Reihe 57 ab 12-06-09 ... ...

(1600) Die Eurostatdaten zeigen Deutschland auf dem Wege von der Sozialen Marktwirtschaft zur neoliberalen Spitzengruppe

(1599) Die Sintflut nach den Wahlen

(1598) Krisenanalyse: Am Anfang war die Gier der Kapitaleigner und Besserverdiener

(1597) Deutscher Einzelhandelsumsatz -0,8 % gegenüber Vorjahr, Aufträge im Maschinenbau -48 %

(1596) Nochmal Arbeitsmarkt: Wir durchleben in diesem Jahr eine total veränderte Situation

(1595) Trotz Kurzarbeitergeld steigt Arbeitslosenzahl bereits mit Jahresrate von 1,1 Millionen

(1594) Immer weniger Nachfrage nach Arbeitskräften

(1593) CDU-Wahlprogramm: Bisher nichts aus der Krise gelernt

(1592) Nun kommt auch die Bank der Notenbanken BIZ auf den Trichter der Finanzmarktkrise: "Weltweite Ersparnisschwemme vor der Krise ", kritisiert die Bankensanierung als zu schleppend, spricht aber nicht deren Fehler an

(1591) Sparrate der amerikanischen Haushalte von 0 % auf 7 % - bei Importen von minus 34 %

(1590) Deutschland mit Italien und Japan unter den drei besonders Krisengeschädigten der großen Industrieländer

(1589) Glücklicheres Frankreich: Tarifverdienste in 5 Jahren real plus 4,4 % bei nur 0,8 % für Deutschland

(1588) Industrieaufträge in der Alt-EU: Deutschland in der Schlußgruppe

(1587) Mit 86 Mrd Euro neue Schulden gegen 240 Mrd Euro Nachfrageausfall?

(1586) OECD: Wirtschaftsausblick 2010 ziemlich düster: 5,1 Mio Arbeitslose und Wirtschaftsstagnation auf Krisenniveau

(1585) Die Exportweltmeister stürzen ab

(1584) Exporteinbruch bei den wichtigsten deutschen Auslandsmärkten

(1583) Nochmals: Die Große Depression damals und heute aktualisiert

(1582) Und nun die GfK-Optimismus-Propaganda: Stimmungsmache mit Stimmungserwartung

(1581) EU-Statistikamt: deutsches Steuersystem besonders unsozial

(1580) Optimismuspropaganda mit Ifo

(1579) 2000 - 2010: 10 Jahre Globalisierung - eine für die alten Industrieländer sehr enttäuschende Bilanz

(1578) Die Weltwirtschaft auf dem Weg zu einer neuen niedrigeren Normalhöhe

(1577) Akt 2 der Bankenkrise unterwegs

(1576) Die "Zweite Große Depression" ist immer noch auf Kurs

(1575) Das große Angstsparen: Deutschland wird immer ungastlicher

(1574) Schuldenreport der Wohlfahrtsverbände und Verbraucherzentralen

(1573) Rückgang in der gewerblichen Wirtschaft Jan-April Beschäftigte -0,7 %, Lohn- und Gehaltssumme -4,8 %

(1572) China verschärft die globale Krise

(1571) Von den Schattenbanken zur Schattensanierung der Banken

(1570) Deutsche Unternehmen volle Fahrt in die Verlustzone: Ohne Rendite massive Entlassungen

(1569) Wie zu erwarten: Deutsche Unternehmensgewinne brechen um 70 % ein




global news 1600 03-07-09: Die Eurostatdaten zeigen Deutschland auf dem Wege von der Sozialen Marktwirtschaft zur neoliberalen Spitzengruppe

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Eurostat hat in einer neuen Fassung vom 15. Juni 2009 die Ginikoeffizienten der EU-Länder bis 2007 veröffentlicht. Sie zeigen, wie Deutschland mit wachsender Ungleichheit der Einkommensstruktur in den letzten Jahren zur neoliberalen Spitzengruppe mit Großbritannien, Spanien und Italien aufgeschlossen und im Vergleich zu Frankreich den umgekehrten Weg eingeschlagen hat (Abb. 13722). Es ist ein Dokument der Aufgabe des traditionellen Sozialmodells der Sozialen Marktwirtschaft.



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global news 1599 03-07-09: Die Sintflut nach den Wahlen

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Eine ziemlich unverantwortlich handelnde Politikerklasse der Regierungsparteien, auch noch unter Lobby-Druck, hat alle Entlastungmaßnahmen genau so eingerichtet, daß sie gerade noch vor den Wahlen greifen, z.B. die danach auslaufenden Subventionen für Kurzarbeit und das Abwracken von eigentlich noch ordentlichen PKWs (ohne Umweltauflagen für den Ersatz) oder nun die Entlastung der Bankaktionäre und Bank-Anleihezeichner durch ein nachgebessertes Bad-Bank-Konzept. Andererseits wurden alle bitteren Pillen, wie massive Steuererhöhungen, bis nach den Wahlen aufgeschoben. Das ist eine echte Politik des "Nach meiner Wiederwahl die Sintflut".

Das Kurzarbeitergeld läuft nach 24 Monaten aus. Ende 2010, wenn die Arbeitslosigkeit ihren vorausgesagten Höhepunkt mit über 5 Millionen Arbeitslosen erreichen wird, wird ein großer Teil des Programms schon im Auslaufen sein. Verdient haben daran nicht zuletzt die Arbeitgeber, denen bei der Nachbesserung alle Sozialbeiträge erlassen wurden. Dagegen sind die vor den Wahlen beschlossenen Konjunkturpakete viel zu klein, um die Katastrophe am Arbeitsmarkt nach den Wahlen zu verhindern. Nach Prognose der OECD wird Deutschland 2010 mit 11,6 % die höchste Arbeitslosenquote aller größeren Industrieländer (G7) haben (Abb. 13720).


Die Abwrackprämie, die total irreführend von der Bundesregierung als "Umweltprämie" bezeichnet wird, läuft im Februar 2010 aus, also noch weit vor dem Höhepunkt der Arbeitslosigkeit. Volkswagen rechnet daher im kommenden Jahr mit einem herben Absturz der Neuzulassungen in Deutschland. Bis zu eine Millionen Fahrzeuge dürften 2010 weniger verkauft werden. Grund ist das Auslaufen der Abwrackprämie. Nach VW sind 30 Prozent der aus der Umweltprämie generierten Verkäufe vorgezogen. Die gehen dann in 2010 von dem abgesenkten Niveau noch zusätzlich ab. Ohnehin hat die Absatzprämie in erster Linie dem Verkauf von im Ausland produzierten Kleinwagen gedient (Abb. 14646). Einer neuen Studie zufolge machen VW, Opel und Co. pro verkauftem Auto im Schnitt 1800 Euro Verlust. Laut Studie schwebten im vergangenen Jahr bereits 22 Prozent der europäischen Zulieferer in Insolvenzgefahr, Ende dieses Jahres könnten es 30 bis 50 Prozent sein.


Die Verschuldung Deutschlands baut sich nun dramatisch auf. 507 Milliarden Euro müssen sich Bund, Länder und Gemeinden laut "Handelsblatt" bis 2013 leihen. Deutschland muss damit so viele Schulden wie noch nie machen. Kommende Woche soll der Finanzplanungsrat die Rekordsumme absegnen. Insgesamt würde die deutsche Verschuldung damit auf bis zu zwei Billionen Euro anschwellen. Das wären 81 % der jährlichen Wirtschaftsleistung (der IWF erwartet bis 2014 sogar 91 %, Abb. 04065). Bei einem Zins von vier Prozent müßte der Staat dann jährlich 80 Milliarden Euro Zinsen zahlen - das entspricht etwa einem Sechstel der gegenwärtigen Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden. Dennoch verspricht eine unverantwortliche Politik Steuersenkungen.



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global news 1598 02-07-09: Krisenanalyse: Am Anfang war die Gier der Kapitaleigner und Besserverdiener

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Heute fand ich einen weiteren und unerwarteten Kronzeugen für den eigentlichen Entstehungsgrund der derzeitigen Krise. Ben Funnell ist Manager bei GLG, dem Private Equity Unternehmen mit 23 Mrd Dollar in gemanagten Anlagen, das 1995 von früheren Goldman Sachs Bankern gegründet wurde. In der Financial Times vom 1. Juli 2009 schreibt er unter dem Titel "Schulden ist das schmutzige kleine Geheimnis des Kapitalismus" ("Debt is capitalism's dirty little secret"):

"Das Schuldenvolumen der USA ist heute ein viel größeres Mehrfaches der amerikanischen Wirtschaftsleistung als vor der Großen Depression. Warum aber gibt es so viel Verschuldung, wo doch jeder Banker und Bankenaufseher weiß, daß das in Niemanden Interesses ist? Die Antwort ist das schmutzige kleine Geheimnis des Kapitalismus: Exzessive Kreditgewährung war der einzige Weg, den Lebensstandard der großen Mehrheit der Bevölkerung zu einer Zeit zu halten, als der Wohlstand in den Händen einer Elite konzentriert wurde. Nach einer Expertise der Societe Generale stieg das reale Einkommen des obersten Fünftels in USA seit 1970 um 60 %, während es für die übrigen Fünftel um mehr als 10 % gefallen ist. Die Walton-Familie, denen Wal-Mart gehört, ist heute wohlhabender als das ganze untere Drittel der US-Bevölkerung - etwa 100 Millionen Menschen. Der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP war vor dem Ausbruch der derzeitigen Krise auf einem 100-Jahre-Hoch.

Die Ergebnisse des wirtschaftlichen Wachstums gingen in die Taschen von Plutokraten statt in die der Mehrheit der Bevölkerung. Warum gab es dann keine Revolution? Weil es eine Lösung gab: Verschuldung. Wenn man es nicht verdienen konnte, konnte man es borgen. Billige Kredite wurden breit verfügbar gemacht. Finanzielle Innovationen, wie vermögensgestützte Wertpapiere (Anmerkung: dazu gehören die Subprime Hypothekenpapiere) halfen dem Prozeß. Wegen immer weiter ansteigender Hebelung (Anmerkung: Verhältnis von Schuld zu Eigenkapital) mußten die Zinsen niedrig gehalten werden, um nicht durch hohe Schuldenlasten den Verbrauch abzuwürgen. Niedrige Zinsen erhöhten dann wiederum die Kreditaufnahme und verschärften das Problem.

Wir sollten vorsichtig sein in der Verteilung der höheren Steuerbelastung, die wir notwendigerweise in der kommenden Dekade zu tragen haben. Einkommensunterschiede auf dem derzeitigen Niveau sind eine Zeitbombe, mit der man sich beschäftigen muß".

Wenn schon jemand aus dem neoliberalen Heuschrecken-Milieu zu solchen Erkenntnissen findet, warum nicht die deutsche Politik? Auch in Deutschland ist das Verhältnis der Einkommen des oberen Fünftels zu dem der unteren vier Fünftel immer weiter gestiegen und der sogenannte Gini-Koeffizient, der die Ungleichheit in einer Zahl reflektiert, immer höher geklettert (Abb. 03455). Deutschland gehört heute zu den europäischen Ländern mit der größten Einkommensdisparität (Abb. 12247, 13722).




Kein Wunder dann, daß die Netto-Sparrate Deutschlands (Bruttoersparnis minus Bruttoinvestitionen) zwischen 2001 und 2007 immer mehr gestiegen ist und der Anstieg etwa 7,5 Prozentpunkten am deutschen BIP entspricht, was nur von China und den Ölländern überboten wurde (Abb. 03965). Dieser Ersparnisanstieg, der nicht zuletzt aus der immer ungleicheren Einkommensverteilung kam, wurde auf Kredit ans Ausland gegeben und heizte die globale Kreditlawine weiter an.


Die Banken sorgten im Gegenzug für immer mehr und immer riskantere Anlagemöglichkeiten. Dabei war die Hebelrate von Anlagen zu Eigenkapital bei den Eurozonengroßbanken 2007 vor Ausbruch der Krise noch höher als bei den kommerziellen Banken der USA oder britischen Großbanken (Abb. 03966).


Auch das verrät die erhebliche Sparlawine meist wohlhabender Anleger aus Deutschland und der übrigen Eurozone. Am Beispiel der USA läßt sich gut zeigen, wie der Anteil des Eigenkapitals an den stark wachsenden Anlagen der Banken immer weiter absackte, von über 50 % im 19. Jahrhunderts auf weit unter 10 % im Jahr 2000 und seitdem noch weiter (Abb. 05181). Das Drahtseil, auf dem die Banken mit den explodierenden Einkommen der Wohlhabenden spekulierten, wurde immer dünner.



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global news 1597 01-07-09: Deutscher Einzelhandelsumsatz -0,8 % gegenüber Vorjahr, Aufträge im Maschinenbau -48 %

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Der deutsche Einzelhandel hat kalender- und saisonbereinigt im Mai real 0,8 % weniger umgesetzt als im Vorjahr (Abb. 14702); gegenüber dem Vormonat ergab sich ein leichtes Plus von 0,4 % (Abb. 04943). Von Januar bis Mai 2009 sank der Umsatz real um 2,3 % gegenüber Vorjahr. Von Einkaufsboom kann also weiterhin keine Rede sein.



In der deutschen Vorzeigebranche Maschinenbau, die knapp 1 Million Beschäftigte zählt, brachen die Aufträge im Mai erneut um dramatische 48 % gegenüber dem Vorjahresmonat ein (Abb. 14647). Die Verkürzung der Sinkrate gegenüber April beruht nur auf dem Basiseffekt von April 2008, bedeutet also keine Verbesserung. Selbst in dem von Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatszeitraum März bis Mai fielen die Bestellungen um 47 Prozent.



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global news 1596 01-07-09: Nochmal Arbeitsmarkt: Wir durchleben in diesem Jahr eine total veränderte Situation

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Wer noch glaubt, der Arbeitsmarkt habe bisher nur eine Delle bekommen, ..

wer glaubt, die Medien hätten heute eine korrekte Analyse verbreitet, indem sie ein Sinken der Arbeitslosenzahl oder eine - wenn auch verminderte - Frühjahrsbelebung verkündet haben ..

oder wer Meldungen geglaubt hat, die wieder einmal den Arbeitsmarkt von der Krise abgekoppelt darstellen, wie die der Süddeutschen Zeitung ("Mitten in der Krise fällt die Arbeitslosenquote: Die Zahl der Arbeitslosen ist leicht rückläufig") ..

der betrachte diese Darstellung in Abb. 14700, die die total andere Situation dieses Jahres deutlich werden läßt.


Außerdem hat sich bereits seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 der Abgang aus der Arbeitslosigkeit in Richtung Erwerbstätigkeit vermindert und ist dafür der Abgang in die Nichterwerbstätigkeit, die praktisch aus der Arbeitslosenstatistik herausfällt, deutlich gestiegen (Abb. 14701).



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global news 1595 30-06-09: Trotz Kurzarbeitergeld steigt Arbeitslosenzahl bereits mit Jahresrate von 1,1 Millionen

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Nun kommt die Weltwirtschaftskrise immer mehr am deutschen Arbeitsmarkt an. Die Leiharbeiter fliegen als erste aus den Jobs (-23,6 % im Juni gegenüber Vorjahr) und damit rächt sich die leichtsinnige Arbeitsmarktpolitik mit unsicheren Zeitverträgen auf die bitterste Weise (Abb. 14527). Die Zahl der Kurzarbeiter steigt steil (Abb. 14615). Die Nachfrage nach Arbeitskräften fällt deutlich (Abb. 14616).




Gegenüber Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosigkeit im Juni um fast 10 % (Abb. 04772).


Gegenüber dem Vormonat Mai waren das saisonbereinigt unter Einbeziehung der von Dritten betreuten Arbeitslosen 91.000 mehr (Abb. 04496). Das entspricht auf 12 Monate gerechnet einer Anstiegsrate von 1,1 Millionen (!), und das trotz Kurzarbeitergeld, das demnächst seine Wirkung verlieren wird. Und da meldet die Presse, wie SPIEGEL-online ein Sinken der Arbeitslosigkeit: "Zahl der Arbeitslosen sinkt nur leicht".


Der Beschäftigungsaufbau brach im letztgemeldeten Monat Mai noch mehr als schon im April auf negative Werte ein (Abb. 14041).


Von den Arbeitslosengengeldempfänger werden nur noch 57,5 % als arbeitslos registriert (Abb. 04980); vor zwei Jahren wurden noch mehr als 71 % registiert. Die Arbeitslosenstatistik ist also immer weniger aussagefähig, zumal nun seit Mai auch nicht mehr die von privaten Trägern betreuten Arbeitslosen mitgezählt werden. Wer staatliche Stütze braucht, hat eigentlich keinen richtigen Job.


Eine ausführliche Analyse bringt der neue Schwerpunkt „Arbeitslos im Juni 09".


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global news 1594 29-06-09: Immer weniger Nachfrage nach Arbeitskräften

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Die Nachfrage nach Arbeitskräften sank auch im Juni 2009 weiter. Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X) - ein Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland - ging im Juni um weitere 5 auf 120 Punkte zurück (Abb. 14616). Damit setzt sich auch im ersten Sommermonat der Abwärtstrend fort. Der Vorjahresabstand hat sich erneut deutlich verschlechtert und signalisiert noch immer eine hohe Abwärtsdynamik am ersten Arbeitsmarkt: Verglichen mit dem Juni 2008 lag die Arbeitskräftenachfrage insgesamt mit 49 Punkten im Minus, im Mai lag der Vorjahresabstand noch bei -43, im April bei -34. Die Arbeitskräftenachfrage erreicht damit den niedrigsten Stand seit Juli 2005. Diese rückläufige Nachfrage wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich weiter negativ auf die Beschäftigung auswirken.



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global news 1593 29-06-09: CDU-Wahlprogramm: Bisher nichts aus der Krise gelernt

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Die immer noch zunehmende schwere Finanz- und Wirtschaftskrise ist aus einer Ersparnisflut entstanden, die die Finanzmärkte geflutet hat; das ist auch die Analyse der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, die Bank der Notenbanken (siehe heutigen Rundbrief). Die Ersparnisflut kam vor allem aus China und Deutschland, wenn man die Ölländer des Nahen Osten wegen ihrer Sondersituation durch den Ölpreisboom einmal ausklammert. Zwischen 2001 und 2007, dem ersten Krisenjahr, hat Deutschland die ans Ausland ausgeliehenen Ersparnisse um 7.5 Prozentpunkte des BIP ausgeweitet (Abb. 03965).


Die Ersparnis wurde in Deutschland durch Lohndrosselung, Ablehung von flächendeckenden Mindestlöhnen (wie sonst in Europa) und andererseits steilem Anstieg der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen hochgefahren. Dazu beigetragen hat die fortschreitende Absenkung des Spitzensteuersatzes der Einkommensteuer von 56 % auf 47,5 % (Abb. 14658) und der Unternehmenssteuern von 57 % auf nur noch 30 % (Abb. 14659) sowie der Verzicht auf eine seriöse Besteuerung von Vermögen und Erbschaften (Abb. 12244).




Deutschland hat auch eines der niedrigsten Netto-Rentenniveaus bei Renten nach Niedrigeinkommen, von denen vor allem die Frauen betroffen sind (Abb. 12489), aber auch bei Durchschnittseinkommen (Abb. 12490).



Im Ergebnis wird Deutschland im Zeitraum 2001 bis 2010 mangels ausreichendem Masseneinkommen und damit einseitiger Exportabhängigkeit die höchste durchschnittliche Arbeitslosenquote haben, die nur noch von Griechenland und Spanien übertroffen wird (Abb. 13721).


Dennoch setzt die Bundesregierung auf ein "weiter wie bisher". Nun will die CDU entsprechend ihrem neuen Wahlprogramm trotz der immensen Verschuldung Steuern senken und dabei sogar den Einkommensbetrag, von dem an der erste Spitzensteuersatz greift, von 52.552 Euro auf 60.000 Euro erhöhen, also praktisch die Steuerlast auf Bestverdiener weiter absenken. Offensichtlich ist auch eine weitere Absenkung der Unternehmenssteuern geplant: "Wir werden der Unternehmensteuerreform krisenfest weiterentwickeln." Und natürlich wird ein Mindestlohn weiterhin strikt abgelehnt: "Das für ein menschenwürdiges Leben notwendige Einkommen sichert nicht ein einheitlicher, gesetzlicher Mindestlohn. Mit dem Mindestlohn werden Arbeitsplätze zerstört. Die Mini-Jobs sollen erhalten bleiben."


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global news 1592 29-06-09: Nun kommt auch die Bank der Notenbanken BIZ auf den Trichter der Finanzmarktkrise: "Weltweite Ersparnisschwemme vor der Krise ", kritisiert die Bankensanierung als zu schleppend, spricht aber nicht deren Fehler an

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In ihrem neuesten Jahresbericht von heute analysiert die BIZ die Auswirkungen der Krise. Ein kleines Kapitel beschäftigt sich unter der Überschrift "Vor der Krise" mit den Entstehungsgründen und notiert am Rande "Weltweite Ersparnisschwemme vor der Krise ". Darin wird dann ausgeführt:

"Der gegenwärtigen Krise ging eine erhebliche Veränderung der globalen Wirtschaftslage voraus. Ein wesentliches Element war der beträchtliche Anstieg der globalen Bruttoersparnis im Verhältnis zum BIP von rund 21½%. im Jahr 2001 auf fast 24½% im Jahr 2007. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung war die relativ hohe Sparquote der aufstrebenden Volkswirtschaften, in denen sich die Gesamtersparnisbildung von 2001 bis 2007 mehr als verdreifachte und die marginale Sparquote auf 43% anstieg. Die durchschnittliche Sparquote nahm in den meisten aufstrebenden Regionen zu, besonders deutlich aber in China und dem Nahen Osten. Außerdem ist die Investitionsquote in mehreren asiatischen Volkswirtschaften gegenüber dem Mitte der 1990er Jahre verzeichneten Niveau gesunken, was zu noch höheren Ersparnisüberschüssen geführt hat."

Die BIZ führt dann vor, wie China, Deutschland und Japan und vor allem die Länder des Nahen Ostens zwischen 2001 und 2007, dem Jahr des Ausbruchs der Krise, ihre Bruttoersparnis stark angehoben haben. Gleichzeitig hat vor allem Deutschland die Verwendung der Bruttoersparnis in Bruttoinvestitonen erheblich abgesenkt (Abb. 03964).


Im Ergebnis bildete sich in diesen Jahren eine Ersparnisschwemme vor allem in China (zusätzlich 9,7 Prozentpunkte des BIP), Deutschland (7,5) und dem Nahen Osten (14,6) heraus (Abb. 03965). Im Jahr 2007 lag dann der Saldo zwischen Bruttoersparnis abzüglich Bruttoinvestitionen für China bei 720 Mrd Dollar, Deutschland 209 Mrd Dollar und den Nahen Osten 346 Mrd Dollar, zusammen rund 1,3 Billionen Dollar.


Die BIZ beschäftigt sich auch ausführlich und kritisch mit der Bankensanierung. Hier ein Auszug:

"Vergangene Bankenkrisen haben gezeigt, dass die frühzeitige Bilanzwirksamkeit von Verlusten, kombiniert mit rascher, umfassender Intervention und Sanierung, entscheidend für eine zügige Erholung ist. Das Kreditgeschäft wird sich nicht normalisieren, bis in einem transparenten Prozess die Bilanzen saniert und die Banken rekapitalisiert sind. In der aktuellen Krise erfolgte der Fortschritt bei der Lösung dieser Probleme aber nur schleppend, was die Marktteilnehmer verunsichert hat. Damit war nämlich schwer einschätzbar, wer in welchem Umfang von Verlusten betroffen war und wann diese Verluste bilanzwirksam würden. Diese Unsicherheit hat einzig Bedenken geschürt und die staatlichen Bemühungen, das Vertrauen in den Finanzsektor wiederherzustellen, behindert."

Kritisch äußert sich die BIZ auch zu den Versuchen der Zentralbanken, die Kreditfunktionen der Banken zu ersetzen:

"Schließlich müssen die Zentralbanken unbedingt ihre Intermediationsleistungen am Interbankmarkt einstellen. Indem sie den angeschlagenen Märkten und Instituten Intermediationsaufgaben weitgehend abnahmen, haben die Zentralbanken dem Risiko Vorschub geleistet, dass der private Sektor außerstande sein könnte, diese Aufgaben in absehbarer Zeit und ohne Friktionen wieder selber zu erfüllen oder sie in neuer Form in Angriff zu nehmen."

Besonders vorsichtig und viel zu unkritisch geht die BIZ mit den derzeitigen Bemühungen der Regierungen zur Reform der Finanzmärkte und ihrer Kontrolle um:

"Während Notärzte vor allem das Leben ihrer Patienten retten wollen, steht in anderen medizinischen Bereichen die längerfristige Therapie im Vordergrund. Diese Situation lässt sich auf das Finanzsystem übertragen, das nun quasi in der Notaufnahme liegt. Die Politik ist einerseits noch mit dem Krisenmanagement beschäftigt, andererseits wird aber auch schon an einem stabilen Finanzsystem gearbeitet, das die Entstehung von Krisen weniger wahrscheinlich und weniger folgenreich machen soll. Ein perfektes, vollkommen krisensicheres Finanzsystem - das im Krisenfall aus eigener Kraft "normal" funktionsfähig bleiben kann - ist unmöglich zu erreichen, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen ist da die Innovation, ohne die es keinen Fortschritt gibt; zum anderen stoßen wir an die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft, insbesondere bei der Komplexität der dezentralisierten Finanzwelt."

Da findet sich kein Wort der Kritik an dem mangelnden Versuch der Regierungen, viel zu groß gewordene Banken zu zerschlagen (und die sind durch die krisenbedingten Fusionen eher noch größer geworden), oder das gefährliche Kasinoelement von dem normalen Bankengeschäft des Geldborgens und -ausleihens und damit der Steuerzahlergarantie zu trennen, wie das nach der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre geschah, oder endlich die Ratingagenturen unter strenge Kontrolle zu nehmen. Auch keine Kritik daran, daß sich die Reformbemühungen der Eurozone inzwischen einseitig auf Hedgefonds eingeschossen haben, bei denen die Krise gar nicht entstanden ist, während die Banken am Busen von Billigstkrediten der EZB, wie jetzt das Mammutpaket von 442 Mrd Euro für ein Jahr zu nur 1 %, versorgt werden, die sie dann in gutverzinsten Regierungsbonds anlegen und so erhebliche und total unverdiente Gewinne erwirtschaften können, statt Geld an die Realwirtschafts auszuleihen.

Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat recht, wenn er zu den amerikanischen Bankenrettungsmaßnahmen im britischen "Guardian" vom 23. Juni schreibt, was man auch zu den deutschen sagen muß:

"Bei finanziellen Rettungsmaßnahmen gehen die Aktionäre meistens leer aus und die Anleiheninhaber werden die neuen Aktionäre. Die Regierung behauptet, dass der Teufel los wäre, wenn man die großen Banken nach den üblichen Regeln behandeln würde. Deshalb könne man weder den Anleiheninhabern noch den Aktionären Verluste zumuten - auch dann nicht, wenn der Wert der Aktien fast nur noch aus Wetten auf eine Schuldenübernahme durch die Regierung besteht. Ich glaube, dass sich die Obama-Regierung dem Druck und der Panikmache der großen Banken gebeugt hat. Deshalb hat sie die Rettung der Banker und der Aktionäre mit einer Entschuldung der Banken verwechselt. Es ist klar, dass uns die Obama-Strategie jetzt und in Zukunft viel Geld kosten wird, obwohl sie bisher noch nicht einmal das Minimalziel erreicht hat, den Kreditfluss wieder in Gang zu setzen. Die Steuerzahler mussten Milliarden aufbringen und für weitere Milliarden bürgen - die in der Zukunft sehr wahrscheinlich fällig werden. Die Banken, die zu groß zur Restrukturierung sind, wissen, dass sie ungestraft zocken können, weil ihnen die US-Notenbank immer wieder Geld für nahezu null Prozent Zinsen zur Verfügung stellt, mit dem sie so weitermachen können wie bisher. Wir müssen die Banken, die so groß sind, dass sie nicht scheitern dürfen, zerschlagen; es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie der Gesellschaft die Kosten, die sie ihr aufgebürdet haben, jemals erstatten werden. Wenn wir sie schon nicht zerschlagen, müssen wir wenigstens ihre Handlungsspielräume entscheidend einengen. Was sie in der Vergangenheit getan haben, darf ihnen nicht mehr erlaubt sein - sie dürfen nicht mehr in der Lage sein, auf Kosten der Allgemeinheit zu zocken."


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global news 1591 28-06-09: Sparrate der amerikanischen Haushalte von 0 % auf 7 % - bei Importen von minus 34 %

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Es wird nun immer klarer, wie die USA als Konsumlokomotive der Weltwirtschaft ausfallen. Die persönliche Sparrate ist sensationell zwischen Mai 2008 und 2009 von wenig über 0 % auf fast 7 % hochgesprungen (Abb. 05179). Gleichzeitig fielen die Importe zwischen April 2008 und 2009 um 34 % zurück (Abb. 05178).



Die höhere Ersparnis ist nicht zuletzt durch den Fall der amerikanischen Nettovermögen der Haushalte und Non-Profit-Organisationen im 1. Quartal 09 um 16,3 % gegenüber dem Vorjahreswert bedingt (Abb. 05180). Auch wenn ein Teil des Anstiegs der Sparrate auf die hohen Transferleistungen und Steuererleichterungen des zeitweisen US Konjunkturprogramms zurückzuführen sein mag, so scheint doch eine grundsätzlich neue Entwicklung begonnen zu haben. Der zweitwichtigste deutsche Exportmarkt wird damit für längere Zeit nach unten durchhängen.



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global news 1590 27-06-09: Deutschland mit Italien und Japan unter den drei besonders Krisengeschädigten der großen Industrieländer

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Nach der OECD-Projektion wird Deutschlands Wirtschaft in diesem Jahr besonders stark abstürzen. In den Jahren seit 2000 entwickelt sich unter den G7-Ländern nur in Italien und Japan die Wirtschaft ähnlich schlecht (Abb. 13719). Die deutsche Arbeitslosigkeit wird im kommenden Jahr die höchste unter den G7 sein.



Derzeit sieht es so aus, als kämen die USA wesentlich schneller aus der Krise als Deutschland. Die OECD erwartet bereits für 2010 ein schwaches Wachstum in den USA von fast 1 %, während für Deutschland Stagnation auf dem durch die Krise abgesenkten Niveau vorausgesagt wird. Der Index für das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher der Nachrichtenagentur Reuters und der Universität Michigan kletterte im Juni nach endgültigen Berechnungen vom Freitag auf 70,8 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Februar 2008 (Abb. 13405). Im Mai stiegen die Konsumausgaben um 0,3 Prozent, das war das erste Plus seit drei Monaten, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte und deutet ebenfalls ein Erreichen der Talsole an (Abb. 05117). Allerdings fallen die Immobilienpreise immer noch und steigt die Arbeitslosigkeit weiter.




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global news 1589 27-06-09: Glücklicheres Frankreich: Tarifverdienste in 5 Jahren real plus 4,4 % bei nur 0,8 % für Deutschland

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Die Tariflöhne sind in Frankreich in den letzten Jahren verbraucherpreisbereinigt erheblich stärker gestiegen als in Deutschland (Abb. 12554). Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede im Baugewerbe und im Handel, wo die deutschen Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt der letzten vier Jahre jeweils 1,6 % verloren haben, während die französischen Arbeitnehmer 1,4 % (Bau) bzw. 1.0 % (Handel) dazugewonnen haben.


Das Gesamtlohnverhältnis hat sich noch stärker zum Nachteil Deutschlands entwickelt, weil in Frankreich die Mindestlöhne zum Tragen kommen.

Die stangulierte deutsche Massenkaufkraft zeigt sich auch in der gesamten Wirtschaftsentwicklung (Abb. 13718).



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global news 1588 26-06-09: Industrieaufträge in der Alt-EU: Deutschland in der Schlußgruppe

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Die heute bekanntgegebenen Daten zu den Industrieaufträgen zeigen Deutschland in der Schlußgruppe mit einem Abstieg gegenüber dem Basisjahr 2007 vor der Krise von mehr als 34 %, nur noch unterboten von Luxemburg, Niederlande und Spanien. Der durchschnittliche Rückgang lag bei 31 % (Abb. 13717).



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global news 1587 26-06-09: Mit 86 Mrd Euro neue Schulden gegen 240 Mrd Euro Nachfrageausfall?

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Folgt man den Annahmen der OECD (siehe Rundbrief), so verliert Deutschland allein in diesem Jahr etwa 240 Mrd Euro an Export und Bruttoinvestitionen. Das sind rund 10 % der gesamten Wirtschaftsleistung (BIP). Auch im kommenden Jahr soll dieser Betrag bei wenig Aufwärtsentwicklung von Exporten und Investitionen fehlen. Ebenfalls am BIP gemessen erwartet die OECD, daß das deutsche Konjunkturpaket über zwei Jahre nur etwa 3,2 % des BIP bringt, macht pro Jahr ganze 1,6 %. Die Gesamtwirtschaftsleistung soll etwas weniger zurückgehen, als die 10 % bedeuten würden, weil die OECD noch einen Anstieg des privaten Verbrauchs im laufenden Jahr von 0,4 % erwartet und weil bei weniger Export auch weniger Import gegenzurechnen ist.

Doch der Arbeitsmarkt reagiert allein auf den Nachfrageausfall von ca. 10 % der deutschen Wirtschaftsleistung. So erklärt sich die OECD-Annahme eines Anstiegs der amtlichen Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf 8,7 % und dann im kommenden Jahr auf 11,6 %. Rechnet man die Zahl derer hinzu, die - auch als Folge vieler Manipulationen an der Statistik - zwar nicht als arbeitslos registriert werden, aber Arbeitslosengeld bekommen, so ergibt sich eine horrende Arbeitslosenquote von fast 18 % (Abb. 14698). Die OECD vermeidet allerdings, daraus Konsequenzen für den privaten Verbrauch zu ziehen und nimmt trotzdem nur einen leichten Rückgang von 0,3 % im kommenden Jahr an. Doch das kann leicht mehr werden und dann die Arbeitslosigkeit weiter hochtreiben. Sehr leicht kann also jeder fünfte potentielle Arbeitnehmer arbeitslos oder in versteckter Arbeitslosigkeit sein.


Sollte diese Entwicklung anhalten, so wird Deutschland an die Grenze seines sozialen Zusammenhalts geraten. Allgemeine Steuererhöhungen, vor allem der MWSt, wie sie jetzt für die Zeit nach den Wahlen diskutiert werden, helfen da überhaupt nicht, weil sie die Nachfrage nur weiter drosseln würden. Helfen zur Finanzierung weiterer dringend notwendiger Konjunkturprogramme könnten nur massive Steuererhöhungen auf höhere Einkommen und Vermögen, weil die zu keiner Verbrauchseinschränkung führen würden. Helfen würde auch eine Verstaatlichung der Banken (soweit sie nicht schon staatlich sind), um die Kreditblockade zu brechen und die Weitergabe der Zinssenkungen durch die EZB zu erzwingen. Das wäre allemal besser, als weiter hohe Gelder für eine nicht wirksame Sanierung zu verschwenden, die nur Aktionären und Management hilft.

Helfen würde schließlich eine deutliche Anhebung der Sozialleistungen, weil hier das größte derzeit versperrte Nachfragepotential liegt. Wie schlecht sich Deutschland bei den Sozialleistungen vergleicht, zeigt gerade wieder eine Vergleichsstudie der OECD (Abb. 13716). Danach sind die deutschen Renten für Geringverdiener, zu denen viele Frauen wegen der Ausfallszeiten durch Kindererziehung zählen, besonders niedrig. Die OECD warnt daher vor den Defiziten in den Alterssicherungsnetzen bei Deutschland und Auch Japan sowie USA.



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global news 1586 25-06-09: OECD: Wirtschaftsausblick 2010 ziemlich düster: 5,1 Mio Arbeitslose und Wirtschaftsstagnation auf Krisenniveau

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Die sonst immer zu eher übertriebenem Optimismus neigende OECD erwartet nun bei Deutschland für 2010 kein Ende der Wirtschaftskrise. Nach einem Abstieg der Wirtschaftsleistung um 6,1 % in 2009 soll es in 2010 mit einem mageren Plus von nur 0,2 % praktisch zur Stagnation auf dem abgesenkten Niveau kommen. Die Arbeitseinkommen sollen nach bereits -2,4 % in 2009 um weitere 3,2 % fallen und damit auch der private Verbrauch um 0,3 %. Der Export soll sich nach einem steilen Absturz um 18,9 % in diesem Jahr mit plus 0,9 % kaum erholen. Die Investitionen sollen sich nach einem starken Rückgang um 10,9 % in 2009 mit nur +0,2 % im Kriechgang befinden. In der Folge soll die Arbeitslosenrate steil von 8,7 % auf 11,6 % ansteigen, was 5,1 Mio Arbeitslosen entspricht (Abb. 13715), angesichts der vielen Manipulationen der jüngsten Zeit wahrscheinlich die höchste Arbeitslosigkeit in der deutschen Nachkriegsgeschichte; jedenfalls ergibt sich das, wenn man die nicht als arbeitslos registrierten Arbeitslosengeldempfänger hineineinrechnet, was zu einer realistischeren Arbeitlosenquote von fast 18 % in 2010 führt (Abb. 14698).




Im Vergleich mit dem OECD-Durchschnitt sind fast alle deutschen Werte, wie die Tabelle in der Abbildung zeigt, erheblich schlechter, so BIP, Export, Arbeitseinkommen (siehe Arbeitskosten), privater Verbrauch, Arbeitslosenrate. Bis auf Irland und Spanien wird Deutschland vor allem die höchste Arbeitslosenrate unter allen westlichen Ländern haben (ohne EU-Beitrittsländer). Auch das deutsche Konjunkturpaket ist bezogen auf das BIP kleiner als der OECD-Durchschnitt.

Deutschland und andere Eurozonenländer leiden dabei unter der schlechten Situation ihrer Banken mit schrumpfender Kreditentwicklung (Abb. 03962). Obwohl die Eurozonenbanken von der Krise stärker belastet sind als die in USA und Großbritannien, haben die Regierungen hier viel weniger zur Rekapitalisierung der Banken beigetragen (03963).



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global news 1585 24-06-09: Die Exportweltmeister stürzen ab

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Die letzten Exportergebnisse im Vergleich zum Vorjahr für Deutschland -28,7 % (April), China - 26,4 (Mai) und Japan -40,9 % (Mai). Ein Ende des Abwärtstrends ist noch nicht zu erkennen (Abb. 03866).


Damit ist der Absturz noch viel stärker als bisher der Rückgang des Welthandels um etwa 15 % (Abb. 03961).



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global news 1584 24-06-09: Exporteinbruch bei den wichtigsten deutschen Auslandsmärkten

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Im ersten Quartal dieses Jahres ist der Export verglichen mit dem Vorjahr gerade auf den wichtigsten Auslandsmärkten stark eingebrochen. Die ersten drei verzeichneten mit Frankreich -18,1 %, USA -26,4 % und Großbritannien -28,3 % hohe Verluste, aber auch bei Italien -20,3 % und Rußland -31,4 % waren die Rückgänge hoch (Abb. 14695).



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global news 1583 24-06-09: Nochmals: Die Große Depression damals und heute aktualisiert

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Die beiden Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen von der University of California at Berkeley und Kevin O'Rourke vom Trinity College, Dublin, haben ihren historischen Vergleich der beiden Krisen aktualisiert und auch auf einzelne Länder, wie Deutschland, ausgedehnt. Es zeigt sich erneut, daß sich die derzeitige Krise bisher noch schlimmer entwickelt als die der 30er Jahre.

Das gilt zunächst für die Industrieproduktion.






Das gilt aber vor allem für den Welthandel und den Aktienmarkt.



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global news 1582 23-06-09: Und nun die GfK-Optimismus-Propaganda: Stimmungsmache mit Stimmungserwartung

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Die kommen immer in der gleichen Reihenfolge: ZEW (Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung), Ifo und GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) und versuchen uns monatlich mit ihren hübsch frisierten Umfrageergebnissen zum Geldausgeben zu bewegen. Ein über das andere Mal wird Optimismus angesagt, auch wenn die nackten Umfrageergebnisse das oft gar nicht einmal belegen. Nun ist heute wieder einmal GfK dran. Die macht es ganz griffig: "Konsumklima - Kauflaune trotz Krise" ist die Überschrift. Dabei ist der Konsumindex gerade einmal von einem tiefen 2,5 auf einen immer noch sehr tiefen 2,6 Wert gestiegen (Abb. 04711). Auch der noch unsichere Index der Erwartungen an die Zukunft liegt mit -22,6 weiterhin ziemlich tief (Abb. 04917).



Erst im Kleingedruckten finden sich dann die Vorsichtsvorbehalte: "So legen die Konjunkturaussichten moderat zu. Ein Grund dafür dürfte der noch recht robuste Arbeitsmarkt sein." Nun weiß jeder, daß es mit dem Arbeitsmarkt selbst bei getürkten Zahlen nicht besonders gut aussieht. Dennoch stürzen sich die Medien wieder einmal auf eine solche Meldung, vergessen das Kleingedruckte und hübschen die Meldung weiter auf. Den Vogel schießt dabei wieder einmal der neoliberal gewandelte SPIEGEL ab:

"Kauflaune steigt auf höchsten Stand seit einem Jahr: Die Deutschen trotzen der Rezession - und hoffen auf ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt. Nach den jüngsten Erhebungen hat sich das Konsumklima verbessert. Der GfK-Index kletterte von 2,6 auf nun 2,9 Punkte."

Dabei stieg der Index nur von 2,5 auf 2,6 und sind die 2,9 eine Stimmungserwartung der GfK für den Monat Juli und damit Wochen bevor diese Umfrage stattfinden wird. Hier wird die Stimmung schon mit Stimmungserwartungen gemacht.

Und natürlich gehört beim SPIEGEL ein suggestives Photo mit vollen Einkaufstaschen dazu. Sind wir wirklich so blöd, auf solche Propaganda mit gezücktem Portemonaie hereinzufallen?



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global news 1581 23-06-09: EU-Statistikamt: deutsches Steuersystem besonders unsozial

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Nach der heutigen Eurostat-Meldung liegt die deutsche Steuerlast als Anteil am Bruttoinlandsprodukt mit 39,5 % im westeuropäoischen Mittelfeld und noch unter dem Durchschnitt (Abb. 13711).


Allerdings hat Deutschland mit 24,4 % den zweitniedrigsten Steuersatz auf Kapital (Abb. 13712), und gleichzeitig den siebenhöchsten auf Arbeit (Abb. 13713), weit unter bzw. über dem Durchschnitt. Zwischen 2000 und 2008 wurde in Deutschland der höchste Regelsatz für die Einkommenssteuer um 6,3 %, für die Körperschaftssteuer bis 2009 sogar um 21,8 % abgebaut, während hier der durchschnittliche Abbau in der Alt-EU nur bei 9 % lag.




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global news 1580 22-06-09: Optimismuspropaganda mit Ifo

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Da fällt die Beurteilung der derzeitigen Lage auf den tiefsten Stand (Abb. 04731) und auch das Gesamtbild einschließlich der immer unsicheren Zukunftserwartungen ist trotz einer kleinen Verbesserung immer noch recht mies (Abb. 14051).



Und doch erfreut uns Ifo mit der Meldung: "ifo Geschäftsklima etwas aufgehellt. Die Befragungsergebnisse untermauern, dass sich die deutsche Wirtschaft allmählich stabilisiert." Daraus machen die Medien dann gleich flugs das Ende der Krise. Hier einige Schlagzeilen:

SPIEGEL: "Besseres Geschäftsklima nährt Hoffnungen auf Konjunkturwende"

FAZ: "Ifo-Geschäftsklima hellt sich deutlich auf"

Handelsblatt: "Ifo-Index zeigt Trendwende für die Wirtschaft an"


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global news 1579 22-06-09: 2000 - 2010: 10 Jahre Globalisierung - eine für die alten Industrieländer sehr enttäuschende Bilanz

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In der deutschen Wirtschaftswissenschaft wird die Globalisierung in allen Lagern auch heute noch gefeiert. Da wird die durchschnittliche Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und der Einkommen zitiert, ohne die ständig fallende Tendenz über diesen Zeitraum maximaler weltwirtschaftlicher Öffnung ins Visier zu nehmen. Da wird auch für Deutschland eine solche Rechnung aufgemacht, die als Durchschnittswert der Jahre 2000 bis 2008 mit 1,3 % immer noch positiv ausgefallen sei. Daß es nicht mehr geworden sei, hätte nur an der falschen Politik der Lohnzurückhaltung gelegen, sagen kritische Wirtschaftswissenschaftler und knüpfen die Forderung daran, die Gewinne aus der Globalisierung breit zu verteilen. Als sei alles so einfach.

Doch die Realitäten sehen anders aus. Erstens ist nicht nur in Deutschland mit seiner besonderen Lohnzurückhaltung die durchschnittliche Wachstumsrate in gleitenden 5-Jahresschritten immer weiter gefallen (Abb. 04102). Das gilt ebenso für die Eurozone insgesamt (Abb. 04105) und die USA (Abb. 05177). Die Trends beschreiben eine enttäuschende Dekade, die nun in der großen Krise endet. Zufriedenheit mit zeitweisen Wachstumsraten ist nicht angebracht. Die alten Industrieländer zählen mehr oder weniger alle zu den Verlierern dieser Entwicklung trotz oder wegen immer mehr Globalisierung.




Die Gründe liegen auf der Hand. In der gleichen Periode wurde die Produktivität menschlicher Arbeitskraft weiter gesteigert und wurden vor allem ca. 1,5 Milliarden Arbeitskräfte auf niedrigstem Lohnniveau schrittweise in die Weltwirtschaft integriert. So hat sich nach Schätzungen von Harvard Professor Richard Freeman nur durch das Hinzukommen von China, Indien und des früheren Ostblocks die Zahl der Arbeitskräfte im gemeinsamen Wirtschaftssystem weltweit von 1,46 Milliarden auf 2,93 Milliarden verdoppelt, ohne daß das nach Arbeit suchende Kapital entsprechend zunahm. Eine solche einseitig exportangetriebene Entwicklung der Neuankömmlinge konnte nicht ohne gravierende Auswirkungen auf das Lohnniveau in den alten Industrieländern bleiben, zumal sich der stärkste neue Wettbewerber China mit viel Dumping und Wechselkursmanipulation durchgesetzt hat. Nicht nur in Deutschland wurde die Lohnentwicklung - oft unter Verlagerungsdrohungen - brutal gebremst. In einer solchen Situation helfen auch Mindestlöhne nur begrenzt, wie die Lage in den anderen Eurozonenländern zeigt.

Solange nicht wirksame Sozialklauseln und Regeln gegen Wechselkursmanipulation und Umweltdumping in die Welthandelsorganisation kommen und die zulässigen Antidumpingzölle nicht wirksamer verhängt werden, wird der Ruf nach einer breiteren Verteilung angeblicher Gewinne aus der Globalisierung wirkungslos verhallen. In vielen anderen alten Industrieländern ist die kritische Wirtschaftswissenschaft schon an diesem Punkt angekommen. Warum nicht in Deutschland?


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global news 1578 21-06-09: Die Weltwirtschaft auf dem Weg zu einer neuen niedrigeren Normalhöhe

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Überall haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten dramatische Überkapazitäten aufgebaut. Die gehen weit über die Automobilindustrie hinaus. Auf der Basis von Exportkrediten sind unhaltbare Kapazitäten in den Hauptexportländern Deutschland, China und Japan entstanden, die ohne die Kreditblase nicht mehr zu halten sind. Die Situation in USA zeigt sehr deutlich, daß auch in den Schuldnerländern die Kapazitäten weit über das hinausgehen, was an Produktion gebraucht wird. Seit den 60er Jahren ist die Kapazitätsauslastung ständig bei konjunkturellem Auf und Ab weiter gefallen (Abb. 05176).


Zum Mißverhältnis zwischen Produktionskapazität und Nachfrage trägt die in fast allen größeren Volkswirtschaften stark alternde und zu besonderer Sparsamkeit neigende Bevölkerung bei. Dazu kommt die immer einseitigere Einkommensverteilung, die bei traditionell verbrauchsstarken Bevölkerungsschichten die Kaufkraft drosselt (Abb. 14648 und 13686). Schuld daran ist in Deutschland vor allem die seit Jahren real negative Lohnentwicklung, was zum großen Teil an der Konkurrenz billigster Arbeitskräfte aus China und Osteuropa liegt, aber auch am Fortschritt der Automatisierung und Produktivitätssteigerung.




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global news 1577 20-06-09: Akt 2 der Bankenkrise unterwegs

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Akt 1 der deutschen Bankenkrise hält noch an, nämlich die gewaltigen Abschreibungen auf die hochriskanten Papiere, wie amerikanische Suprime Hypotheken, und die entsprechenden noch in den Bilanzen versteckten Risiken. Die Zinsaufschläge für mit Vermögenswerten besicherte Papiere (ABS) sind über die letzten 12 Monate erheblich weiter gestiegen bis fast 10 %, was die enormen Risiken anzeigt (Abb. 03960).


Nun in Akt 2 kommt das normale Kreditgeschäft der Banken an Unternehmen und Privathaushalte unter zunehmenden Verlustdruck, da Unternehmen durch die Krise in Verschuldungsprobleme geraten und ebenso Privathaushalte besonders durch die wachsende Arbeitslosigkeit. Die Erzeugerpreise der Unternehmen (ohne Energie) lagen im Mai nach der heutigen Meldung des Statistischen Bundesamts um mehr als 2,5 % unter dem Vorjahresmonat und spiegeln sehr deutlich die verschlechterte Absatzlage der deutschen Unternehmen in einer zunehmend deflationären Entwicklung wider (Abb. 14689). Das zeigt sich auch an dem weiterhin hohen Zinsaufschlag auf die Versicherung von nicht als besonders sicher gewerteten Unternehmensbonds von 7,3 % mehr als vor der Krise (Abb. 03636).



Nun sagt die EZB für die Eurozonenbanken weiter Abschreibungen in Höhe von 283 Mrd Dollar voraus, die im wesentlichen aus dem Kreditgeschäft kommen sollen. Da bereits 365 Mrd Dollar abgeschrieben wurden, würde der Gesamtbetrag 648 Mrd Dollar erreichen. Allerdings hat der Internationale Währungsfond gerade im April die Verluste der Eurozonenbanken viel höher, nämlich auf 900 Mrd Dollar geschätzt. Gegen die Verluste stehen evtl. künftige Gewinnne der Banken. Dazu die EZB wörtlich:

"Es gibt jedoch einen hohen Grad an Unsicherheit bei den Aussichten für die Profitabilität der Banken, was es sehr schwierig macht, die künftigen Bankgewinne mit einem ausreichenden Grad an Genauigkeit vorauszusagen."

Auch die Finanzmarktstabilisierungsanstalt Soffin befürchtet zunehmende Eigenkapital-Probleme bei deutschen Banken. Die angekündigte Rating-Herabstufung bei strukturierten Wertpapieren drohe, "den konjunkturell bedingten Anstieg der Risikoaktiva großer deutscher Banken massiv zu verschärfen", heißt es in einem Positionspapier des Bankenrettungsfonds, das dem "Handelsblatt" und der Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegt. "Dadurch wird deren ausreichende Kapitalisierung gefährdet sein."


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global news 1576 19-06-09: Die "Zweite Große Depression" ist immer noch auf Kurs

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Als ich vor wenigen Wochen mein letztes Buch "Die zweite Große Depression" zu Ende schrieb, war ich mir noch nicht absolut sicher, ob sich die Depression das Beiwort "Große" verdienen würde. Ich bin auch heute nicht absolut sicher. Doch leider fühle ich mich immer sicherer und das besonders bei Deutschland. Je mehr derzeit auf Optimismus gemacht wird, umso dünner scheint mir das Eis unter unseren Füßen zu werden.

Selbst der Kommentator der Financial Times Martin Wolf schreibt heute eine Analyse unter dem Titel: "Wie die heutige globale Rezession die Große Depression nachzeichnet". Viele Entwicklungen laufen heute sogar schneller nach unten als damals, besonders das Produktionsvolumen (Abb. 03946), die Aktienkurse (Abb. 03950) und vor allem der Welthandel, wobei der deutsche Export schon bis heute so tief gefallen ist wie der Welthandel in den 30er Jahren erst nach dem dreifachen Zeitablauf (Abb. 03947).




Auch machen sich bei der jetzigen Krise im Welthandel starke politische Bremsen bemerkbar, wie die Subventionierung nationaler Unternehmen zum Nachteil der ausländischen Konkurrenz, eine Beeinflussung der Wechselkurse oder jetzt das "Buy China" - ausgerechnet in dem Land verhängt, das die bei weitem größten Exportüberschüsse der Welt aufgebaut hat. Für ausländische Erzeugnisse gibt es nur noch unter strengen bürokratischen Auflagen Zuschüsse aus dem chinesischen Konjunkturpaket. Sie dürfen laut einer neuen Regierungsweisung nur mit Genehmigung der zentralen Planungsagentur oder anderen betroffenen Behörden angeschafft werden, heißt es in einer Direktive der Regierung. China ist Mitglied in der Welthandelsorganisation (WTO) und darf ausländische Produkte daher nicht diskriminieren. Ein Zusatzprotokoll, das jene Vorschrift auch auf staatliche Anschaffungen ausweitet, hat China jedoch bislang nicht unterschrieben. Da erinnert wieder vieles an die 30er Jahre.

Ob die massive Liquiditätsflutung den Gleichklang zu der letzten "Großen Depression" beenden kann, wird sich erst noch zeigen müssen.


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global news 1575 18-06-09: Das große Angstsparen: Deutschland wird immer ungastlicher

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Nun gehen die deutschen Verbraucher auch immer mehr beim Gastgewerbe auf die Sparbremse. In den ersten vier Monaten dieses Jahres lagen die Ausgaben real um 7 % unter dem Vorjahreszeitraum. Dabei verzeichneten die Gaststätten 5,4 %, das Beherbergungsgewerbe sogar 9,7 % weniger Einnahmen (Abb. 14694). Damit setzt sich der negative Trend aus 2008 verstärkt fort.



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global news 1574 17-06-09: Schuldenreport der Wohlfahrtsverbände und Verbraucherzentralen

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Der neue Schuldenreport wirft etwas Licht in das Halbdunkel der Überschuldung vieler deutscher Haushalte. Die Experten gehen von etwa drei bis vier Millionen überschuldeten Privathaushalten in Deutschland aus. Das sind die, bei denen die Lebenshaltungskosten, Raten und Rechnungen höher sind als die monatlichen Einnahmen. Hauptgrund ist bei 29 Prozent der Betroffenen Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen Einkommenseinbußen. Erst danach kommen als zweitwichtigste Ursache mit 14 % andere Veränderungen der Lebensumstände wie Trennung, Scheidung oder Tod des Partners (Abb. 14693). Bei alleinerziehenden Müttern mit mehr als einem Kind ist das sogar die häufigste.


Die höchsten durchschnittlichen Schulden fallen bei Immobilienschuldnern an (Abb. 14691). Die meisten Forderungen liegen unter 10.000 Euro (Abb. 14692).



Bei 56 Prozent der Betroffenen lag das monatliche Nettoeinkommen unter 900 Euro. Von der Gesamtsumme der Schulden in Höhe von durchschnittlich 36.000 Euro entfallen rund 60 Prozent auf rückständige Kredite, von denen fast 10.000 Euro in Form von Ratenkrediten gewährt worden waren. Dazu der Report:

"Die Verbraucher mit dem niedrigsten Einkommen bezahlen die höchsten Zinsen. Bei Zahlungsschwierigkeiten werden den Betroffenen oft überteuerte Umschuldungen angeboten, die sie noch tiefer in das Schuldenkarussell treiben. Beim Abschluss eines Vertrags legen Bankmitarbeiter mehr Wert auf ihre eigene Provision als auf eine angemessene Beratung. Wenn man seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, besteht ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko. Hinzu kommt, dass Menschen mit extremen finanziellen Belastungen medizinische Leistungen oft nicht in Anspruch nehmen."


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global news 1573 17-06-09: Rückgang in der gewerblichen Wirtschaft Jan-April Beschäftigte -0,7 %, Lohn- und Gehaltssumme -4,8 %

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Die Kurzarbeit und der Beschäftigungsrückgang haben in den ersten vier Monaten dieses Jahres zu einem Rückgang um 9,5 % der Arbeitsstunden in der gewerblichen Wirtschaft geführt. Infolgedessen fiel die Lohn- und Gehaltssumme um 4,8 % und das Entgelt pro Beschäftigten um 4,2 % (Abb. 04009). Allein im April lag die Zahl der Beschäftigten um 1,7 % unter Vorjahresmonat.


Diese Entwicklung drückt gewaltig auf die Kaufkraft sowie die Binnennachfrage und verschärft damit die Krise, die andererseits von dem starken Exporteinbruch angetrieben wird. Inzwischen sind steigen die Vorraussagen der Arbeitslosigkeit auf über 5 Millionen für nächstes Jahr (Deutsche Bank).

Die Finanzmarktstabilisierungsanstalt Soffin befürchtet zunehmende Eigenkapital-Probleme bei deutschen Banken. Die angekündigte Rating-Herabstufung bei strukturierten Wertpapieren drohe, "den konjunkturell bedingten Anstieg der Risikoaktiva großer deutscher Banken massiv zu verschärfen", heißt es in einem Positionspapier des Bankenrettungsfonds, das dem "Handelsblatt" und der Nachrichtenagentur dpa-AFX vorliegt. "Dadurch wird deren ausreichende Kapitalisierung gefährdet sein." Für Unruhe sorgt auch eine Schätzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese taxiert den Abschreibungsbedarf für Banken aus der Euro-Zone von jetzt an bis Ende 2010 auf 283 Milliarden US-Dollar. Im Zeitraum 2007 bis 2010 dürften die Banken der Euro-Zone insgesamt 649 Milliarden Dollar abschreiben, sagte EZB-Vizepräsident Lucas Papademos in Frankfurt. Die Zahlen seien allerdings mit großer Unsicherheit behaftet, sagte Papademos. Die weitere Entwicklung hänge vor allem von der Konjunktur ab. Anbei zum Ausgleich für die trüben Prognosen ein hoffentlich erheiternder Cartoon (Abb. Krise).



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global news 1572 16-06-09: China verschärft die globale Krise

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Allen Erwartungen von optimistischen Beobachtern zum Trotz, koppelt sich China nicht so von der Krise der anderen Länder ab, daß seine Einfuhren einen krisendämpfenden Charakter entwickeln würden. Das Gegenteil ist derzeit der Fall. China hat bis zum letztgemeldeten Monat Mai seine Gesamtimporte immer weiter zurückgefahren, zuletzt um 25,2 % gegenüber Vorjahr (Abb. 08168). Auch aus der Eurozone sind seine Importe bis zum letztgemeldeten Monat Februar um 21,5 % geschrumpft (Abb. 08169).



Die Importe aus Deutschland liegen trotz eines Anstiegs im März nicht unwesentlich unter den Spitzenwerten des vergangenen Jahres (Abb. 08170).


Besonders in Indien wird derzeit über eine aggressive Preispolitik Chinas geklagt. Die indische Handelskammerorganisation FICC nennt nach einem Bericht in der heutigen Financial Times wichtige Bereiche wie Lebensmittelverarbeitung, Maschinenbau, Baumaterial, Chemikalien und Textilien als besonders betroffen. Es handele sich um typisches chinesisches Vorgehen, ganze Märkte zu erobern und dann die Preise wieder auf ein Normalniveau anzuheben, nachdem die einheimischen Unternehmen verdrängt worden seien.


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global news 1571 14-06-09: Von den Schattenbanken zur Schattensanierung der Banken

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Langsam wird es unerträglich, was sich die Politik mit uns leistet, um die Banken quasi hinter unserem Rücken zu sanieren. Zuvor hat die Politik die Bankenaufsicht schleifen lassen und z.B. in Deutschland die Auslagerung der miesen Papiere der Banken in nicht kontrollierte Zweckgesellschaften oder Schattenbanken zugelassen. Jetzt nachdem die Banken mit ihren Schatten angebrannt sind, findet eine Schattensanierung statt.

Es reicht schon, daß die Notenbanken mit stillschweigender Zustimmung der Regierungen seit vielen Monaten in USA und Euroland fragwürdige Wertpapiere der Banken in Zahlung zu nehmen, um den Banken Liquidität zuzuführen. Diese inflationstreibende Liquiditätsvermehrung läßt sich nur zurückführen, wenn die Banken die Kredite der Notenbanken wieder rechtzeitig zurückzahlen können. Das wird bei sehr vielen Banken wahrscheinlich erst Jahre später gehen, nachdem wegen der Liquiditätsflut der Notenbanken die derzeitige deflationäre Situation längst schon wieder in eine Inflation zu unserer aller Nachteil umgeschlagen ist.

Nun aber läuft der neueste Trick im Schattenreich. Viele Regierungen haben begriffen, daß sie die enormen Finanzvolumina, die sie für ihre Konjunkturprogramme brauchen, nicht normal über Staatsanleihen finanzieren können. Wegen der Sorgen der Anleger vor Überschuldung der Regierungen und einer Superinflation müßten sie viel zu hohe Zinssätze anbieten. Also sind die Notenbanken darauf verfallen, den Banken superbillige Kredite zur Verfügung zu stellen, damit die dann damit die höher verzinste Staatsanleihen kaufen können. Die gelten auch noch als sicher, so daß die Banken dagegen kaum teueres Eigenkapital buchen müßen.

Ich hatte darüber am Beispiel der EZB bereits im Rundbrief vom 30. Mai berichtet. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben die Eurozonenbanken nicht weniger als 250 Mrd Dollar Gegenwert in solchen Bonds gekauft (Abb. 03945). Sie haben dafür einen Kredit zu 1 % Zins bekommen und verdienen andererseits etwa 4 % an den damit erworbenen langfristigen Staatsanleihen.


Nun aber wird die amerikanische Regierung in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von mehr als 1,8 Billionen Dollar zu finanzieren haben (Abb. 05087), siehe Kommentar Mike Whitney in Information Clearing House. Das kommt zu den etwas mehr als 1,2 Billionen Dollar hinzu, mit denen die Fed ihre Bilanz bereits aufgeblasen hat (Abb. 05174). Doch wegen der Skepsis der Anleger und der alternativ wieder attraktiven Aktienmärkte sind die Zinsen für die 10-Jahres-Staatsanleihen immer weiter gestiegen. Das treibt auch die Zinsen für Hypotheken, Verbraucherdarlehen und die Unternehmensfinanzierung wieder in die Höhe und entwertet damit die Konjunkturprogramme. Außerdem ist ein Run auf den Dollar zu befürchten.



Doch vorbereitend hat die Fed den Banken immer mehr Kredit zu null Prozent Zins zur Verfügung gestellt. Mit dieser Unterstützung sind die Reserven der Banken von 97 Mrd Dollar im August 2008 bereits auf 950 Mrd Dollar im April 2009 gestiegen, also um fast eine Billion Dollar. Nun, nachdem der Zins der Staatsanleihen auf 4 % geklettert ist, kann die Fed erwarten, daß sich die Banken darauf stürzen, weil die Differenz zwischen 0 % Soll- und 4 % Habenzins ein phantastisches Geschäft ergibt. Mit diesem Trick kann aber verhindert werden, daß immer höhere Zinsen an private Anleger zu zahlen sind und sich alle die anderen erwähnten Nachteile verschärfen. Gleichzeitig wird damit ein wichtiger Beitrag zur Sanierung der Banken geleistet. Das Ganze geschieht allerdings um den Preis eines gewaltigen Anstiegs an Liquidität mit all den potentiellen inflationstreibenden Folgen.


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global news 1570 13-06-09: Deutsche Unternehmen volle Fahrt in die Verlustzone: Ohne Rendite massive Entlassungen

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Es waren schöne Zeiten, als die Renditen in USA, der Eurozone und Japan nach Berechnungen des IWF bis auf 12 % des Bruttoinlandsprodukts hochsprangen (Abb. 03474). Als die Nettoumsatzrendite deutscher Unternehmen im Zeichen der erzwungenen Lohnverzichte von langfristigen 2,7 % auf gegen 4 % hochkletterte und im 1. Quartal letzten Jahres für die Top 100 börsengehandelten Unternehmen noch bei 4,8 % lag. Davon ist nun nichts mehr übrig, wenn man die beiden rücksichtlos zulangenden Energieversorger E-ON und RWE wegläßt (Abb. 14688).



Nun fällt der Umsatz mit einer bisher nicht gekannten Sinkrate von über 23 % im Vorjahresvergleich (Abb. 04910). Gleichzeitig sinken die Erzeugerpreise (ohne Energie) im letztgemeldeten Monat April um 2 % gegenüber Vorjahr mit weiter sinkender Tendenz (Abb. 14689) und bringen die Erträge in einer deflationären Entwicklung zusätzlich unter Druck. Kein Wunder dann, daß im ersten Quartal 2009 selbst unter den Top 100 Unternehmen schon fast ein Drittel in den roten Zahlen waren. Auch die Insolvenzzahlen steigen gespenstisch, im letztgemeldeten Monat März schon um 24 % gegenüber Vorjahr (Abb. 14602).




Wenn die Unternehmen zunehmend Verluste machen, können sie keine Dividenden mehr auszahlen und fallen die Börsenkurse, und das trotz der derzeitigen Börsenspekulation auf Ende der Krise. Bei vielen droht der Konkurs, zumal in dieser Situation die Banken auf der Kreditbremse sind und niedrigverzinste Anleihen durch wesentlich teuere refinanziert werden müssen. Unternehmen werden daher bald und spätestenst nach den Bundestagswahlen beginnen, ihre Kosten durch massive Entlassungen zu senken, wie sie das in der Vergangenheit in solchen Phasen immer getan haben, nur diesmal viel stärker. Das gilt umsomehr, als die Auftragszahlen mit einem Minus von 36 % in den letzten drei Monaten bis zum letztgemeldeten Monat April gegenüber Vorjahreszeitraum ein längeres Anhalten der Krisenlage anzeigen (Abb. 14690).


Alle künstlichen frohen Botschaften werden daran nichts ändern. Nur eine Senkung des EZB-Zinses auf Null und ein drittes noch größer dimensioniertes Konjunkturprogramm der Bundesregierung würde die Entwicklung etwas abfedern können. Beides ist jedoch nicht zu erwarten.

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global news 1569 12-06-09: Wie zu erwarten: Deutsche Unternehmensgewinne brechen um 70 % ein

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Nach einer vergleichenden Bilanzanalyse des Handelsblatts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung an der Uni Saarbrücken (IWP) und der Unternehmensberatung Oliver Wyman strichen die Top-100-Konzerne im ersten Quartal nur noch Nettogewinne in Höhe von 4,8 Milliarden Euro ein, wovon allerdings allein 4,5 Milliarden Euro auf die beiden Versorger Eon und RWE entfielen. Die anderen 98 Konzerne verzeichneten praktisch keine Gewinne mehr. 32 der 100 Unternehmen rutschten in die roten Zahlen. Die dramatisch eingebrochenen Gewinne lassen die Margen (Umsatzrendite) auf das Niveau vom Krisenjahr 2002 einbrechen: Insgesamt blieb bei den 100 Top-Unternehmen pro Euro Umsatz nur 1,7 Cent übrig, nach 5,3 Cent im Vorjahr oder 68 % weniger (Abb. 14687).


Dagegen sanken die Umsätze im ersten Quartal dieses Jahres durchschnittlich nur um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund für das Missverhältnis zwischen moderat sinkenden Umsätzen, aber scharf einbrechenden Gewinnen sind hohe Fixkosten. Sie lassen sich in der Krise nur schwer und zeitverzögert drücken, vor allem durch Entlassungen. Schon in der Krise zwischen 2001 und 2003 waren anfangs die Gewinne eingebrochen. Als die Unternehmen später mit Restrukturierungen und Entlassungen reagierten und so die Kosten nachhaltig senkten, stiegen die Gewinne, obwohl die Umsätze zunächst noch weiter sanken.


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Wirtschaftsstandort

Hinweis auf mein neues Buch: "Globalisierung: Legend und Wahrheit - Eine Volkswirtschaftslehre für nicht ganz Dumme" - ist im März 2008 im Shaker-Verlag als Taschenbuch erschienen (ISBN 978-3-940459-56-5). Zur Bestellung hier.