachstumsbeitrag, auch wenn es verrückt klingt. Nun sind in den bisher gemeldeten ersten zwei Monaten des 4. Quartals 2009 die Ausfuhren gegenüber Vorjahreszeitraum um 3,5 % gestiegen, die Einfuhren dagegen um 6,8 % zurückgegangen. In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für das 4. Quartal 2009 wird sich das mit einem hübschen Wachstumseffekt zeigen, der allerdings eher durch die Krise als durch deren Ende bedingt ist.

Und schließlich viertens, sind alle Volkswirtschaften derzeit von einem starken Drogencocktail aus Staatsausgaben und billigstem Zentralbankgeld abhängig. Auch das gibt einen künstlichen Wachstumsimpuls. So trugen allein die höheren Staatsausgaben im dritten Quartal 2009 positive 0,4 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, das sonst im Vorjahresvergleich nicht um 0,2 % gestiegen, sondern erneut um 0,2 % gefallen wäre. In USA wäre das Wachstum ohne Drogen 0,2 % statt stattlichen 2,2 % gewesen. Doch der Drogeneffekt fällt weg, sobald die Staatsausgaben wieder sinken, weil die Staatsverschuldung oder die Inflation das erzwingt, bzw. die EZB die billigen Kredite wieder einsammeln muß, was sie schon angekündigt hat. Erst dann wird sich zeigen, ob die Volkswirtschaft auf eigenen Beinen laufen kann und die Krise wirklich vorbei ist. Schon jetzt läßt der Wegfall der Abwrackprämie in Deutschland die Zulassungszahlen im Dezember 2009 auf 14 % unter den Vorjahreswert fallen und kann die Automobilindustrie offensichtlich noch nicht auf eigenen Beinen laufen (Abb. 14061).


Wir werden das alles im Auge behalten müssen, wenn uns das Statistische Bundesamt am kommenden Mittwoch das Endergebnis für 2009 eröffnet und sehr wenig zu den Kunsteffekten sagen wird.


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global news 1860 08-01-10: Produktion der gewerblichen Wirtschaft 16,4 % unter Januar 2008

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Der Produktionsindex der gewerblichen Wirtschaft krebste nach heutiger Meldung des Statistischen Bundesamts im November 2009 weiter auf tiefem Niveau herum: real 16,4 % unter dem saison- und arbeitstäglich bereinigten Niveau vom Januar 2008 und fast 5 % noch unter dem Niveau von vor zwei Monaten (Abb. 04306).


Da wird nun selbst der Bundeswirtschaftsminister vorsichtig mit der Prognose:

„Die Aufwärtsdynamik dürfte sich allerdings angesichts der derzeit verhaltenen Entwicklung der Auftragseingänge in der Industrie abschwächen. Hierzu trägt bei, dass sich die Produktionsimpulse des Fahrzeugbaus umkehren."


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global news 1859 08-01-10: Auch der deutsche Export kommt nur mit einem statistischen Trick aus dem Keller

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Heute kommt die frohe, wenn auch total irreführende Botschaft wieder einmal von SPIEGL-online unter der Überschrift „Exporte legen überraschend stark zu:

„Die deutsche Exportindustrie erholt sich schneller als erwartet: Die Ausfuhren sind im November um 1,6 Prozent gestiegen - deutlich stärker als von Experten prognostiziert. Die deutsche Konjunktur berappelt sich allmählich wieder. Die Signale des Aufschwungs verstärken sich. Neuster Beleg: die Exporte."

Das ist natürlich zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich sind die Exporte nach heutiger Meldung des Statistischen Bundesamt zwar um 1,6 % gegenüber dem Vormonat gestiegen und nur noch um 3,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen, doch der Vorjahres-November wie auch der Vormonat Oktober waren bereits absolute Krisenmonate mit besonders stark abgesenktem Niveau. Diese "Erholung" war daher nur eine statistische. In der Realität muß man nun mit dem November 2007 vergleichen und da ergibt sich ein Rückgang um 15,7 %. Die Grafik 14631 zeigt sehr deutlich, wie der deutsche Export im 2-Jahres-Vergleich praktisch im Krisenkeller bleibt, und das schon in allen Monaten seit Beginn 2009.



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global news 1858 07-01-10: Die Auftragseingänge kommen nicht aus dem Krisenkeller

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In seinem heutigen Bericht zu den Auftragseingängen der gewerblichen Wirtschaft im November macht der Bundeswirtschaftsminister wie üblich auf Optimismus:

„Zwar ist der Nachfragetrend nach Industriegütern für sich gesehen derzeit nicht eindeutig. Jedoch spricht etwa die Entwicklung der Stimmungsindikatoren für eine weiter positive Grundtendenz im Verarbeitenden Gewerbe."

Mit Stimmungsindikatoren kann man nicht gegen die Fakten andiskutieren. Und die zeigen bei einer Stagnation der Auftragseingänge (+0,2 % gegen Oktober) eine Stagnation. Doch die findet auf sehr tiefem Niveau statt. Gegenüber dem November 2007 lag der Wert der Aufträge um 28,9 % tiefer, aus dem Ausland sogar um 31,2 %. Mit dem Vorjahreswert kann nicht mehr verglichen werden, denn der war bereits ein tiefer Krisenwert und jeder Vergleich wäre beschönigend (Abb. 04569).



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global news 1857 07-01-10: Bundesregierung und Wirtschaftsinstitute schwören auf die Binnennachfrage als Konjunkturstütze, doch der Einzelhandel sinkt und sinkt

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Es ist eine feste Mantra von Bundesregierung und Wirtschaftsforschung geworden. Seit der Export eingebrochen ist, wird die Binnennachfrage der Haushalte als Konjunkturstütze hochgejubelt. So gerade wieder die letzte Konjunkturprognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung laut Spiegel-online: „Nach Auffassung der DIW-Experten wird die Konjunktur hierzulande vor allem von der Nachfrage im Inland gestützt." Doch die Realitäten des Einzelhandels, dem wichtigsten Indikator für die Nachfrage privater Haushalte, sehen anders aus.

Heute meldet das Statistische Bundesamt:

„Im November 2009 erzielte der Einzelhandel in Deutschland nominal 3,1% und real 2,8% weniger Umsatz als im November 2008."

Dabei setzt das Amt als Überschrift beschönigend „Einzelhandelsumsatz 2009 voraussichtlich real um 2% niedriger", was der zusammengefaßte Wert für Januar bis November ist, der den wahren Abschwung im Jahresverlauf versteckt (Abb. 04943). Die Tendenz in diesem Jahr ist nur nach unten gerichtet und kein Ende in Sicht.


Ebenso gehen die PKW-Zulassungen nach Auslaufen der Abwrackprämie nun in den Keller. Im Dezember lagen sie bereits um 14 % unter dem noch nicht von der Abwrackprämie gestützten Vorjahreswert (Abb. 14061).



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global news 1856 05-01-10: Der Arbeitsmarkt im Dezember: Immer mehr Unterbeschäftigung

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Im Vergleich zum Vorjahr hat die Unterbeschäftigung (noch ohne Kurzarbeit) erheblich zugenommen, zuletzt um mehr als 9 % und das auch gegenüber dem Vormonat, wenn man den Schätzzahlen der Agentur folgt. Die Leiharbeiter fliegen als erste aus den Jobs (-17 %, Abb. 14527). Die Zahl der Kurzarbeiter ist bis zu den letzten Zahlen vom September auf 1,1 Millionen stark angestiegen. Einschließlich des Beschäftigtenäquivalents Kurzarbeit betrug die Unterbeschäftigung im letztgenannten Monat September schon 17,2 Prozent mehr als im September 2008. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist über die letzten Monate deutlich gefallen und stagniert nun mit zuletzt geringem Anstieg auf niedrigem Niveau.


Der Beschäftigungsaufbau hat sich seit Beginn des Jahres 2008 Monat für Monat immer stärker abgeschwächt und ist seit März erstmals negativ geworden und seitdem immer mehr (Abb. 14041). Der Begriff "Beschäftigung" umfaßt dabei noch viele Minijobs, Trainingsmaßnahmen und andere Überbrückungen, die praktisch Arbeitslosigkeit bedeuten und nur unter "Unterbeschäftigung" ausgewiesen werden.


Ebenso schwächte sich schon seit Frühjahr 2007 der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Tendenz von einer Jahresrate von 17,1 % immer mehr ab und geriet seit März in negatives Terrain, im Dezember fast 6 %, wobei allerdings die vom Dritten betreuten Jobsuchenden von der Bundesagentur total irreführend nicht mehr erfaßt werden, was die Statistik total entwertet (Abb. 04772). Die durch Dritte betreuten Arbeitslosen wurden einfach in die "Unterbeschäftigung" verschoben, die nach Schätzung der Agentur im Vergleich zum Vorjahr (ohne Kurzarbeit) um 358.000 oder 9 Prozent gestiegen ist (Abb. 14726). Einschließlich des Beschäftigtenäquivalents Kurzarbeit betrug die Unterbeschäftigung im September 4,9 Mio oder 715.000 bzw. 17,2 Prozent mehr als im September 2008 (für die Zeit nach September 09 sind noch keine Kurzarbeiterzahlen vorhanden).



Von den 6 Millionen Arbeitslosengengeldempfänger werden nur noch 54,2 % als arbeitslos registriert (Abb. 04980). Zwischen August 2006 und November 2009 ist der Anteil der arbeitslos Registrierten an allen Empfängern von Arbeitslosenhilfe von seinerzeit 67,3 % immer weiter gefallen (Abb. 14762). Immer mehr Arbeitslose befinden sich in Warteschleifen außerhalb der Statistik, wie oft nutzlosen Weiterbildungs- und Trainingsprogrammen, in niedrigst bezahlter Arbeit von 1 Euro und etwas mehr oder sind statistisch durch vielerlei Manipulationen schlicht ausgemerzt worden. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.



Doch für die neue Arbeitsministerin ist die Welt in Ordnung:

„Die Kosten der Krise am Arbeitsmarkt werden auf viele Schultern verteilt: Die Arbeitgeber investieren, um trotz fehlender Aufträge ihre Fachkräfte im Betrieb zu halten, die Arbeitnehmer akzeptieren Lohn- und Gehaltseinbußen, um ihre Jobs zu sichern und die Politik trägt durch die Finanzierung von Kurzarbeitergeld zur Stabilisierung bei. Dies ist eine tragfähige Basis für das kommende Jahr 2010."

Vielleicht sollte sich die Ministerin mal die Zahlen des Statistischen Bundesamt zu den Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen ansehen. Die sind nämlich in den bisher bekannt gegebenen ersten drei Quartalen 2009 um 21 % niedriger als in der Vorjahresperiode gewesen.

Eine ausführliche Analyse enthält der neue Schwerpunkt "Arbeitslos im Dezember"


Hier zu den Kommentaren.


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global news 1855 04-01-10: Die fetten Jahre der Unternehmens- und Vermögenseinkommen

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Es waren sieben fette Jahre zwischen 2003 und 2009 für die Unternehmens- und Vermögenseinkommen, wenn man sie mit den vorangegangenen sieben Jahren 1996 bis 2002 vergleicht. Der reale Zuwachs an Einkommen im Periodenvergleich belief sich auf rund 843 Mrd Euro. Dagegen konnte das Arbeitnehmerentgelt nur um knapp 193 Mrd Euro zulegen also nur um 23 % der Unternehmens- und Vermögenseinkommen (Abb. 14855). Dabei verteilt sich das Arbeitnehmerentgelt zudem auf eine ungleich größere Anzahl von Arbeitnehmern, als die Kapitaleigner und Hauptbegünstigten der Unternehmens- und Vermögenseinkommen zählen (wenn man die kleinen Sparer mal ausklammert).


Zwar waren die Unternehmens- und Vermögenseinkommen in der Krise eingebrochen, doch schon im dritten Quartal 2009 erholten sie sich um 11,6 % gegenüber Vorquartal (nach Abzug der BIP-Inflation). Da die Zinsen auf niedrigem Niveau verharrten, kann der Zuwachs nicht aus den Sparkonten der kleinen Leute kommen, deren Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer inflationsbereinigt nur um 0,9 % zulegten (Abb. 14849).


Dennoch erschallt schon wieder der Ruf aus dem Unternehmerlager und von den Wirtschaftsforschern, für Lohnzuwächse gäbe es kaum Spielraum - in diesem Jahr und womöglich auch im nächsten. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, bezeichnete das Potential für Lohnsteigerungen in BILD als „nahezu aufgefressen": „Angesichts der Krise hätten die Löhne in vielen Branchen eigentlich deutlich sinken müssen. Mit Kurzarbeit haben die Firmen Beschäftigung gehalten, aber dafür auch viel Geld bezahlt. Dieses Geld fehlt in den anstehenden Lohnrunden. Und Klaus Zimmermann, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin: „Die Firmen sitzen auf hohen Personalbeständen, die sie nicht entlassen haben. Die gleiche Loyalität sollten jetzt die Beschäftigten üben und mittelfristig Lohnzurückhaltung zeigen. Das kann in der einen oder anderen Branche auch eine zweijährige Lohnpause sein." Tarifexperte Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln: „Wir brauchen Lohnkürzungen, wo nötig, und Lohnerhöhungen, wo möglich. Die Marschrichtung muss sein, dass es streng genommen so gut wie nichts zu verteilen gibt."


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global news 1854 02-01-10: Der neue Klassenkampf von oben: Globale Plutokraten gegen den Rest der Welt

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Nach einem Kommentar in der sicher nicht zur Revolution geneigten Financial Times (internationale Ausgabe) ist die große Herausforderung des begonnenen Jahrzehnts, mit dem Heraufkommen einer globalen Plutokratie fertigzuwerden, nämlich die hyper-ausgebildeten und international orientierten Meritokraten, die die Hauptnutznießer der Globalisierung und der technologischen Revolution gewesen sind. Nach Wikipedia ist „Plutokratie oder Plutarchie" eine Staatsform, in der die Herrschaft durch Vermögen legitimiert wird, also die Herrschaft des Geldes (auch „Geldadel" genannt). Politische Rechte werden anhand des Einkommens vergeben. Die Plutokratie ist eine Unterform der Oligarchie.

Die FT verweist als Auslöser auf den Zusammenbruch des Kommunismus, die Verbreitung der wirtschaftlichen Globalisierung sowie die Auswirkungen von Internet und Computer. Überall wurden Mauern durchbrochen: die Berliner Mauer im wörtlichen Sinne, Handelsschranken, Informations- und Kommunikationsschranken. Im Finanzbereich waren es mitunter völlig unbekannte Spekulanten, die den großen Durchbruch schafften. Es gibt nie dagewesene Möglichkeiten für die Schlauesten und Raffiniertesten. Diesmal jedoch hat die Schwächung der alten Hierarchien nicht eine neue Gleichheit geschaffen, sondern die Gesellschaft noch ungleicher gemacht. Es gab einen „The winner takes it all"-Effekt. Die Mittelklassen haben gelitten. Die soziale Mobilität hat abgenommen. Der billige Kredit für die Armen maskierte die wachsende Ungleichheit. Doch die Krise, schreibt die FT-Kommentatorin, hat die Kluft zwischen der Plutokratie und dem Rest von uns zu einer drängenden politischen Angelegenheit gemacht.

Wie ungleich sich z.B. in USA der Zuwachs an Löhnen und Gehältern zwischen 1997 und 2004 verteilt, hat zeigt Abb. 05218. Die untersten 50 % der Haushalte hatten nur etwa halb soviel Anteil am Zuwachs wie allein die obersten 1 % der Haushalte. Ähnlich war die Entwicklung in vielen anderen Ländern um den Globus herum, auch in Deutschland, und noch viel extremer in China.



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global news 1853 01-01-10: Wie die Welt in weiteren zehn Jahren wohl aussehen wird

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Der Club of Rome hatte seinerzeit die Erschöpfung wichtiger Reserven der Welt über viele Jahrzehnte prognostiziert. Zukunftsforscher sind vielleicht schon im nächsten Jahrtausend. Einige Zukunftsfilme erst recht. Ich habe diesen Weitblick nicht. Doch zehn Jahre weiter möchte man schon sehen können. Stellen wir uns also Neujahr 2020 vor. Das Infoportal wird es dann nicht mehr geben, aber andere werden in die Bresche gesprungen sein.

Nach allen Trends wird Europa (und erst recht Deutschland) bevölkerungsmäßig wegen der besonders ungünstigen Geburtenentwicklung weiter zurückgefallen sein. Der Anteil an der Weltbevölkerung wird nach der UN-Prognose für 2050 von heute 10,6 % auf 7,6 % abgerutscht sein, derjenige Westeuropas sogar von 2,7 % auf nur noch magere 2,0 %. Im Jahr 2020 wird Europa bei 9,55 % liegen (Abb. 07317).


Viel stärker noch wird der europäische Anteil an der Weltwirtschaftsleistung abgeschmolzen sein, weil hier die aggressiven Schwellenländer, oft zweistellig, nach vorne preschen werden. Dagegen hatte z.B. Deutschland bereits im abgelaufenen Jahrzehnt nur noch ein durchschnittliches Jahreswachstum von etwas unter einem halben Prozent. Schon zwischen 1980 und dem Prognosewert des IWF für 2014 wird der Anteil der EU an der Weltwirtschaftsleistung von 31,7 % auf 25,5 % zurückgefallen sein (Abb. 07318).


Bei solchen Entwicklungen werden sich auch die politischen Machtverhältnisse in der Welt dramatisch verschieben. China führt derzeit auf vielen Bereichen von der Währungspolitik, dem Kampf um Rohstoffe bis in die internationale Umweltpolitik vor, was das bedeutet. Auch werden die Länder mit stark wachsender Wirtschaftskraft entsprechend mehr für die militärische Rüstung aufbringen können und bei stark wachsender Bevölkerung auch mehr Soldaten auf die Beine stellen; auch hier ist die Entwicklung in China ein gutes Beispiel.

Unschwer in allen Glaskugeln zu erkennen ist die weitere Beschädigung unserer Umwelt, die Erschöpfung und Verteuerung vieler Rohstoffe, besonders Erdöl, aber auch Trinkwasser, und alles das bei weiter steigender Bevölkerung und der Wirtschaftsleistung vor allem der asiatischen Schwellenländer. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 noch von heute 6,9 Mrd Menschen auf 9,1 Milliarden ansteigen, wenn die UN-Prognosen zutreffen (Abb. 0703). Allein in den 10 Jahren bis 2020 werden 0,8 Mrd hinzukommen. Das sind fast ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung von 1950, die sich damit in 2020 gegenüber 1950 mehr als verdreifacht haben wird. Der Anteil gerade der städtischen Bevölkerung, die besonders stark steigende Ansprüche an die Lebensqualität stellt, steigt erheblich steiler (Abb. 0705). Leben heute 3,5 Mrd Menschen in Städten, so werden es in 10 Jahren mehr als 4,2 Mrd sein. Fast die gesamte hinzukommende Weltbevölkerung wird also in Städten, sehr viele Megastädte, leben.



Weltenergieverbrauch (Abb. 0706) und globaler Frischwasserentzug (Abb. 0708) werden weiter rasant zunehmen. Bis 2020 werden die ersten Kriege um Wasser stattgefunden haben und auch viele mehr um Öl.



Natürlich werden die klimaschädigenden CO2-Emissionen weiter hochspringen (Abb. 07316). Dementsprechend werden die Temperaturen ihren Aufwärtsmarsch, den sie schon mit dem Beginn der Industriealisierung angetreten haben, beschleunigt fortsetzen (Abb. 07309).



Im engen Horizont bis 2020 werden Entlastungseffekte von internationalen Klimavereinbarungen nicht mehr zu erwarten sein. Sie waren bis dahin ohnehin nicht vorgesehen. Diese Entwicklung wird sich negativ auf die Landwirtschaft gerade der ärmsten Entwicklungsländer auswirken, die schon jetzt unter Trockenheit leiden und wahrscheinlich schon bis 2020 Migrationswellen nach Norden antreiben. Einige Küstenzonen und Inselgruppen werden bis 2020 bereits dem steigenden Meeresspiegel anheimgefallen sein. Australien z.B. beginnt bereits, einige strandnahe Siedlungen zu räumen.

Die Verteilungskämpfe werden durch die Globalisierung und den anhaltenden negativen Lohndruck aus den Niedrigstlohnländern wachsen. Die etwa 1,4 Milliarden Niedrig- und Niedrigstlöhner, die meist erst seit dem Fall der Berliner Mauer aus Osteuropa, China und anderen exportorientierten Schwellenländern vom globalen Kapital zunehmend in die Weltwirtschaft integriert werden, werden die Arbeitnehmer der alten Industrieländer weiter vor sich her den sozialen Hang hinuntertreiben und gleichzeitig die Profite der Unternehmen aus diesen Ländern und die Einkommen der Kapitaleigner nach oben.

Dabei werden immer mehr Hochtechnologiebereiche von aggressiven Schwellenländern, wie China, besetzt werden. Mit expandierenden Devisenreserven und Megainvestmentfonds werden sie jede notwendige Technologie, die sie nicht selbst entwickeln, in der Welt zusammenkaufen können. Im Jahr 2020 wird die deutsche Industrie auch bei modernen Elektroautos und Flugzeugen und vielem anderen technischen Gerät, vor allem im Energiebereich, mit billigeren Produkten gleicher Qualität aus Schwellenländern konkurrieren müssen. Diese Länder werden so viele neue Ingenieure ausbilden, daß die deutschen dagegen kaum noch ins Gewicht fallen. Wahrscheinlich werden bis 2020 die Handelskriege zunehmen und viele Märkte der alten Industrieländer abgeriegelt sein, um einen sozialen Mindeststandard zu wahren (ich hoffe das jedenfalls).

Die Welt wird per Internet und schnelle und immer billigere Kommunikation noch mehr zu einem großen Dorf geworden sein. Das Internet wird erlauben, eine wirksame Gegenöffentlichkeit aufzubauen und den Regierungen und herrschenden Gruppierungen wenigstens einige Grenzen zu setzen. Das kann die Demokratie in den alten Industrieländern trotz des globalen Drucks stabilisieren. Weltweit wird die Demokratie wegen der zunehmenden Spannungen, kaum Boden gewonnen haben. Undemokratische Länder, wie China, werden mit modernster Technologie die Überwachung der Bevölkerung noch verschärft und den Internetzugang zu ausländischen Medien abgewürgt haben.

Das größte Fragezeichen bis 2020 ist bei den Atomwaffen zu setzen. Wird es gelingen, bis dahin den Trend der Verbreitung, der in diesem Jahrzehnt Nordkorea hinzugefügt und den Iran näher herangeführt hat, zu stoppen? Ich fürchte: nein. Und was werden die Konsequenzen sein? Ich will sie mir nicht vorstellen.

Vielleicht hat die Menschheit aber über die nächsten 10 Jahre zu lernen begonnen, daß sie nur gemeinsam überleben oder untergehen kann. Zu schön, um wahr zu sein?


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global news 1852 30-12-09: Hält der Euro in 2010 zusammen?

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Das kommende Jahr wird zu einer echten Belastungsprobe für den Zusammenhalt des Euro. Es muß zeigen, ob Länder mit hohen Außenhandels- und/oder Haushaltsdefiziten, vor allem Griechenland und Italien, die Notbremse finden und ob notfalls die anderen Euroländer, vor allem Deutschland, Beistand leisten, wenn die Spekulation gegen Staatsanleihen dieser Länder losbricht. Gestern vergrößerte sich der Zinsabstand gegenüber deutschen Staatsanleihen weiter: bei Griechenland auf 2,39 % und bei Italien auf 0,76 %. Das sind klare Mißtrauenszeichen vom Markt.

Bei Griechenland erwartet die EU-Kommission im nächsten Jahr einen Anstieg der Verschuldung auf 124,9 % des BIP und des Haushaltsdefizits auf 12,2 %. Bei Italien soll die Verschuldung auf 116,7 % steigen (Abb. 16036). Das ist alles weit über der Maastrich-Grenze von 60 %.



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global news 1851 29-12-09: Immer mehr Haushaltslöcher, immer mehr Kreditaufnahme, immer mehr öffentliche Schulden

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Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, beläuft sich das kassenmäßige Finanzierungsdefizit der öffentlichen Haushalte für die ersten drei Quartale 2009 auf 96,9 Milliarden Euro. Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte sind gegenüber den ersten drei Quartalen 2008 um 7,9% auf 838,8 Milliarden Euro gestiegen. Die öffentlichen Einnahmen gingen dagegen um 2,4% auf 741,9 Milliarden Euro zurück.

Aufgrund des starken Zuwachses bei den öffentlichen Ausgaben bei gleichzeitigem Rückgang der Einnahmen lag das kassenmäßige Finanzierungsdefizit der öffentlichen Haushalte in den ersten drei Quartalen 2009 um 79,6 Milliarden Euro über dem im vergleichbaren Vorjahreszeitraum ausgewiesenen Defizit von 17,2 Milliarden Euro (Abb. 14852).


Die Nettokreditaufnahme zur Finanzierung des Defizits der öffentlichen Haushalte betrug im Berichtszeitraum 62,8 Milliarden Euro. In den ersten drei Vorjahresquartalen hatten die öffentlichen Haushalte dagegen noch eine Nettokredittilgung von 15,6 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Kreditmarktschulden der öffentlichen Haushalte erreichten zum 30. September 2009 den Stand von 1,6 Billionen Euro. Die Verschuldung der Gebietskörperschaften lag damit um 6,9% über dem Stand vom 30. September 2008 (Abb. 14853). Der Trend ist jedenfalls besorgniserregend.


Die öffentlichen Haushalte gaben in drei Quartalen 2009 bereits rund 54 Mrd Euro allein für den Zinsesdienst auf die Schulden aus. Auf das Jahr gerechnet sind das 3 % der deutschen Wirtschaftsleistung oder etwa zwei Drittel dessen, was Deutschland in die Bildung investiert. Und wenn die Zinsen wieder anziehen, die derzeit noch am Boden liegen, kann der Zinsesdienst schnell auf den Doppelten oder dreifachen Betrag steigen. Wer kann da eigentlich noch Raum für Steuersenkungen sehen?



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global news 1850 29-12-09: 2009: Das Jahr in dem sehr viel Vertrauen in das System verloren ging

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Das zu Ende gehende Jahr war für sehr viele Menschen auch das Ende jeden Vertrauens in die Spitzen von Regierung und Wirtschaft und in das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem überhaupt. Und es war ein Jahr wachsender Ängste.

Schon eine zu Beginn des Jahres durchgeführte europaweite Umfrage der EU-Kommission zeigte die Deutschen erneut als besonders skeptisch. 73 % sehen das Leben ihrer Kinder als schwieriger an als ihr eigenes, gegenüber 62 % im europäischen Durchschnitt.

Im ARD-Deutschlandtrend vom Februar bescheinigten nur 32 % der Bundesregierung eine klare Linie im Umgang mit der Krise; 52 % glauben sogar, die Bundesregierung habe den Überblick verloren. Nach einer Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration vom Mai verlassen jährlich Zehntausende Fachkräfte Deutschland. Nur wenige kehren zurück. Dabei sind die Auswanderer im Schnitt deutlich besser qualifiziert als die Erwerbsbevölkerung in Deutschland. Seit 2003 haben im Saldo unter Berücksichtigung der Rückkehrer rund 180.000 Fachkräfte Deutschland verlassen. Bereits seit mehr als 15 Jahren und in letzten Zeit verstärkt übersteigt die Zahl der Fortzüge diejenige deutscher Rückwanderer (Abb. 14678).


Im Juli wird gemeldet, Deutschland habe nach Japan und der Schweiz und noch vor USA nun mit fast 1 % den höchsten Anteil an Superreichen an der Bevölkerung (Abb. 03609). Dagegen meldet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung den Abstieg der Mittelschicht seit etwa dem Jahr 2000 und damit das zunehmende Erlöschen des einst optimistischen Feuers im Kern der Gesellschaft (Abb. 14099).



Im September bestätigt der OECD-Bildungsbericht: Deutschland liegt mit einer Hochschulabschlußquote von nur 23 % des Jahrgangs weit unter dem OECD-Durchschnitt von 39 % so ziemlich am Ende des internationalen Vergleichsfeldes (Abb. 13001). Auch beim Einsatz öffentlicher Mittel im Bildungssystem rangiert Deutschland weit unten und noch unter dem OECD-Durchschnitt (Abb. 13004).



Im August zeigt eine Umfrage von TNS Emnid, wie tief die derzeitige Krise in das Leben der Menschen eingreift. Fast 60 % glauben nicht, daß die Krise in zwei oder drei Jahren überwunden sein wird. Fast zwei Drittel haben das Vertrauen in die Politik verloren und erwarten negative Auswirkungen auf Einkommen und Vermögen. 55 % sehen eine Zeitenwende. Zu den Ergebnisse im einzelnen Abb. 16004.


Ein internationaler OECD-Vergleich der Armutsraten bei Kindern weist Deutschland mit einem der höchsten Anteile aus und weit höher als der OECD-Durchschnitt (Abb. 17800). Der Anteil von Kindern unter 50 % des Haushalts-Medianeinkommens ist bei uns mit 16 % sechsmal höher als in Dänemark. Deutschland landet auf dem fünftletzten Platz von 22 vor Irland, Portugal, Spanien und USA.


Auch nach dem neuen UN Entwicklungsbericht 2009 bleibt Deutschland in der Lebensqualität unter den höchstentwickelten Ländern auf Platz 22 hängen, weit hinter den meisten vergleichbaren Ländern, wie Frankreich, Österreich, Italien oder die USA (Abb. 13817).


Selbst die konservative Bertelsmann-Stiftung beklagte in einer neuen Studie im November, daß die Kluft zwischen niedrigen und mittleren Einkommen in Deutschland immer größer werde. Gleichzeitig seien neue Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor entstanden. Geringverdiener erzielten Ende der neunziger Jahre noch 64 % des Verdienstes eines Arbeitnehmers mit mittlerem Einkommen, doch erreichten sie 2007 nur noch 53 %. Dieser Rückgang sei im internationalen Vergleich der stärkste von 20 untersuchten OECD-Ländern. Die Lohnungleichheit habe mittlerweile das Niveau Großbritanniens und anderer Länder erreicht, die bei der Beschäftigungspolitik weniger auf den sozialen Ausgleich achten. Tatsächlich hat Deutschland in der Lohnspreizung zwischen dem untersten und dem mittleren Zehntel inzwischen eine Spitzenposition erreicht (Abb. 16028).


Der „Gesundheitsreport 2009" der Betriebskrankenkassen vom Dezember zeigt den starken Anstieg der psychischen Störungen auch in 2008 an (Abb. 04148).


Ausgerechnet die Bertelsmann-Stiftung meldet ebenfalls im Dezember, 70 % der im Rahmen einer Studie qualitativ Befragten hätten kaum noch Vertrauen in die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft oder in die sozialen Sicherungssysteme gezeigt (Abb. 14848).


Bereits im September ist die Beteiligung an der Bundestagswahl auf das niedrigste jemals gemessene Niveau gefallen (Abb. 16009).



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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.